Software-Pionier John McAfee auf der Flucht : Mord in der Karibik

Sein Nachbar wird erschossen aufgefunden, die Polizei durchsucht sein Haus und der Entwickler der McAfee-Anti-Viren-Programme versteckt sich. Halbstündlich, schreibt das Magazin "wired", melde sich der Flüchtige und schildere eine Verschwörung

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McAfee-Grüner John McAfee.
McAfee-Grüner John McAfee.

Berlin - Er habe sich auf seinem eigenen Grundstück in den Sand eingegraben und sich, um nicht zu ersticken, einen Pappkarton über den Kopf gestülpt. So schilderte der Mann, dessen Anti-Viren-Programm bis heute auf Millionen von Computern läuft, John McAfee, dem Magazin „wired“ am Dienstag seine Flucht vor der Polizei. Diese war auf Ambergis Caye, der größten Insel vor der Küste von Belize in Mittelamerika, gekommen, um den 67-Jährigen über den Mord an seinem Nachbarn, einem ausgewanderten US-Amerikaner, zu befragen. Und seitdem, so schreibt der Autor Joshua Davis am Mittwoch online auf „wired“, melde McAfee sich halbstündlich bei ihm.

Was auf der früheren Pirateninsel in der Karibik wirklich passiert ist, scheint nach wie vor völlig unklar. In seinem Traumhaus am Strand nördlich des 8400 Einwohner zählenden Inselhauptortes San Pedro, so viel scheint festzustehen, war am Wochenende McAfees Nachbar, der US-Bürger Gregory Foull, erschossen aufgefunden worden. Die Polizei durchsuchte daraufhin das Haus von McAfee, fand diesen aber nicht. Der 52-jährige Foull hat nach örtlichen Berichten lange in Orlando (Florida) gelebt, war Bauunternehmer, mit Aufträgen in Disney World, und inzwischen Besitzer einer Bar in San Pedro.

Er habe sein Bestes getan, gibt der „wired“-Autor Joshua Davis John McAfee aus den wiederholten Anrufen wieder, sein Aussehen zu verändern, um der Polizei in Belize zu entgehen. Demnach behauptet McAfee, er habe seine Haare, seine Augenbrauen und seinen Bart schwarz gefärbt. Radikal habe er seine Erscheinung geändert. „Wahrscheinlich sehe ich aus wie ein Mörder“, zitiert Davis den Flüchtigen.

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Foto: dapdFoto: AFP

Seit seinem 18-stündigen Ausharren unter der Pappbox sei er auf der Flucht, teilt McAfee demnach mit. Er sei mit dem Boot geflüchtet, habe sich im Fußraum von Taxis versteckt und habe in verlausten Betten geschlafen. Weiterhin betont der Flüchtige in dieser wirren Geschichte, mit dem Tod seines Nachbarn habe er nichts zu tun. Er wolle sich jedoch nicht den Behörden ausliefern, aus Angst gefoltert oder ermordet zu werden. Er sei zudem überzeugt, dass die Polizei während seiner Abwesenheit belastende Beweise auf sein Grundstück bringe. „Die Polizei war schon sieben Mal in meinem Haus“, zitiert Davis seinen Anrufer, „ich erwarte, dass sie eine Kiste mit vollautomatischen Waffen und vier Tonnen Kokain entdecken“.

In der Zwischenzeit ermittelt die Polizei in Belize in McAfees Umfeld. Ein Bodyguard, ein Hausverwalter und ein Taxifahrer sollen vorübergehend festgehalten und verhört worden sein. McAfee verglich das Verhalten der Polizei in seinen Anrufen mit „stalinistischen“ Methoden. Auch von einer Verschwörung der Regierung spricht McAfee. Der Anschlag auf Foull habe ihm selbst gegolten.

John McAfee war einer der ersten Entwickler von Anti-Viren-Software und mit seinen Programmen lange Zeit marktbeherrschend. Er hat sein Unternehmen jedoch schon 1999 verkauft und sich inzwischen auf die Taucher- und Schnorchlerinsel zurückgezogen. Sowohl mit seinem Nachbarn als auch mit den Behörden lag McAfee offenbar schon länger im Streit. Seine Nachbarn sollen sich über das Gebell seiner Hunde beschwert haben. Dazu sagte McAfee jetzt, die Hunde seien am vergangenen Freitag vergiftet worden. Bestimmt aber nicht von den Nachbarn. Außerdem waren einige Nachbarn nach Medienberichten auch durch McAfees bewaffnete Guards eingeschüchtert. Im Frühjahr war sein Haus von einer Polizeieinheit durchsucht worden. Ihm war vorgeworfen worden, Amphetamine herzustellen und unerlaubt Waffen zu besitzen. Die Vorwürfe wurden aber fallen gelassen. Für die gefundenen Waffen hatte er einen Waffenschein. McAfee sagt jetzt, die Regierung wolle sich an ihm rächen.

Auf seiner Facebook-Seite zeigt sich John McAfee als braun gebrannter Abenteurer und Sportler. Und während man die Bilder am Mittwoch noch ansehen konnte, waren im Lauf des Tages fast sämtliche Texte von der Seite verschwunden.

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