Welt : Sklaven in der Wohnwagensiedlung

Die britische Polizei befreit hilflose Männer aus der Hand irischer Landfahrer

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Die britischen Medien sprachen ohne Umschweife von „Sklaven“, als die britische Polizei am Sonntag in einem Großeinsatz zwei Dutzend Menschen aus einem Landfahrerlager bei Leighton Buzzard in Bedfordshire befreite. Den schockierten Polizisten zufolge wurden Männer mit Suchtproblemen oder psychischen Krankheiten aus Suppenküchen, Obdachlosenheimen oder Arbeitsämtern abgeschleppt. Ihnen wurden Jobs und Obdach versprochen. Stattdessen wurden sie gegen ihren Willen gefangen gehalten, bedroht, geprügelt, unter menschenunwürdigen Umständen eingesperrt und als billige Arbeitskräfte eingesetzt – einer der Polizei zufolge 15 Jahre lang. Sie lebten in überfüllten Wohnwagen, Pferdeboxen, sogar Hundehütten. Die Kleider eines Befreiten waren mit Hundekot verschmutzt. Sie hatten kahl geschorene Köpfe und waren bei ihrer Freisetzung schwer unterernährt. „Die Männer sind alle in einem schlechten Gesundheitszustand. Sie lebten unter schockierend schmutzigen und überfüllten Bedingungen. Wir glauben, dass einige seit ein paar Wochen, andere aber bis 15 Jahre in einem Zustand buchstäblicher Sklaverei lebten“, berichtete Chefinspektor Sean O’Neill.

Vier Männer und eine Frau, alle irische Landfahrer, wurden festgenommen. Sie sollen die Männer als Arbeiter und Taglöhner vermietet haben, ohne ihnen einen Pence zu bezahlen. Sie bedrohten sie mit Prügeln und schüchterten sie ein. Familien, die sich kümmerten, hatten die Männer nicht. Es handelt sich um 17 Briten, zwei Rumänen, drei Polen und zwei Russen. Die Polizei entschuldigte sich bei anderen Bewohnern des Lagers wegen der Razzia. Aber es ist schwer vorstellbar, dass die Aktivitäten den Nachbarn in dem Lager verborgen blieben.

Auf dem Grundstück soll sich ein illegaler Friedhof befinden, in dem frühere Opfer begraben sein könnten. Die Polizei kam dem Verbrechen auf die Spur, als ein Mann flüchten konnte. An den Ermittlungen waren auch Beamte des britischen Zentrums zur Aufklärung von Menschenhandel beteiligt, das international operiert. Die fünf Verhafteten könnten nach einem neuen Gesetz über „Sklaverei und Knechtschaft“ angeklagt werden, das 2010 eingeführt wurde. 2004 erregte der Fall von 23 chinesischen Muschelsammlern Aufsehen, die beim Muschelsammeln im Watt der Morecambe Bay von der Flut überrascht wurden. Alle waren illegale Einwanderer, die von einem „Gangmaster“ eingesetzt wurden. 2007 legte die Universität Hull den Bericht „Moderne Sklaverei in Großbritannien“, demzufolge Zehntausende von Menschen in Großbritannien zu menschenunwürdigen Arbeiten gezwungen werden, oft illegale Einwanderer, die von „Gangmasters“ kontrolliert werden. Kennzeichen sind gesetzwidrig niedrige Löhne, überlange Arbeitszeiten, menschenunwürdige Unterbringung und die Unmöglichkeit für die Betroffenen, etwas zur Verbesserung ihrer Lage zu tun.

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