Welt : Seine Welt steht Kopf

Der Milliardär Charles Simonyi ist glücklich auf der Raumstation ISS gelandet

Roland Knauer

Der schwerelose Salto bei der Ankunft in der internationalen Raumstation ISS zeigt, dass der aus Ungarn stammende US-Amerikaner Charles Simonyi den Tritt in den Hintern gut verkraftet hat, mit dem sein Urlaubsflug in den Weltraum begonnen hat. So ähnlich fühlt es sich jedenfalls an, wenn zwei russische Kosmonauten gemeinsam mit einem zahlenden Passagier in ihren engen Sojus-Kapseln zur Internationalen Raumstation ISS fliegen: Der Start drückt die Kosmonauten etliche Sekunden mit bis zum Doppelten ihres normalen Körpergewichts in die Sitze. Ist die erste Stufe der Rakete ausgebrannt, schleudert Schwerelosigkeit die Raumfahrer nach vorn in die Sicherheitsgurte, bis die zweite Stufe zündet und die erneute Beschleunigung die Körper für Sekundenbruchteile mit dem dreifachen ihres Gewichtes in die Sitze drückt. „Dieser Moment fühlt sich wie ein Tritt in den Hintern an“, sagt der Experte für bemannte Raumfahrt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR, Volker Schmid, in Bonn.

Wie wird man Weltraumtourist? Wer 16 Millionen Euro für einen Flug zur Raumstation ISS locker machen kann, braucht grundsätzlich nicht viel mehr als eine halbwegs solide Gesundheit und Geduld, erklärt Volker Schmid. Angeblich sollen die freien Plätze für Flüge mit Sojus-Kapseln für die nächsten Jahre bereits ausgebucht sein. Um bei den bisher zwei mal im Jahr startenden Sojus-Flügen einen Platz zu ergattern, muss man aber keineswegs Superman oder Hochleistungssportler sein, beweist der US-Astronaut John Glenn. Er war nicht nur 1962 der erste Amerikaner, der in den Weltraum flog und drei Mal die Erde umkreiste, sondern startete 1999 noch einmal mit dem Spaceshuttle Discovery zur ISS. Da war John Glenn 77 Jahre alt.

Da die Nasa keine Touristen mit in den Weltraum nimmt, muss der interessierte Zivilist mit der erheblich engeren Sojus-Kapsel des russischen Unternehmens RKK Energija fliegen. Drei Menschen mit Größen zwischen 150 und 190 Zentimetern und einem Gewicht von 50 bis 95 Kilogramm passen in die Kapsel. Superschlanke Models und übergewichtige Männer haben also genauso wenig Chancen wie baumlange Basketballer. Ansonsten genügen eine gute Gesundheit und Fitness für den Weltraumtourismus.

Ob man die Schwerelosigkeit verträgt und der Organismus sich daran gewöhnt, dass es weder unten noch oben gibt, zeigt sich erst im Weltraum. Mit allen unangenehmen Begleiterscheinungen einer Seekrankheit geht es vielen dort erst einmal ziemlich schlecht, auch Charles Simonyi hat es vor seinem Salto wohl erwischt. Auf der Erde pumpt und drückt der Organismus ständig Wasser und Blut in die oberen Körperteile, weil die Schwerkraft die Flüssigkeiten von dort wieder nach unten zieht. Im Weltraum fällt die Schwerkraft weg, der Organismus verteilt Flüssigkeiten aber weiter um. Deshalb haben die Raumfahrer oft aufgedunsene Gesichter.

Die größte Belastung aber liegt noch vor ihnen. Beim Rückflug. Mit dem Rücken zur Flugrichtung knallen die Kosmonauten auf die Erdatmosphäre, das ist wie eine Landung im Sirup. Mit dem Drei- oder Vierfachen ihres Normalgewichtes kleben sie mit angewinkelten Knien in den Sitzen und das Schlimmste liegt noch vor ihnen: Wie bei einem Autounfall knallt die Sojus-Kapsel am Ende des von Fallschirmen gebremsten Absturzes auf die Erde. Wie die Knautschzone eines Autos verbiegen sich Metallstäbe in den Sitzen. Trotzdem wiegen die Kosmonauten kurz das Siebenfache ihres NormalgGewichtes. Wenn sie dann aus der Kapsel gezogen werden, sind sie fix und fertig. Dann kommt das Allerschwierigste: In die Kameras lächeln.

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