Skyguide-Mord : Fluglotsen-Mörder kommt frei

Der Russe, der zwei Jahre nach dem Flugzeugabsturz über dem Bodensee den verantwortlichen Lotsen der Flugsicherung Skyguide erstochen hatte, kommt auf freien Fuß. Die Richter gingen von einer verringerten Schuldfähigkeit aus.

LausanneDas Schweizer Bundesgericht in Lausanne bestätigte die Strafe von fünfeinviertel Jahren Zuchthaus. Da der russische Bauingenieur zwei Drittel davon verbüßt hat, muss er entlassen werden. Der Lotse hatte am 1. Juli 2002 im Kontrollzentrum von Zürich die Verantwortung getragen, als eine Tupolew-Passagiermaschine mit 69 Menschen an Bord und eine Fracht-Boeing des Kurierdienstes DHL zusammenstießen. Dabei kamen 71 Menschen, vorwiegend Kinder, ums Leben. Der Russe hatte dabei seine Frau und zwei Kinder verloren und den Lotsen im Jahr 2004 in Zürich getötet.

Im vergangenen Juli war der 51-jährige wegen vorsätzlicher Tötung zu fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Mitte August ordnete ein Gericht die Entlassung an, da er zwei Drittel seiner Strafe abgesessen hatte, was die Freilassung nach Schweizer Recht möglich macht. Dagegen war die Staatsanwaltschaft beim obersten Schweizer Gericht in Lausanne, dem Bundesgericht, vorgegangen. Auch der Verurteilte legte Berufung ein, da er eine mildere Strafe verlangte.

Vermindert schuldfähig

Die Mehrheit der Bundesrichter war überzeugt, dass die verminderte Schuldfähigkeit des Russen vom Gericht nicht genügend berücksichtigt worden sei. Der Mann habe durch den Verlust eine schwere psychische Störung erlitten. Als er den Lotsen erstochen habe, weil er von diesem die erhoffte Entschuldigung nicht erhalten habe, sei seine Zurechnungsfähigkeit stark eingeschränkt gewesen.

Im September waren vier Mitarbeiter der Schweizer Flugsicherung Skyguide, die auch für den süddeutschen Raum zuständig ist, zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Gericht befand sie der fahrlässigen Tötung für schuldig. Drei Skyguide-Angestellte der Führungsebene erhielten Freiheitsstrafen von zwölf Monaten mit zwei Jahren Bewährung. (mit dpa)

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