Welt : Sie hätte nichts Politisches gesagt

Die Münchener Regisseurin mag eher das Unspektakuläre

Rüdiger Suchsland

Statt im Saal des Kodak Theatre zu sitzen, verbrachte die Münchner Regisseurin Caroline Link ihre Nacht der Nächte zuhause in München mit ihrem schlafenden Baby vor dem Fernseher. Einen weiß-karierten Schlafanzug habe sie getragen, als es kurz vor 4 Uhr hieß: „And the Oscar goes to Germany“. Da habe sie ganz unspektakulär – ohne Alkohol – mit ihrem Baby auf ihren Film „Nirgendwo in Afrika“ angestoßen. „Irreal“ sei das Gefühl gewesen, als die Schauspielerin Selma Hayek ihren Namen vorgelesen habe, sagt Link. Zuerst habe sie dann ihren Mann angerufen, der gerade zu Dreharbeiten in Köln weilt. Der hatte die Preisverleihung gar verschlafen. „Ich habe Vertrauen in das Unspektakuläre, mag echte Geschichten voller emotionaler Intelligenz." Auch jetzt bleibt sie am Boden, obwohl sie allen Grund hätte, abzuheben: Caroline Link, 1964 in Bad Nauheim geboren, und die erste deutsche Oscar-Gewinnerin für einen Spielfilm seit über 20 Jahren, seit Volker Schlöndorff. Bodenständigkeit und Präzision – so kann man sie vielleicht am besten beschreiben. So hat sie schon angefangen, gleich mit ihrem ersten Kurzfilm, in dem sie 1985 den Kameramann Gernot Roll portraitierte – mehr als 15 Jahre später reisten die beiden dann zusammen nach Kenia, um den jetzt ausgezeichneten Film „Nirgendwo in Afrika" zu drehen. Caroline Link hat immer schon genau gewusst, was sie will: Bereits die Entstehungsgeschichte ihres Debüts „Jenseits der Stille" (1996) belegt das. Damals musste sie zwei Jahre lang bei den Fördergremien Klinken putzen, weil keiner einen Film finanzieren wollte, bei dem Gehörlose im Zentrum standen. Sie blieb hartnäckig, und der Erfolg, eine erste Oscar-Nominierung und über zwei Millionen Zuschauer allein im deutschen Kino, gab ihr Recht. Geht sie jetzt nach Hollywood? Nein, sagt sie, sie wolle in Deutschland bleiben. Wäre sie bei der Oscar-Verleihung gewesen, was hätte sie gesagt? Obwohl ihr Amerika wegen des Krieges zur Zeit „nicht gerade sympathisch“ sei, hätte sie sich wohl nicht politisch geäußert. „Ich hätte Werbung für Kenia gemacht.“

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