Welt : Sie beten schon um Regen

In Norditalien herrscht Dürre – Experten befürchten, dass bald auch die Trinkwasserversorgung Probleme macht

Vincenzo Delle Donne[Udine]

HITZE IN EUROPA

Monsignor Andrea Bruno Mazzoccato wollte nicht länger auf dem Trockenen sitzen. Der Bischof der italienischen Provinz Rovigo schickte ein spezielles Gebet an alle Kirchen seiner Diözese und ordnete an, dass es während der Messe gebetet werde, damit Gott das Wunder vollbringe und es regnen lasse. Denn im Norden Italiens herrscht wegen der anhaltenden Dürreperiode ein akuter Wassernotstand. Die Regionen Piemont und Emilia Romagna haben die Regierung aufgefordert, den Katastrophenzustand auszurufen. Die Lombardei und der Veneto werden dem Beispiel folgen. Wenn es in den nächsten zwei Wochen nicht zu ergiebigen Niederschlägen kommt, dürfte nach Meinung von Experten die Dürre nicht nur große landwirtschaftliche Schäden, sondern auch Probleme bei der Trinkwasser- und Stromversorgung verursachen. Der Chef des nationalen Zivilschutzes, Guido Bortolaso, forderte die Bevölkerung auf, Wasser und Strom zu sparen. Zu den am schwersten betroffenen Regionen zählen der Veneto und die Ebene am Unterlauf des Po. „Unsere Reserven reichen mindestens einen Monat aus“, sagte Bortolaso. Bis zum 20. Juli schließen Meteorologen ergiebige Regenfälle aus.

In einigen Gegenden hat der Po mit 7,53 Metern unter dem normalen Pegelstand einen historischen Tiefstand erreicht. Die Trinkwasserversorgung von Städten wie Ferrara, die das Wasser aus dem Po beziehen, ist gefährdet. Der niedrige Wasserstand verursacht auch dem Elektrizitätswerk von Porto Tolle Probleme, das für den täglichen Betrieb rund 80 Kubikmeter Kühlwasser benötigt. Das Werk versorgt 2,5 Millionen Menschen. Die Schäden in der Landwirtschaft sind ebenfalls groß – im Piemont sind 50 Prozent der Reisernte gefährdet. Die Preise für Obst und Gemüse sind innerhalb weniger Tage um bis zu ein Drittel angestiegen. Die Landwirtschaftsvereinigung warnte vor ungerechtfertigten Preiserhöhungen.

Unterdessen gab es einen Streit um die Wasserzuteilung zwischen der Landwirtschaft und den Elektrizitätswerken, den Landwirtschaftsminister Gianni Alemanno im italienischen Fernsehen klärte. „Das Gesetz besagt, dass nach der Versorgung des Menschen mit Trinkwasser die Priorität der Landwirtschaft zukommen muss“, erklärte der Minister. Die Opposition forderte die Regierung auf, sich um das Wasserleitungssystem zu kümmern – durch das marode System versickern 39 Prozent, also rund 2,2 Milliarden Kubikmeter, des Wassers.

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