Skandalserie der US-Republikaner : „Wie tief können wir noch sinken?“

Die US-Republikaner kämpfen für den Wert der Familie - und jetzt das: Senator Larry Craig soll auf einer Flughafentoilette Sex gesucht haben. Und das ist nicht der einzige Skandal bei den Konservativen.

Christoph von Marschall
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Erklärungsnot. Larry Craig, republikanischer Senator von Idaho -Foto: AFP

WashingtonDer republikanische Senator Larry Craig steht unter Anklage homosexueller Handlungen auf einer öffentlichen Toilette im Flughafen von Minneapolis. Seine Fraktionsführung verlangt eine Untersuchung durch das Ethikkomitee. Der Skandal fällt mit weiteren Affären konservativer Politiker zusammen und lässt den Verdacht wieder aufleben, der Präsident George W. Bushs Partei die Kongressmehrheit bei der Wahl im November 2006 gekostet hatte: Sie sei eine Partei der Doppelmoral, die Ethik predige, aber durch Korruption und Sexualvergehen auffalle. Damals ging es um Bestechung durch den Lobbyisten Jack Abramoff und Emails, die der Abgeordnete Mark Foley aus Florida an minderjährige Kongresspraktikanten verschickt hatte. In die neuen Skandale sind Mitarbeiter republikanischer Präsidentschaftsbewerber verwickelt.

Seit den 80er Jahren gab es Gerüchte über Craigs homosexuellen Neigungen. „The Idaho Statesman“, eine Zeitung seines Heimatstaates, prüft seit Monaten seinen Lebenswandel. Der Polizist, der ihn am 11. Juni auf der Airport-Toilette festnahm, war ein Undercover-Agent. Laut Polizeireport, der jetzt in Washington bekannt wurde, spähte Craig erst durch den Türspalt in die Kabine, in der der Agent saß, ging in die Nachbarkabine und gab Signale, die in den USA als Zeichen zwischen Homosexuellen gelten: ein Heben und Senken seines rechten Fußes, den er schließlich unter der Zwischenwand durchschob, bis er den linken Fuß seines Nachbarn berührte, begleitet von drei eindeutigen Handbewegungen unter der Trennwand hindurch. Der Agent zeigte seine Polizeimarke und nahm Craig fest. Damals gestand der seine Absichten.

Zu Wochenbeginn wurde der Fall ein nationales Thema, nachdem eine Kongresszeitschrift berichtet hatte. Bei einer Pressekonferenz in Idaho in Begleitung seiner Frau Suzanne bestritt der 62-jährige Senator die Anschuldigungen. „Ich bin nicht schwul, ich war nie schwul.“ Das Geständnis habe er nur unterschrieben, um Aufsehen während der Recherche seiner Heimatzeitung zu vermeiden. Er habe gedacht, mit Zahlung der 575 Dollar Strafe für unzüchtiges Benehmen sei die Angelegenheit beendet. Heute wisse er, dass dies „ein schwerer Fehler“ war. Republikaner nannten den Auftritt „ungefähr so glaubwürdig wie Bill Clintons Beteuerung ,Ich hatte nie Sex mit dieser Frau’.“ In der Affäre um Clintons Beziehung zu Monika Lewinsky hatte Craig ihn einen „unzüchtigen Jungen“ genannt. Bei der Präsidenten- und Kongresswahl im November 2008 geht es auch um Craigs Senatssitz. Der aussichtsreiche Präsidentschaftskandidat Mitt Romney trennte sich jetzt von Craig, der sein Helfer im Nordwesten der USA war.

Der Fall lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Affären der Grand Old Party. Ihr Kürzel GOP war während des Foley- Skandals als „Grand Old Pedophiles“ verspottet worden. Die Telefonnummer des Senators von Louisiana, David Vitter, wurde auf der Telefonliste der „DC Madame“ gefunden, der Chefin eines Prostituiertenrings in Washington. Er ist auch Wahlkampfchef des Präsidentschaftskandidaten Rudy Giuliani in den Südstaaten. Thomas Ravenel, der GOP-Schatzmeister in South Carolina und Giulianis dortiger Wahlkampfhelfer, ist angeklagt, er habe Kokain besessen, zum Weiterverkauf. Robert Allen, regionaler Abgeordneter in Florida und Wahlhelfer des Präsidentschaftsbewerbers John McCain, wurde von einem Undercover-Agenten wegen unzüchtigen Verhaltens in einer öffentlichen Toilette festgenommen. Gegen die republikanischen Senatoren von Alaska, Ted Stevens, und Arizona, Rick Renzi, hat das FBI Korruptionsverfahren eingeleitet.

Parteistrategen sind verzweifelt. „Wie tief können wir noch sinken“, fragt Scott Reed, ein wichtiger Berater. Der Schaden sei kaum zu überschätzen in dieser schwierigen Zeit, in der Bushs Partei einen unpopulären Krieg im Irak verteidige, es mit einer demokratischen Mehrheit im Kongress zu tun habe – und dennoch versuchen müsse, Enthusiasmus für den Wahlkampf 2008 zu verbreiten.

Auch die Demokraten haben ihre Skandale. Gegen William Jefferson, den Abgeordneten aus New Orleans, läuft ein Korruptionsverfahren, das FBI hat 90 000 Dollar in seinem Kühlschrank gefunden. Kristian Forland, Führungsmitglied in Nevada, ist angeklagt wegen mehrfachen Scheckbetrugs. Heraus kam auch: Er hat früher in einem Bordell gearbeitet. Doch bei den Demokraten stehen solche Fälle nicht so eklatant im Widerspruch zum Anspruch, die Partei der Moral, der Familienwerte und der Religion zu sein.

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