Welt : Sextäter verlassen Dorf

Demonstranten beenden ihre Proteste

Arne Bensiek

Die zwei ehemals Sicherungsverwahrten, die Mitte Juli von Freiburg nach Sachsen-Anhalt gezogen sind, wollen ihren Wohnort Insel bei Stendal wieder verlassen. Das versicherten die beiden Männer nach einem Gespräch mit dem Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU) am Mittwochabend in einer schriftlichen Erklärung. Damit reagieren die Sexualstraftäter auf die anhaltenden lautstarken Demonstrationen verunsicherter Bürger vor ihrem Haus sowie auf Drohungen aus dem rechten Milieu. Im Gegenzug kündigte der Organisator der Proteste, der Ortsbürgermeister Alexander von Bismarck, an, dass es in dem 400-Einwohner-Dorf ab sofort keine Proteste mehr geben werde. An der letzten Demonstration am vergangenen Freitag hatten unter anderem 70 Neonazis teilgenommen.

Justiz- und Innenministerium von Sachsen-Anhalt haben angekündigt, die beiden ehemaligen Sicherungsverwahrten bei der Suche nach einer anderen Wohnung zu unterstützen. In einer aktuellen Stunde beschäftigte sich am Donnerstag der Landtag in Magdeburg mit dem Thema. „Es gibt keine Alternative zur Resozialisierung der beiden Männer, insofern ist ein Umzug eigentlich ein negatives Zeichen“, kommentierte eine Sprecherin des Justizministeriums die jüngste Entwicklung. Auch der Anwalt der beiden ehemaligen Sicherungsverwahrten, Ekkehard Kiesswetter, äußerte Bedenken: „Die Menschen sehen jetzt, dass sie nur laut genug demonstrieren müssen, um meine Mandaten zu verjagen.“ Wann die 54 und 64 Jahre alten Männer Insel verlassen werden und wohin sie ziehen, soll geheim bleiben.

Die zwei Männer waren im Herbst 2010 aus der Sicherungsverwahrung in Freiburg entlassen worden, weil der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg die nachträgliche Sicherungsverwahrung für unrechtmäßig erklärt hatte. Daraufhin überwachte die Polizei beide Männer rund um die Uhr. Weil sich die ehemals Sicherungsverwahrten jedoch an alle Auflagen hielten, stellte die Polizei die Überwachung ein.

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