Welt : Singles in New York: Zu allein zu Haus

New York (dpa/AP).

New York (dpa/AP). Angeblich sollen Singles in Manhattan viel Spaß haben, flirtend durch die Bars ziehen und sich vor allem den Kopf darüber zerbrechen, wie sie einen Tisch in einem der angesagten Restaurants bekommen können; eine Lebensweise, wie sie in Fernsehserien wie "Sex and the City" stilisiert wird. Doch nach den Terroranschlägen sind viele nachdenklich: Das Single-Dasein ist "ein bisschen einsamer" geworden, schrieb die "New York Times". "Es hat mir - wirklich zum ersten Mal in meinem Leben - bewusst gemacht, dass ich allein bin", sagte Claire Smithers, eine Enddreißigerin mit großem Freundeskreis. "Ich war immer gern Single, aber während der Krise habe ich es ziemlich gehasst." Viele suchten Gesellschaft und übernachteten beim Nachbarn auf dem Sofa.

Partnerschaftsvermittlungen haben nach den Anschlägen einen großen Andrang beobachtet. "Das hat am vierten Tag danach begonnen", sagt Cindy Hennessy von Match.com. Viele hätten durch die schrecklichen Ereignisse vom 11. September realisiert, dass es mehr im Leben gibt als den Beruf. Was die Kontaktsuchenden schreiben, klingt nachdenklich: "Nutze den Tag!", "Ich habe vom Leben zu viel an mir vorbeirauschen lassen, jetzt werde ich versuchen, es mehr auszukosten" oder "Dinge, die früher für mich selbstverständlich waren - wie ein einfaches Abendessen mit Freunden - sind noch mehr etwas Besonderes geworden, und ich schätze sie mehr als je zuvor."

"Dating" scheint in New York weniger oberflächlich geworden zu sein. "Vielleicht wird es den Frauen egal sein, wenn sie fünf Pfund Übergewicht haben", sagt Single Claire Smithers. "Vielleicht werden wir uns so akzeptieren, wie wir sind."

Die Angst und die Anspannung nach den Anschlägen hatte sich nach Ansicht von Psychologen bei vielen US-Bürgern in einer gesteigerten Sexualität entladen. Experten zeigten sich überzeugt, dass das "Post-Terror-Trauma" kombiniert mit Furcht vor noch mehr Gewalt oder Krieg den Wunsch nach Geborgenheit und Liebe verstärkt und die Libido ankurbelt. "Wir leben in Furcht erregenden Zeiten, die uns sehr verletzlich werden lassen, und Sex gibt den Leuten das Gefühl, stärker, mächtiger und vitaler zu sein", sagt Gail Wyatt. Die Professorin für Klinische Psychologie an der University of California in Los Angeles (UCLA) rechnet mit einem deutlichen Ansteigen der Geburtenzahlen in neun Monaten.

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