Welt : Singen für Allah

Thomas Seibert

Mit seinem langen Islamisten-Bart, den kurzen Haaren und der runden Brille erinnert er nur noch entfernt an den umjubelten Popstar der siebziger Jahre. Aber Cat Stevens weiß immer noch, wie man öffentlichkeitswirksam eine neue Platte präsentiert. In der türkischen Metropole Istanbul trommelte der 52-jährige Brite jetzt die Presse im teuersten Hotel am Platze zusammen, warb für sein erstes Album seit mehr als 20 Jahren und gab fleißig Interviews und Autogramme. Doch es ist kein herkömmliches Comeback. Cat Stevens heißt schon lange nicht mehr Cat Stevens, sondern Yusuf Islam. Und auf seiner neuen CD "Bismillah" (Im Namen Allahs) sind auch keine eingängigen Hits zur akustischen Gitarre zu hören, sondern Lieder mit einer "islamischen Identität", wie er sagt. "Ich habe seit 23 Jahren keine Gitarre mehr angerührt", sagt der Mann, der mit Liedern wie "Moon Shadow" und "Morning has broken" weltberühmt wurde.

Nach seinem Übertritt zum Islam 1977 hatte sich Yusuf Islam fast völlig aus dem Musikgeschäft zurückgezogen. Doch insbesondere seit den Terroranschlägen in den USA im September fühlt er sich aufgerufen, wieder mehr in der Öffentlichkeit aufzutreten und für ein besseres Verhältnis zwischen dem Westen und dem Islam zu werben. Der Sänger, dem in der Vergangenheit hin und wieder extremistische Tendenzen vorgeworfen wurden, distanziert sich von Terror und Gewalt, beklagt aber immer wieder die Ignoranz des Westens seinem Glauben gegenüber. Vor wenigen Wochen nahm er in New York an einem Gedenkkonzert für die Opfer der Anschläge teil, und auch seine neue Platte soll zur Verständigung zwischen den Kulturen beitragen. "Für den Frieden muss jeder seinen Beitrag leisten", sagt er. "Ich sehe mich selbst als Brücke zwischen der westlichen und der islamischen Welt."

Dass er nach mehr als 20 Jahren eine neue Platte gemacht hat, bedeutet aber nicht, dass der alte Cat Stevens wieder aufersteht und sich anschickt, die Hitparaden zu stürmen. Energisch dementiert Islam Berichte, wonach er sich wieder mit "Cat" anreden lässt. "Ich mag meinen alten Namen, aber jetzt bin ich Yusuf", sagt er. Das Album "Bismillah", für das er mit verschiedenen arabischen Künstlern zusammenarbeitete und auf dem kein einziges westliches Instrument zu hören ist, enthält fast keinen Hinweis auf die musikalische Vergangenheit des Künstlers. Ausnahme ist das Stück "The Wind", das schon Cat Stevens sang - als Zeichen der Veränderung singt es Yusuf Islam auf seinem neuen Album aber ganz ohne Instrumente.

Mit der Türkei, dem Land zwischen Orient und Okzident, fühlt sich der Brite schon seit Jahren eng verbunden. Häufig tritt er in Talkshows islamistischer Fernsehsender dort auf. "Die Türkei war das erste Land, das ich besuchte, als ich Moslem geworden war, und es ist das Land, in dem ich immer am freundlichsten aufgenommen werde", sagt er. "Hier berühren sich West und Ost." Wenn er in Istanbul ist, betet Islam als frommer Moslem gern in den berühmten Sultans-Moscheen der Stadt. Abgesehen von diesen religiösen Höhepunkten gibt es für Yusuf Islam bei Aufenthalten in Istanbul aber auch durch und durch irdische Genüsse, die das frühere Teenie-Idol mit hunderttausenden anderen Istanbul-Besuchern teilt: "Sobald ich angekommen bin, esse ich erst einmal einen Kebab."

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