Sittensen : Die Mörder sind verurteilt

Die fünf Männer, die in einem Chinarestaurant in Sittensen ein Blutbad anrichteten und dabei sieben Menschen getötet haben, sind zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Tatmotiv war laut dem vorsitzenden Richter die reine Habgier.

Karl Doeleke[Stade]
Sittensen
Die angeklagten Vietnamesen schützten vor Gericht alle ihre Gesichter. -Foto: ddp

Die fünf Männer kamen kurz vor Geschäftsschluss, mindestens einer von ihnen feuerte aus einer Pistole mit Schalldämpfer 14 Schüsse ab, und als sie gingen, waren im Chinarestaurant Lin Yue in Sittensen sieben Menschen tot. Die Opfer waren, zum Teil mit Kabelbindern an den Daumen gefesselt, regelrecht hingerichtet worden. Nur die damals zweijährige Tochter des Betreiberehepaares überlebte, offenbar verschont von den Mördern. Ein Polizist, der eine halbe Stunde nach der Tat im Restaurant eintraf, fand das Mädchen, in eine blutige Tischdecke gehüllt, zwischen den sieben Leichen. Der Raubüberfall machte im Februar 2007 als die „Bluttat von Sittensen“ Schlagzeilen. Die Täter entkamen mit rund 5000 Euro Beute, zwei Laptops und mehreren Mobiltelefonen. Am Mittwoch verurteilte das Landgericht Stade die fünf Vietnamesen zu langen Haftstrafen. Zwei von ihnen gehen als Mörder lebenslang hinter Gitter. Der dritte Haupttäter muss wegen Raubes mit Todesfolge 14 Jahre in Haft.

Zwei Komplizen wurden wegen Beihilfe zum schweren Raub beziehungsweise der Anstiftung dazu verurteilt. Der eine hatte als ehemalige Hilfskraft des Restaurants den Tipp gegeben, es könnte viel Bargeld zu holen sein, der andere den Fluchtwagen gelenkt. Sie gehen für fünf Jahre sowie vier Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Der Vorsitzende Richter Hans-Georg Kaemena sagte in der Urteilsbegründung, die Bluttat von Sittensen sei „eines der schwersten Verbrechen der Nachkriegsgeschichte“ gewesen. Entgegen erster Spekulationen, die Tat könnte im Umfeld der chinesischen Mafia geschehen sein, war es am Ende wohl die schnöde Habgier, die die Männer zu Mördern und Räubern machte.

Es war ein schwieriges Verfahren, das das kleine Landgericht Stade in zwei Anläufen beinahe zwei Jahre lang beschäftigte. Staatsanwalt Johannes Kiers musste sich überwiegend auf Indizien stützen, starke zwar, aber einen Beweis im technischen Sinn waren weder das Blut der Opfer an der Kleidung der Täter noch die Tatwaffe. Was tatsächlich in dem Chinarestaurant passierte, ist bis heute nicht im Einzelnen geklärt. Noch am Donnerstag vergangener Woche, als sie Gelegenheit zum Schlusswort hatten, bekannte sich keiner der Angeklagten zu den Schüssen, auch nicht der 31-jährige Phong D. C., den die Stader Schwurgerichtskammer am Mittwoch als Schützen identifiziert hat. Er wird das Gefängnis auch nach 15 Jahren nicht verlassen, weil das Gericht eine besondere Schwere der Schuld feststellte.

Den zehn Anwälten gelang es mit einer Flut von Beweisanträgen immer wieder, den Mammutprozess in die Länge zu ziehen. Zuweilen war die Kammer auch schlicht überfordert: Der erste Anlauf zum Prozess verzögerte sich um eine Woche, weil einer der Angeklagten nicht erschien. Seine Ladung war im falschen Gefängnis zugestellt worden. Nach wenigen Monaten musste der Prozess schließlich abgebrochen werden, weil eine Richterin schwer erkrankt war. Niemand hatte für den Fall an Ersatz gedacht – eine Selbstverständlichkeit, wenn ein Mammutprozess absehbar ist, wie er gestern in Stade zu Ende ging.

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