Sextourismus : Deutscher wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

Ein Mann ist wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in Kambodscha zu sechseinhalb Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Kinderprostitution ist in Südostasien weit verbreitet - rund eine Million minderjährige Prostituierte gibt es Unicef zufolge in der Region.

KielWegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in Kambodscha ist ein HIV-infizierter 49-Jähriger am Freitag vom Landgericht Kiel zu sechseinhalb Jahren Gefängnis mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Nach Ansicht der Richter hat sich der bekennende Sextourist an mehreren Jungen vergangen. Der Mann aus Neumünster war vor rund anderthalb Jahren in Kambodscha festgenommen und anschließend nach Deutschland ausgeliefert worden.

Die Verteidigung will in Revision gehen. Nach Ansicht des Anwalts hätten extra nach Deutschland eingeflogene Kinder aus dem südostasiatischen Land den Mann während ihrer Zeugenaussagen nicht eindeutig identifiziert.

Viele Pädophile reisen nach Südostasien

In Südostasien ist Kinderprostitution weit verbreitet. Viele Pädophile reisen in die Region, in der es laut Schätzungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen Unicef rund eine Million minderjährige Prostituierte gibt. Unicef zufolge werden weltweit jährlich Milliardenumsätze mit dem illegalen Geschäft gemacht.

Die Hilfsorganisation Terre des hommes geht davon aus, dass jährlich allein rund 10.000 der Reisenden aus Deutschland kommen. Viele Sextouristen bevorzugen Kinder und Jugendliche, weil sie glauben, sich bei ihnen nicht mit dem HI-Virus anzustecken. Allerdings zeigen Studien, dass in Asien etwa die Hälfte der minderjährigen Prostituierten mit HIV infiziert ist.

Obwohl den Tätern in Asien mittlerweile hohe Strafen drohen, boomt das Geschäft mit den Kindern. Meist werden die Mädchen und Jungen von ihren Verwandten an Zuhälter verkauft. Unter den Kunden sind überwiegend Einheimische, aber auch viele Touristen. Etliche Länder haben mittlerweile Gesetze erlassen, damit Sextouristen auch in ihrer Heimat bestraft werden können. (lwi/ddp/dpa)

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