Welt : Sex im Abseits

André Görke

Berlin - Sie sehen aus wie Garagen, nur ohne Klapptor. In diesen Boxen sollen Männer während der Fußball-WM 2006 Prostituierte besuchen. Zumindest stellt sich das die Stadt Dortmund so vor. „Wo die WM stattfindet, dort steigt auch die Zahl der Freier“, heißt es im Dortmunder Gesundheitsdezernat. Und weil der Straßenstrich eh verlagert werden soll, bemüht sich Dortmund – wie schon die Stadt Köln – bis zur Fußball-WM 2006 so genannte Verrichtungsboxen aufzustellen. Im Gesundheitsdezernat würde man „notfalls auf die teuren Boxen verzichten und Sträucher als Sichtschutz pflanzen“.

Das Thema ist ernst – jedenfalls aus Sicht der Behörden. Deshalb beschäftigt sich auch eine WM-Arbeitsgruppe beim Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden mit Prostitution. „Wir wissen, dass zur WM viele Prostituierte nach Deutschland reisen werden“, sagt ein Sicherheitsexperte. Das hätten Weltmeisterschaften wie 1998 in Frankreich oder 2004 die Europameisterschaft in Portugal gezeigt. „Wo viele Männer sind, die Alkohol trinken, nimmt die Zahl der potenziellen Freier zu“, sagte ein BKA-Sprecher. Genaue Zahlen könne man jedoch nicht nennen.

Anders als Köln oder Dortmund, wo die Verrichtungsboxen auch mehr Sicherheit für die Prostituierten bringen sollen, besteht in Berlin kein Bedarf an den Garagen, „weil wir ja keine Sperrgebiete haben“, sagt die Gesundheitsstadträtin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Martina Schmiedhofer. In ihrem Bezirk befindet sich das Olympiastadion, und dort findet nicht nur das Finale am 9. Juli 2006 statt, sondern zuvor fünf weitere WM-Spiele. „Wir wollen 100000 Kondome an die Fans verteilen“, sagt Schmiedhofer. Die Kosten sollen von Kondomherstellern übernommen werden. „Wir wollen auch Broschüren verteilen, eine Art Ratgeber in Sachen Hygiene und Aids“, sagt Schmiedhofer. Beim Pokalendspiel vor einigen Wochen in Berlin wurden bereits 5000 Kondome verteilt. „Die Aktion kam super an, auch bei den Frauen“, sagt Schmiedhofer.

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