• Sommerzeit einigt Israel und Palästina Gemeinsame Umstellung Nur Hamas zögert noch

Welt : Sommerzeit einigt Israel und Palästina Gemeinsame Umstellung Nur Hamas zögert noch

Jerusalem/Berlin - Im Morgenland gehen die Uhren etwas anders. Zumindest, was die Umstellung auf die Sommerzeit angeht.

In Deutschland wird wie im übrigen Europa die Uhr in der Nacht zum Sonntag umgestellt – und zwar um eine Stunde nach vorne. Die Nacht ist damit um eine Stunde kürzer.

Im Heiligen Land werden kurz vor der Karwoche und dem jüdischen Pascha-Fest die Uhren ebenfalls wieder auf die Sommerzeit umgestellt. Dabei drehen Israelis und die Bewohner der Palästinensergebiete nach Auskunft der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan erstmals ihre Uhren in der gleichen Nacht um eine Stunde vor – nämlich in der Nacht zum morgigen Freitag. Die Hamas-Regierung im Gazastreifen hat hingegen ihr Datum für die Zeitumstellung noch nicht bekannt gegeben.

Bislang betonte die Regierung der palästinensischen Autonomiegebiete ihre Unabhängigkeit von Israel symbolisch dadurch, dass sie die Zeitumstellung auf einen anderen Tag legte. In den meisten israelischen und palästinensischen Orten galt darum im Frühjahr und Herbst jeweils für einige Tage eine andere Uhrzeit.

Allein in den beiden ökumenisch verwalteten christlichen Heiligtümern von Geburts- und Grabeskirche ticken die Uhren in der Nacht zum Freitag unbeirrt weiter: Die Sommerzeit gilt in den beiden Gotteshäusern nicht, da die Abläufe dort von dem 1852 eingeführten „Status quo“ geregelt werden – die sommerliche „Tageslicht-Sparzeit“ gab es damals noch nicht.

Die beiden großen Kirchen sind so die einzigen Orte weltweit, in denen im Sommer auf einigen hundert Quadratmetern eine eigene Uhrzeit gilt. Für die Ostergottesdienste müssen Besucher daher genau auf die Zeitangaben achten, da die Uhrzeit am Ort der Auferstehung Jesu eine Stunde hinter der Umgebungszeit liegt.

Die Sommerzeit war in Israel lange Streitpunkt zwischen orthodoxen und säkularen Juden: Zwar war in ganz Palästina schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg die „Tageslicht-Sparzeit“ der britischen Besatzungsmacht eingeführt worden. Doch seit der israelischen Staatsgründung 1948 protestierten Vertreter der religiösen Parteien gegen die Fortführung dieser Praxis.

Proteste richteten sich vor allem gegen den Umstand, dass die Sommerzeit den Arbeitsbeginn eine Stunde näher an den Sonnenaufgang verlegt - und damit auch das jüdische Morgengebet. Fromme Juden hätten dadurch zu wenig Zeit für das Gebet, argumentierten Gegner.

2005 einigten sich die säkularen und religiösen Parteien in der Knesset schließlich auf einen Kompromiss, wonach die Sommerzeit immer rechtzeitig vor dem Versöhnungstag Jom Kippur endet, dieses Jahr am 12. September. KNA

0 Kommentare

Neuester Kommentar