Welt : SERGEJ LAWROW

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Der russische Außenminister ist ein erfahrener Karrierediplomat, der sein Handwerk zu Sowjetzeiten von der Pike auf lernte. Einschließlich Tipps und Tricks, wie man Breschen in die meist russlandkritische Front der abendländischen Wertegemeinschaft schlagen kann und deren rivalisierende Interessen zum Nutzen von Mutter Heimat gegeneinander ausspielt. Wie das geht, demonstrierte der heute 63-Jährige schon als UN-Botschafter in der Jelzin-Ära nach allen Regeln der Kunst. Nicht mit Getöse, wie die Kremlherrscher, sondern mit fundierten Argumenten. Sergej Lawrow kann mit einem einzigen Satz tief verletzen, ohne sich in der Form zu vergreifen, er kann – wie alle Musikliebhaber – aber auch zuhören. Er kann seinen Partnern goldene Brücken bauen, wie er es beim Antrittsbesuch des damals auf diplomatischem Parkett noch nicht sehr sicheren Bundesaußenminister Guido Westerwelle tat. Oder umnebelt vom Rauch einer Zigarette genüsslich verfolgen, wie der Gegenspieler sich in den von ihm gelegten taktischen Leimruten verfängt.

Der Vorschlag, syrische Chemiewaffen unter internationale Kontrolle zu stellen, raunen Kenner der Materie, stamme von Putin oder aus der Kremladministration, Strategie und Taktik der Umsetzung dagegen habe Lawrow geliefert. Es könnte so gewesen sein. Zufällig war der syrische Außenminister gerade in Moskau. Lawrow dürfte ihm nochmals klargemacht haben, was die Alternative bei einer Ablehnung wäre: das Ende, womöglich auch das physische, von Assad und dessen Ministerriege. Verschwörungstheoretiker behaupten sogar, Russland habe dafür gesorgt, dass bei der Pressekonferenz von Lawrows Amtskollegen John Kerry ein Journalist die „richtige“ Frage stellte: Was geschehen müsse, um in letzter Sekunde einen Militärschlag noch zu verhindern. Elke Windisch

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