Welt : Silvester-Bilanz: Auf ein Neues

Millionen Menschen in aller Welt haben in der Nacht zum Montag mit Feiern und Feuerwerk das Jahr 2001 begrüßt. Sydney glänzte mit einem spektakulären Höhenfeuerwerk. China startete mit einer Lasershow in das neue Jahr. Obwohl viele Russen als orthodoxe Christen den Jahreswechsel erst in zwei Wochen begehen, wurde auch auf Moskaus Straßen gefeiert. In Berlin versammelte sich rund um das Brandenburger Tor eine Million Menschen zur größten deutschen Neujahrsparty. In New York feierte eine halbe Million Menschen unter freiem Himmel. Papst Johannes Paul II. rief zum Frieden im Nahen Osten und gegenseitigem Respekt der Kulturen auf.

In vielen westlichen Ländern wurde das neue Jahr ähnlich prunkvoll begrüßt wie das vergangene Jahr mit den Millenniums-Feierlichkeiten. In Staaten wie China, Japan und Russland wurde jedoch erst das Jahr 2001 als Beginn des neuen Jahrtausends gefeiert und der Jahreswechsel daher auf besonders festliche Weise begangen.

In der Olympia-Stadt Sydney stiegen rund 80 000 Raketen von der Hafenbrücke aus in den Nachthimmel über Australien, verfolgt von den Augen Zehntausender von Zuschauern. In Japan erwarteten Hunderte Menschen den ersten Sonnenaufgang des neuen Jahres am Strand Kujukuri östlich von Tokio und verfolgten eine Aufführung des traditionellen japanischen Theaters Kabuki.

Mit einem Lichtspektakel des deutschen Regisseurs Gert Hof und Massenhochzeiten hat China das neue Jahr begrüßt. Am Millennium-Monument in Peking zeichnete der Berliner "Lichtarchitekt" ein Schauspiel aus Licht und Farben in den Himmel. Mehrere hundert Millionen TV-Zuschauer verfolgten die Schau mit kilometerweit in den Himmel reichenden Lichtkanonen und Feuerwerk. An der Großen Mauer formten 2001 Studenten mit Kerzen einen Drachen aus Licht. Bei Massenhochzeiten gaben sich mehrere hundert Paare das Ja-Wort.

In Russland, dessen Gebiet in elf Zeitzonen eingeteilt ist, feierten viele Menschen den Jahreswechsel traditionell zu Hause. Präsident Wladimir Putin ermutigte seine Landsleute in seiner Ansprache und verwies auf "bemerkenswerte Elemente der Stabilität". Allerdings gebe es noch viel Nachholbedarf. Bei der zentralen Feier in St. Petersburg brach kurz nach Mitternacht ein Feuer an einem Triumphbogen für den Sieg der Russen über Napoleon im Jahr 1812 aus. Die Feuerwehr brauchte rund 40 Minuten, um die hoch lodernden Flammen zu löschen. Die Brandursache war unklar. Auf dem Palastplatz feierten mehrere zehntausend Menschen den Jahreswechsel.

In London fiel die Silvester-Party weniger pompös aus als im vergangenen Jahr rund um den Millennium-Dom. Die U-Bahn stellte noch vor Mitternacht den Betrieb ein. Brücken, die in Richtung Innenstadt führen, wurden gesperrt. Der Millennium-Dom hat am Silvesterabend seine Pforten geschlossen. Die einjährige Ausstellung in dem imposanten Riesenzelt an der Themse zog im Millennium-Jahr 6,5 Millionen Besucher an. Erwartet worden waren mindestens zwölf Millionen. Am Sonntag kamen noch einmal 27 000 Besucher. Darunter war auch Cherie Blair (46), die Frau von Premierminister Tony Blair. Sie brachte drei ihrer vier Kinder mit. "Es ist wirklich schade, dass der Dom zumacht", sagte sie. Zu dem Besucherandrang am letzten Tag schrieb der "Daily Telegraph" am Montag: "Die Briten lieben einfach nichts mehr, als eine heroische Katastrophe zu feiern."

In New York holte Box-Legende Muhammed Ali vor einer halben Million Zuschauer per Knopfdruck die riesige Kristallkugel vom Himmel, deren Ankunft auf dem Boden seit bald hundert Jahren den Jahreswechsel markiert. Millionen verfolgten die Feier vor den Fernsehern. Bürgermeister Rudolph Giuliani sagte: "Die Welt feiert Neujahr auf dem Times Square."

Fast ganz Deutschland hatte das neue Jahrtausend vor einem Jahr begrüßt - aber für zwei Städtchen in Bayern und Sachsen war es erst an diesem Silvesterabend so weit. Die Bewohner des oberfränkischen Staffelstein feierten in der Nacht zum Montag den Beginn des dritten Jahrtausends mit einem rauschenden Fest und mehr als 5000 Besuchern. Auch in Annaberg im Erzgebirge bejubelten tausende Menschen das Millennium mit einer großen Show aus Feuer und Eis. In Staffelstein ist der Mathematiker Adam Ries geboren, in Annaberg lebte er lange Zeit. Staffelstein gilt als eigensinnig. Schon vor 100 Jahren gab es dort das gleiche Theater. Das Städtchen hatte zudem vergeblich Fidel Castro eingeladen, der Kuba ebenfalls erst diesmal das Millennium feiern ließ.

Für 700 Partygänger sollte es die Feier des Jahres werden. Doch das Silvesterfest in einem Club im Fischerdorf Volendam bei Amsterdam geriet zu einem Inferno, bei dem mindestens fünf Menschen umkamen und über 130 weitere zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Der Brand brach kurz nach Mitternacht im obersten Stockwerk des dreigeschossigen Gebäudes aus; giftiger Qualm breitete sich mit rasender Geschwindigkeit aus. Schreckliche Szenen spielten sich ab. In Panik trampelten die Besucher übereinander oder versuchten, sich mit einem verzweifelten Sturz in die Tiefe zu retten.

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