Sneaker : Der Sneaker hat ’n’ Lauf

Die Turnschuh-Szene boomt. Läden, Magazine, Webseiten und Conventions – die Subkultur wird zum Mainstream.

Michel Penke
Die Sneakers am Herzen - ein Kenner in Jeanshemd, Mütze und mit sorgfältig gezotteltem Bart.
Die Sneakers am Herzen - ein Kenner in Jeanshemd, Mütze und mit sorgfältig gezotteltem Bart.Quelle: Sneaker Freaker

Berlin - Er ist auf dem Weg. Schritt für Schritt. Der Sneaker, er ist im Kommen. In den vergangenen Jahren hat sich in Deutschland eine Sneaker-Szene etabliert, die viel Geld, Zeit und Liebe in etwas investiert, worin andere nur einen gewöhnlichen Turnschuh sehen. Doch der Sneaker ist ein Turnschuh, der keiner mehr ist. Er ist sportlich, ohne Sport zu machen. Er ist Lifestyle. Sneakers sind teuer. Viele hundert Euro pro Paar sind keine Seltenheit. Leisten kann sich das nur, wer gut verdient oder andernorts verzichtet. Vor allem urbane, junge Menschen, gebildet, modisch interessiert, investieren teils in Dutzende Paare.

Man trägt Mütze und zur Pin-Roll gekrempelte Slim-Jeans

Je einzigartiger, desto besser. Je mehr Geschichte dahintersteckt, desto besonderer das Erlebnis am Fuß. Doch der typische Sneaker-Träger ist schwer auszumachen. Eine Mütze gehört zur Grundausstattung, man trägt röhrige Slim-Jeans. Die Enden eng um die Knöchel aufgerollt – die sogenannte Pin-Roll. Doch mit dem Erstarken des Trends fächert sich das Erscheinungsbild aus. Was zum Standard wird, wird am nächsten Tag gebrochen. Individualität ist das Mantra. Einzigartigkeit. Die personalisierte Lebensphilosophie am Hacken.

Die derzeit heißeste Sache ist NikeID. Ein Service von Sneaker-Produzent Nike, der es dem Kunden erlaubt, sich seinen Schuh selbst zu designen. Muster, Modell, Sohle – alles ist veränderbar.

Auf 200 Seiten kondensiert die Sneaker-Szene

Groß gemacht hat den Turnschuh-Trend in Deutschland unter anderem das Magazin „Sneaker Freaker“. Gegründet wurde es 2002 in Australien. Seit drei Jahren existiert ein deutscher Ableger, der sich mittlerweile zum Leitmedium der Szene hochgeschrieben hat. Vier Mal im Jahr kondensiert die Sneaker-Szene auf knapp 200 Seiten: Szenebilder, Vorankündigungen, Interviews und tiefe Einblicke in das Geflecht von Designern und Labels. Für Chefredakteur Pascal Prehn ist es ein schmaler Grad zwischen einer wachsenden Zielgruppe und der zunehmenden Gefahr, den Reiz der Subkultur für den Mainstream zu opfern.

In der letzten Ausgabe stellen Sie sich rhetorisch die Frage: „Sind wir schon Mainstream?“ Wir wüssten gerne die Antwort.

Pascal Prehn: (lacht) „Wir sind definitiv im Mainstream angekommen. Das kritisieren viele Leute, die sich mittlerweile ihres Hobbys beraubt sehen. Für sie war das früher ein Underground-Ding, heute scheint jeder dazuzugehören. Ich denke ein wenig anders darüber. Warum sollte man sein Hobby aufgeben, nur weil einige Hipster-Mädels jetzt auch mitmachen?

Beerdigen Sie nicht die ursprüngliche Idee der Szene als Subkultur, wenn Sie sich in Ihrem Magazin dem breiten Publikum öffnen?

„Wir als Magazin diskutieren natürlich darüber: Was bringt es uns, Mainstream zu werden? Wir haben den Anspruch, unsere Texte an eine breite Leserschaft zu bringen. Solange unsere ursprünglichen Kernleser durch das Heft blättern und sich auf 90 Prozent der Seiten wiederfinden und nur mit 10 nichts anfangen können, machen wir alles richtig.“

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