Welt : Sex, Lügen und Wiederwahl

Mark Foleys Praktikantenaffäre bringt die US-Republikaner in täglich größere Schwierigkeiten

Rita Neubauer

Knapp einen Monat vor den Kongresswahlen in den USA wird die Sexaffäre um den zurückgetretenen Abgeordneten Mark Foley immer mehr zur Belastung für die Republikaner. Als Folge könnten die Demokraten Anfang November wieder die Kontrolle über das Repräsentantenhaus übernehmen. Nach dem Rücktritt eines engen Freundes von Foley im Kongress ist nun auch Dennis Hastert von den Republikanern unter Druck. Der Sprecher des Repräsentantenhauses soll laut „Washington Post“ schon 2003 über das unangemessene Verhalten Foleys gegenüber jungen Kongresspraktikanten gewusst haben. Hastert, selber wegen Immobiliengeschäften in seinem Heimatstaat Illinois unter Beschuss, ist der protokollarisch dritthöchste Politiker der USA. John Boehner, Fraktionschef der Republikaner im Abgeordnetenhaus, legte ihm den Rücktritt nahe.

„Wie geht es meinem Lieblingshengst?“ und „Hast du es dir am Wochenende selbst gemacht?“. So chattete vor drei Jahren bereits ein gewisser „Maf54“ mit einem jungen Mann im Internet. Die Antworten waren eher ausweichend, worauf „Maf54“ immer wieder nachhakte „In deinem Alter macht man es sich doch täglich“ und gurrte: „Ich würde dir gern dein Höschen ausziehen“. Wobei dies noch die harmloseren Zitate sind, die gestern in verschiedenen Medien veröffentlicht wurden. Hinter „Maf54“, so erfuhr Anfang der Woche die erstaunte amerikanische Öffentlichkeit, steckt Mark Foley. Foley, damals bereits republikanischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus, hatte wohl seit Jahren per E-Mails und SMS allzu engen Kontakt zu minderjährigen Schülerpraktikanten im US-Kongress gepflegt.

Foley trat zwar zurück, nahm jedoch keine Schuld auf sich. Er bekannte vielmehr, dass er selbst als Junge von einem Priester missbraucht worden sei. Erinnerungen an Skandale, die vor wenigen Jahren die katholische Kirche in den USA erschütterten, bei denen Priester Minderjährige missbrauchten, kommen hier auf. Auch erklärte sich Foley zum Alkoholiker und entschwand zu einer Entziehungskur. Präsident George W. Bush distanzierte sich zwar „angeekelt“ von Foley. Doch Anschuldigungen von Kirk Fordham, dem inzwischen ebenfalls zurückgetretenen Bürochef des einflussreichen Abgeordneten Tom Reynolds, vertiefen den Skandal nur noch. Denn Fordham, ein guter Freund von Foley, will bereits vor drei Jahren den engsten Mitarbeiter von Dennis Hastert über das unziemliche Gebaren von dessen Parteikollegen informiert haben. Seinen Rücktritt begründete er damit, dass er seinen Chef Tom Reynolds vor politischem Schaden bewahren wolle. Reynolds sitzt auf einem wichtigen Posten: Er ist Wahlleiter der Republikaner im Repräsentantenhaus. Hasterts Büro wies Fordhams Behauptungen scharf zurück. Nun steht Aussage gegen Aussage, doch so oder so kommt der Skandal den Republikanern äußerst ungelegen. Denn gerade erst hat der amerikanische Kongress seine letzte Sitzung mit viel Unerledigtem beendet, und die Politiker wollten sich eigentlich voll in den Wahlkampf für die Neuwahlen am 7. November stürzen. Bei diesen werden das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt.

Die „Praktikantenaffäre“ schockiert gleich aus mehreren Gründen die Wähler einer Partei, die sich konservative Familienwerte und tiefe Religiosität auf die Fahnen schreibt. Denn Foley war ein Ehrenbürger, der sich als Vorsitzender eines Gremiums der Kammer für vermisste und missbrauchte Kinder einsetzte. Er hat auch mitgeholfen, ein Gesetz zum Schutz von Minderjährigen zu formulieren, das Bush erst im Juli dieses Jahres unterschrieb. Belastend ist zudem, dass Foley sich vor der Enthüllung der Affäre nie zu seiner eigenen Homosexualität bekannt hat. Gleichzeitig unterstützte er als Republikaner die Bemühungen seiner Partei, in der Verfassung ein Verbot von Homo-Ehen durchzusetzen.

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