Sex-Skandal in Washington : Sie nannte sich "Miz Julia"

13 Jahre lang betrieb Deborah Jeane Palfrey von Kalifornien aus einen speziellen Service "zur Erfüllung erotischer Fantasien" für Kunden in Washington. Jetzt zittern Promis und Politiker vor ihren Enthüllungen.

Washington - Nach ihrer Darstellung handelte es sich um einen völlig legalen VIP-Begleitdienst ohne Sex. Aber die Behörden sehen dies anders. Sie haben die 50-jährige ehemalige Jurastudentin wegen Betreiben eines Prostituiertenringes angeklagt, und das Zittern hat begonnen. Denn Deborah Jeane Palfrey hat ihre Kunden-Telefonliste dem Sender ABC übergeben, der voraussichtlich am 4. Mai darüber berichten will.

Tausende Nummern sollen auf der Liste aufgeführt sein, und hinter einigen verbergen sich die Namen von "sehr prominenten Leuten", wie Brian Ross von ABC sagt. Auch eine Reihe von Frauen "mit sehr wichtigen und seriösen Berufen", die als Nebenjob für die "Madam" arbeiteten, seien aufgeführt, zitiert die "Washington Post" Ross weiter. Palfreys Rechtsvertreter, Montgomery Sibley, ist nach eigenen Angaben von fünf Anwälten kontaktiert und gefragt worden, ob ihre Mandanten auf der Liste auftauchten und wenn ja, wie man es arrangieren könne, dass ihre Identität geheim bleibe.

Harlan Ullman auch verwickelt?

Die Affäre hat in Washington schon ein erstes ranghohes Opfer gefordert. Am Freitag erklärte einer der stellvertretenden Außenminister, Randall Tobias, "aus privaten Gründen" seinen Rücktritt, nachdem ihn ABC auf den Kundenservice der "Madam" angesprochen hatte. Dem Sender zufolge gab der 65-jährige Familienvater zu, dass er die von Palfrey angebotenen Dienste in Anspruch genommen habe. "Ich habe Mädchen in meine Wohnung kommen lassen. Sie haben mir eine Massage gegeben, aber es gab keinen Sex", zitierte ihn der Sender. Kosten pro Service: Umgerechnet 275 Euro.

War der Name Tobias zwar der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt, so verbindet sich mit der Enthüllung eine besondere Pikanterie. Tobias war für Entwicklungshilfe zuständig, insbesondere für die Aids-Bekämpfung, und Tobias gehörte zu den Verfechtern "absoluter sexueller Abstinenz" als bestes Rezept gegen die Immunschwäche-Krankheit.

Einen Namen brachte "Miz Julia" selbst ins Spiel: Sie benannte in Gerichtspapieren den Wissenschaftler und Militärstrategen Harlan Ullman als möglichen Zeugen im anstehenden Prozess. Es tue ihr ja sehr leid, aber sie müsse schließlich Kunden zu ihrer Verteidigung aufbieten, begründete Palfrey, die schon einmal wegen Prostitution 18 Monate hinter Gittern saß, ihren Schritt und geplante weitere Enthüllungen. Die Staatsanwaltschaft könne das alles schließlich selbst verhindern, indem sie die Anklage zurückziehe. Aber daran denkt die Behörde jedenfalls bis jetzt nicht. (tso/dpa)

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