Welt : Seiner Zeit voraus

Benito van der Zander ist 15 Jahre alt und geht ganz normal zur Schule. Nebenher studiert er noch

Nina C. Zimmermann

Seine Stimme ist leise und hell. „Am Anfang war ich etwas nervös, weil ich nicht wusste, wie es läuft“, flüstert Benito und wartet auf die nächste Frage. Auch jetzt scheint er unsicher, wie es weitergeht, ob er noch mehr sagen soll. Benito van der Zander studiert seit zwei Jahren Informatik an der Universität Düsseldorf und hat seitdem in jedem Semester die besten Klausuren seines Faches geschrieben. Bei Benito van der Zander ist das schon ein wenig ungewöhnlich: Er ist erst 15 Jahre alt und geht noch ins Gymnasium.

Weil der Zehntklässler nach dem Willen seiner Schulleiterin nicht zu viel vom Unterricht verpassen soll, darf er zudem nur die Hälfte der Vorlesungszeit im Hörsaal verbringen. Die anderen, älteren Studenten seien zunächst verblüfft gewesen, als er das erste Mal mit ihnen die Bank drückte, erinnert sich Benito. Auch die Professoren hätten erst einmal erstaunt ausgesehen: „Das hat sich aber gelegt, als sie gemerkt haben, was ich kann.“

An der Düsseldorfer Universität ist es wie an fast allen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen seit einiger Zeit durchaus üblich, dass minderjährige Schüler gemeinsam mit gestandenen Studenten büffeln. Andere Bundesländer, darunter auch Berlin, gehen bei der Begabten-Förderung ähnliche Wege: An der Freien Universität etwa können sich Schüler ab der zehnten Klasse kostenlos als Gasthörer für mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer einschreiben und Scheine erwerben, die später im richtigen Studium als Leistungsnachweise anerkannt werden (siehe Infokasten).

Juniorstudent Benito ist im Moment aber eher fasziniert von den Möglichkeiten, die ihm leistungsfähige Computer bieten. Das Tolle daran sei, dass man ihnen genau sagen könne, was sie machen sollen, schwärmt Benito. Fast seine gesamte Freizeit verbringt der große, dunkelhaarige Junge vor dem Rechner.

Sein Computer-Talent sei „auch ein bisschen anerzogen“, vermutet Benito. Denn seine Mutter, Roswitha van der Zander, eine Bildhauerin, die früher einmal Mathematik studiert hat, habe ihm den Umgang mit Zahlen stets spielerisch näher gebracht. So habe sie etwa ein kleines Labyrinth mit Zahlen gebastelt oder ihn Dreiecke zusammensetzen lassen. Schon als Achtjähriger war er stolzer Besitzer eines Computers. Doch der wurde ihm schnell langweilig: Nur drei Spiele seien darauf gewesen. „Deshalb habe ich dann halt eigene programmiert.“ Das, was er dazu an Wissen benötigte, habe er sich mit Hilfe von Büchern beigebracht.

Als Benito schließlich mit seinem Studium anfing, wollten ihm seine Klassenkameraden das zuerst nicht abnehmen: „Sie haben nicht geglaubt, dass es ernst gemeint ist“, erzählt er. Nachdem sie am Anfang etwas neidisch gewesen seien, hätten sie sich inzwischen daran gewöhnt. Ein bisschen schade findet er, dass er außerhalb der Schule kaum Kontakt zu Gleichaltrigen hat. Allerdings hat der 15-Jährige auch wenig Interesse an dem, was seine Mitschüler in ihrer Freizeit machen. Sport etwa ist für Benito eine abwegige Vorstellung. „Körperliche Sachen finde ich eher langweilig“, sagt er beinah energisch. So sitzt er denn lieber allein an seinem Rechner. Das mag auch mit dem schlechten Verhältnis der Eltern zusammenhängen. Seine Mutter ist unglücklich, weil ihr Mann, der Vater des Jungen, ein Kunstmaler, nicht auszieht.

Auch in diesem Semester stehen für Benito neben dem normalen Unterricht wieder Vorlesungen auf dem Stundenplan – allerdings nicht in Informatik. Weil die Herleitung einiger Formeln, die bislang in seinem Studium vorkamen, erst Oberstufen-Stoff sind, hat er sie nicht immer auf Anhieb verstanden. Um aber weiterhin mitzukommen, hat ihm seine Betreuerin an der Uni geraten, jetzt erst einmal Mathematik zu studieren.

Für Benito ist das ein Leichtes.

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