Welt : Sex: Genetisches - Die Biologie des Fremdgehens

Lange betrachteten Verhaltensforscher die treue Einehe als biologischen Normalfall, neuerdings belehren uns immer mehr Studien, dass die untersuchten Tierarten - von der Heckenbraunelle bis zum Hanuman-Languren - zu Seitensprung und Vielehe neigen, wann immer sich die Chance bietet. Die Erkenntnis färbt auf den Menschen ab: Auch uns, so glauben deshalb viele Verhaltensforscher heute, treibt nicht wilde Lust in die Betten neuer Partner. Vielmehr versuchen die Männchen unbewusst, ihr Erbgut möglichst zahlreich zu streuen; die Weibchen gehen fremd, weil sie - nicht minder unbewusst - ihre Gene mit denen eines in genetischer Hinsicht besseren Partners zu verschmelzen suchen.

In den USA, wo nach einer Blutgruppenanalyse zu urteilen jedes zehnte Kind nicht vom Ehemann der Mutter stammt, fanden Psychologen etwas Verblüffendes: Wenn Frauen fremd gehen, tun sie es häufiger während ihrer fruchtbaren Tage; dann also, wenn die Wahrscheinlichkeit beim "Fehltritt" auch noch schwanger zu werden, am größten ist.

Dass sie ihm Hörner aufsetzt, ist vom biologischen Standpunkt aus das Schlimmste, was ihm passieren kann. Er kann nur sicher gehen, tatsächlich Vater eines Kindes zu sein, wenn sie ihm treu ist. Männer sind daher in der Regel bei einem Seitensprung der Frau unversöhnlicher als umgekehrt. In allen Kulturen, die Ehebruch sanktionieren, wird das Fremdgehen der Frau stärker verurteilt als ein Seitensprung des Mannes.

Auch neigen Männer stärker zur Eifersucht als Frauen. Da es ihr vor allem um die Versorgung der Kinder geht, ist sie von der Gefahr sitzen gelassen zu werden, stärker bedroht als von einem tatsächlichen Seitensprung und einer belanglosen Affäre ihres Mannes. Auch wenn Frauen nicht gerade Beifall klatschen, wenn sie betrogen werden (und dahinter kommen), scheint ihnen dies weniger zuzusetzen als umgekehrt den Männern, meinen Soziobiologen herausgefunden zu haben. Erst wenn Männer eine tiefe gefühlsmäßige Beziehung zu einer anderen Frau eingehen und für diese möglicherweise Ressourcen abziehen könnten, sind Frauen aufs Höchste alarmiert.

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