Sizilien : Mafiaboss erhängt sich im Gefängnis

Ein Italienischer Mafiaboss hat in der Nacht zum Mittwoch im Gefängnis Selbstmord begangen. Gaetano Lo Presti war am Dienstag bei einer Großrazzia festgenommen worden. Die Überwachung seiner Gespräche hatte zu der Massenfestnahme geführt.

RomEiner der am Dienstag bei einer Großrazzia auf Sizilien festgenommenen Mafioso hat sich im Gefängnis das Leben genommen. Wie die Polizei in Palermo am Mittwoch mitteilte, erhängte sich der Mafiaboss Gaetano Lo Presti in der Nacht in seiner Zelle. Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, der Freitod könne damit zusammenhängen, dass Lo Prestis abgehörte Gespräche mit anderen Mafiabossen zur der Massenfestnahme am Dienstag geführt hätten.

Die abgehörten Äußerungen könnten von der Polizei gegen den Superboss der sizilianischen Mafia, Toto Riina, und dessen Sohn Giuseppe verwendet werden. Riina gilt auch 15 Jahre nach seiner Festnahme als mächtiger Boss, der auch hinter Gittern noch die Fäden zieht. Der 52-jährige Lo Presti war schon einmal wegen seiner Mafia-Aktivitäten verurteilt worden. Laut Ansa sollten die Verhöre der anderen Festgenommenen am Mittwoch beginnen.

Historischer Schlag gegen die Mafia

Der italienischen Polizei waren am Dienstag bei einem Großeinsatz gegen sizilianische Mafia-Clans in der Toskana und auf Sizilien insgesamt 89 Verdächtige ins Netz gegangen. Die Festgenommenen sollen Kontakte zu dem flüchtigen Mafia-Chef Messino Denaro unterhalten. Diesem wird vorgeworfen, die Führung der berüchtigten Cosa Nostra - die sogenannte "Cupola" - wiederbeleben zu wollen.

Der Einsatz von 1200 Polizisten mit Hubschraubern und Hundestaffeln war der Höhepunkt einer neunmonatigen Fahndungsaktion der Staatsanwaltschaft von Palermo. Der für den Kampf gegen die Mafia zuständige nationale Staatsanwalt Pietro Grasso hatte von einem "historischen" Schlag gegen die Mafia gesprochen. Die sizilianische Cosa Nostra war 2006 durch die Festnahme ihres letzten Paten Bernardo Provenzano praktisch zerschlagen worden. (goe/AFP/dpa)

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