Sensationsfund : Raub-Dinos in Deutschland

In Niedersachsen finden Forscher erstmals in Europa Spuren von Raptosauriern. Der Fund übertrifft offenbar alle bisher entdeckten Spuren aus China, Korea, dem Niger und den USA.

Dagny Lüdemann
saurier
Die Paläontologin Annette Richter deutete am Freitag neben einem Raptosaurus-Modell auf die Fußspuren. -Foto: dpa

Fußabdrücke verschiedener Dinosaurier haben Forscher in einem Steinbruch mitten in Niedersachsen entdeckt. Der Fund übertreffe alle bisher entdeckten Spuren aus China, Korea, dem Niger und den USA, erklärten die Forscher vom Niedersächsischen Landesmuseum Hannover auf einer Pressekonferenz. Und es ist das erste Mal, dass in Europa Spuren von Raptoren nachgewiesen wurden.

49 Fußabdrücke dieser mit heutigen Vögeln verwandten Saurier verteilen sich auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern in dem Steinbruch in Obernkirchen bei Bückeburg. „Das ist der Beweis, dass diese vogelartigen Dinosaurier ihr Zentrum auch in Europa hatten“, sagte Annette Richter, eine der beteiligten Paläontologinnen. Weltweit gibt es nur sechs Grabungsstätten mit Raptosaurier-Spuren.

Neben den Fährten dieser Raubsaurier, die durch Steven Spielbergs Film „Jurassic Park“ bekannt wurden, fanden sich in dem Steinbruch auch besonders große Stapfen von Iguanodon, einer vegetarischen Riesenechse, die knapp zehn Meter groß wurde. Die Anordnung der Fährten lässt erkennen, dass sich hier, wo vor geschätzten 140 Millionen Jahren noch eine Lagune war, zwei Iguanodon-Herden begegnet sein müssen. „Die Trampelpfade belegen, dass diese Saurier Rudeltiere waren“, berichten die Paläontologen.

Dass sich die Dinosaurier überhaupt so stark auf der Erde verbreiten und bis zum Ende der Kreidezeit vor rund 65 Millionen Jahren zu den Herrschern ihrer Epoche werden konnten, war in erster Linie Glück, wie Wissenschaftler im Fachjournal „Science“ (Band 321, Seite 1485) berichten. Vor etwa 235 Millionen Jahren – in der Mitte des Erdzeitalters Trias – bevölkerten die ersten Riesenechsen die Erde. In dieser Zeit lebten die Crurotarsi, zu Deutsch „Kreuz-Knöchel“, zu denen die heutigen Krokodile zählen. Sie bevorzugten Lebensräume, die auch für Dinosaurier attraktiv waren. Lange Zeit gingen Forscher davon aus, dass die Dinos den wechselwarmen Crurotarsi überlegen waren, weil sie als Warmblüter ihre Körpertemperatur konstant halten und so auch bei Kälte beweglich und aktiv sein konnten. Außerdem waren sie aufgrund ihres Körperbaus vermutlich flinker als ihre Zeitgenossen.

Doch jetzt hat Stephen Brusatte, Doktorand am Naturhistorischen Museum der Columbia-Universität in New York, zusammen mit britischen Kollegen herausgefunden, dass die Kreuz-Knöchel-Archosaurier zum Ende des Trias eigentlich beste Voraussetzungen hatten, um die Herrschaft an Land zu übernehmen. Sie hatten bereits viele ökologische Nischen eingenommen: Einige jagten auf zwei oder vier Beinen nach großen Beutetieren, andere spezialisierten sich auf Fisch oder rein pflanzliche Nahrung. So entwickelten sich weit mehr Crurotarsi-Arten als es bei den Dinosauriern der Fall war – beste Bedingungen also, um sich an neue Umweltbedingungen anzupassen und langfristig zu überleben. Nur ein Massensterben aus noch ungeklärter Ursache zum Ende der Trias verhinderte, dass sich die Verwandten der Krokodile weiter ausbreiten konnten. Bis auf weniger Vertreter, von denen nur die Krokodile bis heute überlebt haben, verschwanden diese Tiere wieder vom Erdball – und machten den Weg frei für die Dinos.

Und nur deshalb konnten die Riesenechsen auch durch das heutige Niedersachsen trotten und dort ihre Spuren für die Nachwelt hinterlassen.(mit dpa)

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