Welt : Sein und doch nicht sein

Ulrike Scheffer

Vor einigen Monaten schien die Welt in Dänemark noch in Ordnung. Die beiden königlichen Dackel tollten im Park von Schloss Marselisborg in Arhus herum, während Margrete II. und ihr Mann drinnen gut gelaunt deutsche Journalisten empfingen. Erst als Prinz Henrik nach den Vorzügen der Königin gefragt wurde, drohte die Stimmung zu kippen. Henrik hatte darauf keine Antwort. Angesichts der verblüfften Gesichter seiner Gäste besann er sich schnell eines Besseren: "Darüber spreche ich grundsätzlich nicht, wenn sie dabei ist", sagte er. Die neben ihm sitzende Margrethe lächelte irritiert. Nun ist es mit der Zurückhaltung offenbar vorbei. Nach 35 Jahren hat der 67-jährige Henrik genug vom Dasein im Schatten seiner Frau und will sein Leben gründlich überdenken. In der letzten Zeit sei er von seinem ältesten Sohn ins dritte Glied verdrängt worden, klagte der ehemalige französische Diplomat in einer dänischen Zeitung und reiste "gedemütigt" auf sein Weingut in Südfrankreich.

Viele Männer dürften Schwierigkeiten mit einer Rolle wie der des Prinzgemahls haben. Kaum einem würde es wohl gefallen, ein paar Schritte hinter seiner Frau hergehen zu müssen? Nicht einmal den Titel König dürfen Männer wie Henrik tragen. Die Partner von Politikerinnen können sich immerhin von der Öffentlichkeit fern halten und eine eigene berufliche Karriere verfolgen. Prinzgemahle dagegen müssen ihr Leben ganz in den Dienst ihrer Frauen stellen. Sie dürfen allenfalls Ehrenämter ausüben oder sich wie Henrik als Freizeitwinzer und -lyriker betätigen.

Im Grunde, so sieht es jedenfalls Henriks britischer Kollege Prinz Philip, haben Prinzgemahle vor allem Unterhaltungswert. Die Medien verfolgten ihn regelrecht, um mögliche Peinlichkeiten zu dokumentieren, vertraute Philip einmal einem Freund an. Nach einer Südafrikareise habe sich einer der mitreisenden Journalisten sogar bei seinem Leibwächter beschwert, weil Philip in kein Fettnäpfchen getreten sei. Die Reise sei deshalb reine Zeitverschwendung gewesen, soll der Reporter gesagt haben, wie Philip in dem in Auszügen veröffentlichten Brief an seinen Freund schrieb. Für die Hamburger Paar- und Familientherapeutin Angelika Faas steht jedoch fest, dass nicht nur Philip selbst Schwierigkeiten mit seiner "Performance" hat. Im übersteigerten Interesse der Öffentlichkeit für das Phänomen Prinzgemahl macht sie auch eine gewisse Hilflosigkeit der Gesellschaft aus. "Den Menschen fehlt ein Interpretationsmuster für seine Rolle. Als Kinder haben wir doch alle gelernt, dass der Mächtige der König ist."

Der frühere Leutnant Philip hat sich aber immerhin behauptet - anders offenbar als Henrik und besonders Prinz Claus aus den Niederlanden. Claus leidet an schweren Depressionen und ist auch sonst ein schwer kranker Mann. Bei der Hochzeit von Thronfolger Willem-Alexander am vergangenen Samstag saß er wie ein Häufchen Elend zusammengekauert neben seiner Frau. Beatrix musste ihn sogar stützen, als sie gemeinsam ins Standesamt gingen. Als Deutscher wurde der Diplomat im Nachbarland nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Bei der Hochzeit mit Beatrix im März 1966 gab es in Amsterdam heftige Krawalle. Auf vielen Hauswänden stand "Claus raus". "Wer da nicht von vornherein ein starkes Selbstbewusstsein mitbringt, kann leicht untergehen", sagt Angelika Faas. Auch Philip hatte wegen seiner deutschen Vorfahren zunächst keinen leichten Stand in London. Sein Großvater war Prinz Louis von Battenberg aus dem Geschlecht der Großherzöge von Hessen. Doch während sich Claus abkapselt, versucht Philip bis heute, einen ganzen Kerl abzugeben - ob beim Reiten oder verbal. Seine boshaften Ausfälle, etwa gegen Ausländer, sind legendär. Schlechter Charakter gilt sozusagen als Philips Markenzeichen. Möglicherweise sucht der Prinzgemahl aber auch nur ein Ventil für seine angestauten Aggressionen, "weil er der Macht nahe ist, diese selbst aber nicht ausüben kann", sagt Therapeutin Angelika Faas. Mit anderen Worten: Auch Philip hat ein Problem damit, die zweite Geige zu spielen.

Zum Leidwesen seiner Kinder spielt sich der britische Prinzgemahl noch immer als strenger Vater auf, denn nur in der Familie kann er wirklich herrschen. Im vergangenen Jahr attestierte er seinem ältesten Sohn, Thronfolger Prinz Charles, als König ungeeignet zu sein. Zwischen Vater und Sohn herrscht ein wahrer Psychokrieg. Charles hat sich mehrfach öffentlich über seinen autoritären Vater beklagt. Philip soll Charles sogar zur Hochzeit mit Prinzessin Diana gezwungen haben. Kein Wunder, dass der 53-jährige Charles in den britischen Medien immer wieder als beziehungsunfähiger Trottel dargestellt wird.

Vielleicht sollte Charles eine Selbsthilfegruppe gründen. Der dänische Kronprinz Frederik würde ihr wahrscheinlich sofort beitreten. Auch er litt unter dem "altmodischen Erziehungsstil" des Vaters aus der zweiten Reihe, der die Erziehung von Kindern schon mal mit der Aufzucht von Hunden verglich. Bis zu seinem Militärdienst plagten Frederik Angstzustände; wie er in Interviews preisgab, trug er sich sogar mit Selbstmordgedanken. Ob er sich nach dem vorläufigen Abgang seines Vaters besser fühlt?

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