Sittensen-Prozess : Gerüchte um geplanten Fluchtversuch sorgen für Aufregung

Im Prozess um den siebenfachen Mord in Sittensen schweigen die Angeklagten weiter. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden vor der Verhandlung verschärft, nachdem es Gerüchte um einen Fluchtversuch gegeben hatte.

Anne Koschade[ddp]

Stade Bei der Verhandlung vor dem Landgericht Stade äußerten sich die fünf angeklagten Vietnamesen nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Ihre Verteidiger begründeten dies mit einer bislang unvollständiger Akteneinsicht.

Vor Verhandlungsbeginn waren die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. Neben den Zuschauern mussten sich auch alle Rechtsanwälte und Mitglieder des Gerichts einer Durchsuchung unterziehen. Beamte mit Sprengstoffspürhunden hatten den Gerichtssaal zuvor durchsucht.

Das Gericht reagierte damit auf Gerüchte, nach denen mindestens einem der Angeklagten während des Prozesses zur Flucht verholfen werden sollte. Auch soll einer der Angeklagten direkt bedroht worden sein. Die Staatsanwaltschaft machte aus ermittlungstaktischen Gründen keine näheren Angaben zu dem Sachverhalt.

Angeklagte reagieren nicht auf Bilder vom Tatort

Mit der Aussage eines Kriminalhauptkommissars, der die Ermittlungen am Tatort eingeleitet hatte, begann das Gericht mit der Zeugenanhörung. Der Beamte schilderte die Situation in dem China-Restaurant beim Fund der sieben Leichen. Die fünf Angeklagten zeigten beim Anblick der Tatortbilder mit den Getöteten keine sichtbare Regung.

Vor Gericht stehen fünf Vietnamesen im Alter zwischen 30 und 42 Jahren. Drei der Männer sollen direkt an dem Überfall auf das Restaurant und an der Tötung der Restaurantbesitzer und ihrer Angestellten beteiligt gewesen sein. Ihnen werden gemeinschaftlicher Mord und Raub vorgeworfen. Ein weiterer Angeklagter steht wegen schweren Raubes vor Gericht, der fünfte Tatverdächtige wegen Anstiftung zum Raub.

Anklage stützt sich vor allem auf Indizien

Bei dem Überfall auf das Lokal in der Nacht zum 5. Februar starben das Inhaberehepaar und fünf ihrer Angestellten. Dem 30-jährigen Angeklagten wird zur Last gelegt, mit einer Pistole die Todesschüsse abgegeben zu haben. Auch sein Bruder und ein weiterer Mann sollen direkt am Überfall beteiligt gewesen sein. Die beiden anderen Angeklagten sollen die drei Männer bei der Tat unterstützt haben.

Die sieben Opfer waren zum Teil gefesselt, misshandelt und schließlich erschossen worden. Ein Angestellter hatte das Verbrechen zunächst überlebt, starb aber im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage vor allem auf Indizien, aber auch auf Aussagen der Angeklagten. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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