Welt : Sekte plant Massenselbstmord

JERUSALEM (KNA/AFP).Die israelische Polizei will acht Mitglieder der christlich fundamentalistischen Sekte "Besorgte Christen" und ihre sechs Kinder ausweisen, die am Sonntag verhaftet worden waren.Ein gerichtliches Vorgehen sei nicht geplant, hieß es am Montag aus Behördenkreisen in Jerusalem.Die Sektenmitglieder waren mit Unterstützung des israelischen Geheimdienstes in zwei Vororten Jerusalems festgenommen worden.Am Montag morgen wurden die männlichen Sektenmitglieder in einer Kaserne des Geheimdienstes "irgendwo in der Gegend von Tel Aviv" verhört; Frauen und Kinder hätten die Nacht in einer Polizeistation verbracht.Eine Polizeisprecherin teilte am Sonntag mit, die Mitglieder der Sekte "Concerned Christians" (Besorgte Christen) stammten aus Denver im US-Bundesstaat Colorado.Ihre sechs Kinder seien in staatliche Obhut gegeben worden.

Nach Angaben der Polizei planten die Kultmitglieder einen Massenselbstmord und Anschläge auf Heilige Stätten in Jerusalem Ende 1999.Durch einen "apokalyptischen Akt" wollten sie die Ankunft des Messias beschleunigen.Der Anführer der amerikanischen Gruppe, als "Monte Kim Miller" identifiziert, plane Ende des Jahres seinen Selbstmord in Jerusalem, um nach drei Tagen von den Toten wieder aufzuerstehen.Ein hoher Polizeioffizier sagte, daß die Beamten gewalttätigen Widerstand der Gruppe bei ihrer Verhaftung befürchtet hätten.Von der Polizei erschossen zu werden, hätte nach Ansicht der Kultmitglieder ihr "direktes Aufsteigen in den Himmel" bedeutet.

Die Sekte wurde vor etwa zwei Monaten erstmals in einer Wohnung im vornehmen Jerusalemer Viertel Rehavia gesichtet.Nach ihrer Entdeckung sei die Gruppe zunächst spurlos verschwunden, doch der Geheimdienst sei ihnen auf den Fersen geblieben.Gemäß Berichten aus den USA seien 78 Mitglieder der Sekte aus Denver und Colorado im vergangenen Oktober "verschwunden".Es wird vermutet, daß sie sich in der Gegend von Jerusalem aufhalten und dort das Ende des Jahrtausends abwarteten.

Regierung und Behörden in Israel hatten in den zurückliegenden Monaten mehrfach darüber beraten, wie sie mit möglicherweise gewalttätigen christlichen Sekten umgehen sollen.Dabei wurde vorgesehen, solche Gruppen schon bei der Einreise zu identifizieren und wieder zurückzuschicken.

Die "New York Times" hatte im November von der Einreise der Sektenmitglieder berichtet.Ihr geistlicher Führer Monte Kim Miller sagte demnach voraus, daß er im Dezember 1999 in den Straßen Jerusalems getötet werde und dieses Ereignis das apokalyptische Ende des zweiten Jahrtausends markiere.Weil er das Ende der Welt kommen sehe, wünsche er, daß seine Anhänger sich in Jerusalem niederließen.Miller befindet sich der israelischen Polizei zufolge nicht in Jerusalem.

Die Anhänger des sogenannten christlichen Chiliasmus vertreten die Lehre von einer tausendjährigen Herrschaft Christi auf Erden am Ende der geschichtlichen Zeit.Einige glauben, daß die Zerstörung der Moscheen auf dem Jerusalemer Tempelberg und der Wiederaufbau des antiken jüdischen Tempels an ihrer Stelle die Wiederkehr des Messias und das Jüngste Gericht einleitet.

Unterdessen teilte der israelische Tourismus-Minister Moshe Katsav mit, die israelische Polizei sowie die Geheimdienste Mossad und Shin Bet hätten eine gemeinsame Kommission zur Überwachung möglicher Sektenmitglieder in Israel gebildet.Außerdem gebe es eine enge Zusammenarbeit mit US-Behörden und Geheimdiensten.Seine Regierung wolle alles tun, damit die 2000-Jahrfeiern friedlich verliefen, sagte Katsav.

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