São Paulo : Schließung von Flughafen gefordert

Nach der Flugzeugkatastrophe von São Paulo mit mehr als 200 Toten sind Hinweise auf mögliches menschliches Versagen aufgetaucht. Die Maschine soll mit überhöhter Geschwindigkeit gelandet sein.

Sao Paulo
Zerstörte Teile der TAM A-320-Maschine bei den Bergungsarbeiten. -Foto: dpa

São PauloNach der Flugzeugkatastrophe von São Paulo mit mehr als 200 Toten sind Hinweise auf mögliches menschliches Versagen aufgetaucht. Während die brasilianische Staatsanwaltschaft noch in der Nacht zum Donnertag die Schließung des Flughafens von Congonhas fordert, zeigte der Sender TV Globo Bilder einer Flughafenkamera, die auf eine stark überhöhte Geschwindigkeit des Airbus A320 der Gesellschaft TAM hindeuten. Demnach passierte der Jet einen Streckenabschnitt in drei Sekunden, für den andere Flugzeuge üblicherweise elf Sekunden brauchen. Einem Ermittler zufolge waren "alle Hypothesen offen". Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig schickte zwei Experten.

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Suche nach der Unglücksursache: Wurde die Landebahn nach der Sanierung zu früh freigegeben? -Foto: dpa

Die Kamera fängt das TAM-Flugzeug kurz ein, bevor es nach links von der Landebahn abkommt, über eine Straße und in ein Gebäude rast. Dann färbt sich der nächtliche Himmel orange vom Widerschein der Explosion. Die Aufnahmen könnten jedoch auch Augenzeugenberichte untermauern, wonach die Piloten der Unglücksmaschine versuchten, in höchster Not durchzustarten. Die Hinweise auf die deutlich überhöhte Geschwindigkeit sind ein weiteres Teil im Fakten-Puzzle, das die Ermittler in den kommenden Monaten zusammensetzen müssen. Erste Mutmaßungen, die auch in den brasilianischen Medien heftig diskutiert wurden, betrafen gravierende Sicherheitsmängel der Landebahn, die aufgrund fehlender Ablaufrillen bei Regen "seifenglatt" wird, wie ein Pilot auf TV Globo sagte.

Staatsanwaltschaft fordert Flugsperre

Die brasilianische Staatsanwaltschaft forderte, dass alle Starts und Landungen an dem mitten in der Millionenmetropole gelegenen Flughafen von Congonhas gestoppt werden müssten. Die Flugsperre müsse gelten, bis alle Zweifel an den durch das Unglück aufgekommenen Sicherheitsbedingungen an dem Airport beseitigt seien. Congonhas ist der Airport mit der höchsten Flugdichte in Brasilien. Im Durchschnitt werden dort täglich 630 Starts und Landungen abgewickelt.

Die von Justizminister Tarso Genero angeordnete Untersuchung wird sich nach Einschätzung von Experten monatelang hinziehen. General Jorge Kersul vom brasilianischen Zentrum für Flugunfallprävention warnte vor voreiligen Festlegungen. Keine Möglichkeit dürfe ausgeschlossen werden, auch menschliches Versagen komme in Betracht. Die Untersuchungen könnten zehn Monate dauern.

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Suche nach der Unglücksursache: Wurde die Landebahn nach der Sanierung zu früh freigegeben? -Foto: AFP

Black Box soll Aufschluss geben



Ein Vertreter der Flughafenbehörde Infraero zweifelte die Version an, wonach der Airbus wegen eines Regenwasserfilms auf der Piste ins Rutschen gekommen sein soll. Dazu hätte das Wasser mehr als drei Millimeter hoch auf dem Asphalt stehen müssen, "und das ist nicht der Fall", sagte Armando Schneider Filho. Die Aufzeichnungen der Black Box sollen in den USA ausgewertet werden. Auch die französische Flugunfalluntersuchung BEA schickte zwei Ermittler nach São Paulo.

Laut Flughafenverwaltung war die Bahn kürzlich von Unebenheiten und Schäden im Asphalt befreit worden. Die Piste wurde erst am 29. Juni wieder freigegeben. Rillen für den Regenwasserabfluss sollten in einer zweiten Sanierungsphase bis September in die Decke der Landebahn gefräst werden.

Bis zum frühen Donnerstagmorgen hatten die Rettungskräfte 181 verkohlte Leichen aus dem Flugzeugwrack geborgen, wie aus Regierungskreisen verlauten ließen. 13 weitere Tote wurden demnach bei einer Tankstelle neben dem Gebäude gefunden, in das die Passagiermaschine gerast war. Aus dem teilweise eingestürzten Frachtgebäude der TAM Express wurden zudem neun Tote geborgen. TAM-Chef Marco Antonio Bologna erklärte am Mittwoch, es gebe keine Hinweise auf Überlebende. Zunächst blieb weiter unklar, wieviele Menschen sich zum Zeitpunkt der Katastrophe in den betroffenen Gebäuden aufhielten. (mit dpa/AFP)

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