Welt : Sofort auf die Isolierstation

Eine neue, hochansteckende Lungenentzündung erreicht Deutschland – sie heißt „Sars“ und kommt aus Asien

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Frankfurt (Main ) (AP). Ein neuer, hochansteckender Typ Lungenentzündung hat erstmals Deutschland erreicht: Ein Arzt aus Singapur mit verdächtigen Krankheitssymptomen wurde am Samstag in die Isolierstation des Uniklinikums Frankfurt (Main) gebracht, wie das hessische Gesundheitsministerium erklärte. Der Mann befand sich auf dem Rückflug von New York über Frankfurt am Main in seine Heimat.

Auch seine Ehefrau und eine mitreisende Ärztin wurden zur Beobachtung in die Isolierstation gebracht. 155 Transitreisende des Flugzeugs der Singapore Airlines wurden auf Empfehlung des RobertKoch-Instituts vorläufig auf dem Frankfurter Flughafen in Quarantäne genommen oder in häusliche Quarantäne geschickt.

Der Arzt hatte bereits in New York Krankheitssymptome gezeigt. Während des Fluges hatte sich sein Zustand verschlechtert, so dass sich die Gesundheitsbehörden in Singapur mit der hessischen Landesregierung in Verbindung setzten, wie das Ministerium in Wiesbaden mitteilte. Der Arzt hatte einen infizierten Patienten in Singapur behandelt, bevor er nach New York gereist war.

Betroffen von der ansteckenden Krankheit sind bislang die Länder China, Vietnam, Taiwan, Hongkong und Singapur in Asien sowie Australien und Kanada. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Samstag eine Reisewarnung wegen dieser untypischen Form der Lungenentzündung ausgesprochen. In dieser Warnung wurde zwar nicht vom Besuch bestimmter Länder oder Regionen abgeraten. Reisende, die nach dem Kontakt mit erkrankten Personen oder dem Besuch betroffener Regionen Symptome der Krankheit bemerkten, sollten aber unbedingt medizinische Hilfe aufsuchen.

Der Keim der atypischen Lungenentzündung ist laut hessischem Gesundheitsministerium „noch unbekannt, aber hochansteckend“.

WHO-Sprecher Dick Thompsen erklärte in Genf, eine solche Reisewarnung werde äußert selten herausgegeben. Er könne sich nicht an den letzten Fall erinnern.

Die WHO teilte mit, sie habe im Laufe der Woche mehr als 150 Berichte über die Akutes Atemwegs-Syndrom (Sars) genannte Krankheit erhalten. „Sars ist jetzt eine weltweite Bedrohung“, erklärte WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtlandt. „Die Welt muss zusammenarbeiten, um ihre Ursache zu finden und die Kranken zu heilen.“ Zu den Symptomen gehörten Husten, hohes Fieber und Atemnot.

Die hessischen Behörden trafen nach eigenen Angaben in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut bereits vor der Landung des Flugzeugs in Frankfurt am Main Vorbereitungen, um eine mögliche Ansteckungs- und Verbreitungsgefahr zu unterbinden. Die Frankfurter Uniklinik verfügt seit einigen Jahren über eine Isolierstation. Dort werden jederzeit sechs Betten für ungeklärte Krankheitsfälle vor allem auch für Patienten bereitgehalten, die am Frankfurter Flughafen einreisen, wie eine Kliniksprecherin erklärte.

Die Transitreisenden sollen solange in Quarantäne bleiben, bis geklärt ist, ob es sich bei der Erkrankung des Arztes um die gefährliche atypische Lungenentzündung handelt, wie das Ministerium mitteilte. Sollte sich der Verdacht bestätigen, müssen sie sieben Tage in Quarantäne unter Beobachtung bleiben, damit eine mögliche Ansteckung diagnostiziert und eine weitere Verbreitung unterbunden werden kann. Die übrigen 85 Fluggäste, deren Flugziel Singapur ist, sowie die 20 Personen umfassende Crew sollten weiter nach Singapur reisen und dort vor Ort entsprechend medizinisch versorgt werden.

Bei den bisher in Asien erfassten Krankheitsfällen handelte es sich bei den Betroffenen meist um Krankenhausbedienstete. In der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi wurde eine Klinik unter Quarantäne gestellt, nachdem mehr als 20 Angestellte Grippesymptome zeigten. Mittlerweile ist auch ein zweites Krankenhaus betroffen. Nach Hanoi wurde die Krankheit vermutlich von einem amerikanischen Geschäftsmann eingeschleppt, der von Schanghai über Hongkong nach Vietnam reiste und mittlerweile verstarb.

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