Welt : Sogar der Himmel weinte

Ganz Großbritannien nahm Abschied von dem Fußballhelden George Best

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Belfast - Einen solch bewegenden Abschied hatte Großbritannien seit der Beerdigung von Prinzessin Diana nicht mehr erlebt: Zehntausende Menschen haben am Samstag dem nordirischen einstigen Fußballstar George Best das letzte Geleit gegeben. In einem Trauerzug durch Bests Heimatstadt Belfast spendeten sie ihrem Idol warmen Applaus, trugen ihm zu Ehren Fußballtrikots und Schals oder hielten Poster in die Höhe.

Die Briten lieben gefallene Helden mehr als die strahlenden, und so rührt der Verstorbene, der trotz Lebertransplantation bis zum Schluss nicht dem Alkohol abschwor und die Öffentlichkeit am Drama seines persönlichen Verfalls teilhaben ließ, die Herzen der Menschen wie kein anderer. Die Beerdigung wühlte die Menschen aber auch deshalb auf, weil die Trauerfeier symbolträchtig auf dem Areal des nordirischen StormontParlaments stattfand und keine extremistischen Priester zugelassen waren. Es war ein stiller und damit umso lauterer Aufruf für eine Versöhnung zwischen Protestanten und Katholiken. Zu den offiziellen Beerdigungsfeierlichkeiten waren neben Bests Familie, einer Freundin sowie Freunden auch Fußballgrößen wie der englische Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson, Manchester-United-Manager Alex Ferguson und Sir Bobby Charlton sowie Vertreter der irischen Regierung gekommen.

„Jeder Regentropfen ist eine Träne“, heißt ein nordirisches Sprichwort bei Beerdigungen. Und so weinte der Himmel am Samstag viele bittere Tränen über den Tod des wohl berühmtesten Nordiren. Doch auch der strömende Regen konnte die aus ganz Großbritannien Angereisten nicht davon abhalten, Best die letzte Ehre zu erweisen, dessen Leben sowohl von fußballerischen Glanzleistungen als auch persönlichen Abstürzen gekennzeichnet war. Er, der sich immer im Stil der Zeit zeigte und zum ersten Popstar auf dem Fußballfeld wurde, sagte einmal stolz: „1969 gab ich Frauen und Alkohol auf. Es waren die schlimmsten 20 Minuten meines Lebens.“

Britische Kommentatoren bezeichneten die Beisetzungsfeierlichkeiten, die von der BBC live übertragen wurden, als „eine Art Staatsbegräbnis“, das einmalig sei in der Geschichte des Landes. Die Regierung übernahm die Kosten von umgerechnet 300 000 Euro und setzte die Flaggen am Parlament auf Halbmast – eine Ehre, die sonst nur Mitgliedern des Königshauses zuteil wird. „George hat in der vergangenen Woche Nordirland vereint, wie es keinem Politiker gelungen ist und je gelingen wird“, würdigte der britische Nordirland-Minister Peter Hain den Ex-Nationalspieler, der immer für die nordirische Nationalmannschaft spielte, nie aber in der englischen.

Nach einer privaten Zeremonie der Familie im östlichen Stadtteil Cregagh, in dem Best aufgewachsen war, hatte sich der Trauerzug am Vormittag in Bewegung gesetzt. Auf der fünf Kilometer langen Fahrt nach Stormont – begleitet von Bests Vater Dickie, Sohn Calum sowie vier Schwestern und einem Bruder – brandete immer wieder Applaus auf.

Nicht nur das Familienhaus der Bests war mit Blumen, Trikots und Plakaten von Fans geschmückt, auch an Bushaltestellen, Zäunen und Absperrgittern prangten diese Zeichen der Ehrerbietung. Begleitet von den Klängen eines Dudelsackspielers wurde Bests Leichnam von ehemaligen Mannschaftskameraden, Familienangehörigen und Freunden in einer langsamen Prozession in das Parlamentsgebäude von Stormont getragen.

Sein mit Blumen geschmückter Sarg war in eine Fahne der nordirischen Nationalmannschaft gehüllt; am Vortag war der Sarg, in ein Banner seines Fußballvereins Manchester United gekleidet, von England nach Nordirland überführt worden. Für beide Teams hatte Best zwischen 1963 und 1974 gespielt und dabei Fußballgeschichte geschrieben. 1968 führte er Manchester als erste englische Mannschaft zum Sieg im Europapokal der Landesmeister und wurde zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Die Beerdigungsfeierlichkeiten wurden auf eine Großbildleinwand in Manchester übertragen, wo sich Tausende versammelten. Seine letzte Ruhe fand George Best auf dem Roselawn-Friedhof neben seiner 1978 gestorbenen Mutter Ann. Tsp/dpa

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