Welt : Sie mußten in der Wüste schmoren

GENF/KAIRO .Die Ballonfahrer Bertrand Piccard und Brian Jones setzten 20 Stunden, nachdem sie als erste die Nonstop-Weltumrundung im Ballon geschafft hatten, am Sonntag mit einer "Bilderbuchlandung" in Ägypten einen fulminanten Schlußpunkt unter ihre historische Reise.

Das Abenteuer war für sie jedoch noch nicht zu Ende: stundenlang harrten Piccard und Jones alleine in der Wüste aus, ehe ein Hubschrauber der ägyptischen Armee sie abholte.Der Landeplatz lag in unwegsamem Terrain etwa 25 Kilometer von der nächsten Straße entfernt.Duzende Reporter, die die Armee zur Begrüßung der Piloten in die Oase Dakhla geflogen hatte, saßen unverrichteter Dinge in einem Militärflughafen fest.

Die Armee hatte sie wie auch Helfer Piccards, die ihn bergen wollten, festgehalten."Es geht den beiden gut, alles hat prima geklappt", sagte eine Sprecherin des Kontrollzentrums in Genf.

"Adler gelandet - alles in Ordnung" funkten Piccard (41) und Jones (51) um kurz nach sieben Uhr MEZ an das Kontrollzentrum in Genf."Es war eine Bilderbuchlandung.Den beiden geht es blendend", berichtete dort Don Cameron, der Designer des Ballons, überglücklich.Bei der Landung war weit und breit keine Menschenseele zu sehen.Ein Flugzeug des Orbiter-Teams hatte den Ballon auf den letzten Kilometern begleitet und filmte das Aufsetzen.

Nach 19 Tagen, 21 Stunden und 55 Minuten hatten der Schweizer Psychiater und der britische Flugingenieur wieder Boden unter den Füßen.Die Männer hatten vier Kontinente und zwei Weltmeere überquert und mehr als 46 000 Kilometer zurückgelegt.Im Wettlauf um die Ehre, mit diesem Rekord in die Geschichte einzugehen, waren in den vergangenen 18 Jahren 17 Ballons auf der Strecke geblieben.

Den größten Triumph ihrer Reise feierten Piccard und Jones am Samstag: um kurz vor elf Uhr MEZ passierten sie die Ziellinie, den 9.Längengrad West, über Mauretanien in Westafrika und hatten damit die erste Nonstop-Weltumrundung im Ballon geschafft.Weil die Landung wegen der Temperaturen am Nachmittag riskant gewesen wäre, fuhren sie weiter.Am Sonntag wurde es fast brenzlig."Die Gasflaschen waren praktisch leer", sagte Cameron.

Die Piloten verließen ihre Reisehöhe von rund 11 000 Metern am Sonntag gegen fünf Uhr.Der Ballon sank rund 100 Meter in der Minute.Die Landung ist einer der heikelsten Momente einer Ballonfahrt.Piccard und Jones fuhren wenige hundert Meter über dem Boden eine sanfte Kurve, um die Geschwindigkeit abzufangen.

Bei den Bewohnern der Umgebung des Landeplatzes löste die Landung Angst und Unsicherheit aus.Augenzeugen berichteten, die Menschen fürchteten, der Ballon könne abgetrieben werden und auf ihre Häuser stürzen.Die ägyptische Polizei hatte schon am Samstag versucht, die Menschen zu beruhigen.Der Ballon stelle "keine Gefahr" dar und dürfe nicht "angegriffen" werden.

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