Sinead O'Connor : Selbstmord auf Facebook angekündigt

Sinead O’Connor kündigte öffentlich eine Verzweiflungstat an. Man müsse solche Schritte ernst nehmen, mahnen Psychologen.

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In Sicherheit. Die Polizei brachte Sinead O'Connor in ein Krankenhaus.
In Sicherheit. Die Polizei brachte Sinead O'Connor in ein Krankenhaus.Foto: picture alliance / dpa

Die schockierende Nachricht verbreitete sich in Windeseile im Netz: Sinead O’Conner ("Nothing Compares 2 U") berichtete am Sonntagabend auf Facebook über einen Suizidversuch. „Ich habe eine Überdosis genommen. Es gibt keinen anderen Weg, um Respekt zu bekommen.“ In einem langen Beitrag an ihre mehr als 548 000 Fans erklärte die Sängerin, warum sie keinen Ausweg mehr sehe. Ihre Kinder würden durch die Väter von ihr ferngehalten, die ganze Familie behandele sie schlecht und kümmere sich nicht um sie. „Sie würden wochenlang nicht wissen, dass ich tot bin, wenn ich sie jetzt nicht informieren würde“, beklagte sich die 48-Jährige, die sich zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Angaben unter falschem Namen in einem Hotel in Irland aufhielt. Kurze Zeit später twitterte das irische Newsportal „Breaking News“, dass die Polizei sie gefunden hätte. O’Connor sei „gesund und munter“ und werde medizinisch versorgt.

Ihre Fans reagierten vor allem bestürzt auf die Ankündigung. In weniger als 24 Stunden kommentierten mehr als 10 000 User den Beitrag und sprachen O’Connor ihr Mitgefühl aus. Einige schickten auch Links zu Organisationen, die suizidgefährdete Menschen beraten. „Es kommt immer wieder vor, dass Selbsttötungen per SMS oder in Gruppenchats angekündigt werden“, sagt Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin. „Es ist aber außergewöhnlich, dass es so öffentlich passiert.“ Die Nachricht dürfe nicht abgetan und müsse als Hilferuf ernst genommen werden. Es gebe fünfmal mehr Suizidversuche als durchgeführte Selbsttötungen, aber jeder Versuch berge die Gefahr, dass der Betroffene ihn nicht überlebe oder sich erheblichen Schaden zufüge.

In den Stunden vor ihrer öffentlichen Suizidankündigung postete O’Connor mehrere Beiträge, in denen sie verkündete, dass ihre beiden acht und elf Jahre alten Söhne ab Montag unter gerichtlich bestellte Vormundschaft kämen. Die Irin berichtete in der Vergangenheit auf Facebook häufiger über private Probleme. So suchte sie öffentlich nach einer Unterkunft und einem Job und schrieb über einen Klinikaufenthalt wegen psychischer Probleme. 2007 gab O’Connor an, dass bei ihr eine bipolare Störung diagnostiziert worden sei, was sie später revidierte. Bei diesem Krankheitsbild wechselt sich eine stark gedrückte Stimmung mit extremen Hochphasen ab. 1999 und 2012 soll die Sängerin bereits Suizidversuche unternommen haben. Im April 2012 und im Sommer 2015 wurden Tourneen aufgrund gesundheitlicher Probleme abgesagt.

Bei Suizidgedanken hilft die Telefonseelsorge unter 0800/11 10 11 1 und www.telefonseelsorge.de.

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