Sonde "Phoenix" : Invasion auf dem Mars

Die US-Sonde "Phoenix" ist mit deutscher Technik erfolgreich auf dem Roten Planeten gelandet

Rainer Kayser
213911_0_1811c585

Lautstarker Jubel brach im Raumfahrt-Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena aus: Schon wenige Stunden nach ihrer erfolgreichen Landung auf dem Mars hat die US-Sonde „Phoenix“ gestern die ersten Bilder von der Oberfläche des Roten Planeten zur Erde gefunkt. Sie zeigen eine flache Ebene, die von seltsamen wabenförmigen Strukturen überzogen ist.

Nach Ansicht der Forscher könnte es sich dabei um eine Art von Spannungsrissen handeln, die durch die wiederholte Ausdehnung und Schrumpfung von unter der Staub- und Geröllschicht verborgenem Eis entstanden sind – und nach diesem Eis soll Phoenix schon bald mit einem Roboterarm graben. Ein leitender NasaForscher, Dan McCleese, war von den ersten Bildern begeistert: „Absolut schön. Es sieht nach einem guten Ort aus, um mit dem Graben anzufangen.“

Die Sonde hat eine lange Reise hinter sich: 679 Millionen Kilometer legte sie in den vergangenen zehn Monaten zurück. In der Nacht von Sonntag auf Montag legte Phoenix eine Bilderbuchlandung in der Region Vastitas Borealis hin, einer arktischen Ebene in der Nähe des Mars-Nordpols. „Wir haben für alle möglichen Probleme geübt – aber keines dieser Probleme ist aufgetreten“, freut sich Phoenix-Projektmanager Barry Goldstein. Denn die Landung auf dem Nachbarplaneten ist alles andere als Routine – rund die Hälfte aller bisherigen Marsmissionen schlug fehl. Derzeit ist der rote Planet knapp 280 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Funksignale benötigen für diese Strecke etwa 15 Minuten. Die Forscher und Techniker der Nasa konnten also während des Landevorgangs nicht eingreifen, alles musste vollautomatisch ablaufen.

Nach einer letzten Kurskorrektur trennte sich die Landekapsel am Montagmorgen gegen 1 Uhr 30 MESZ von der Antriebsstufe der Sonde. Sieben Minuten später traf der Phoenix-Lander mit einer Geschwindigkeit von über 20 000 Kilometern pro Stunde auf die dünne Atmosphäre des Mars. Vier Minuten später, nachdem die Landekapsel durch die Luftreibung genügend abgebremst wurde, entfalteten sich große Fallschirme. Kurz vor dem Aufsetzen zündeten dann Bremsraketen und setzten die Sonde sanft auf dem Boden des Planeten ab.

Nachdem sich der Staub der Landung gelegt hatte, entfaltete Phoenix seine Solarzellen zur Energieversorgung, richtete seine Antenne auf die ferne Erde aus und begann mit der Kontrolle und Aktivierung der wissenschaftlichen Instrumente. Die Hauptrolle spielt bei der rund 270 Millionen Euro teuren Mission ein über zwei Meter langen Robotarm, mit dem Phoenix die dünne Schicht aus Staub und Geröll durchbrechen soll, unter der sich, so die Hoffnung, das ewige Eis des Mars verbirgt.

Zwar präsentiert sich der Mars heute als lebensfeindlicher, staubtrockener Wüstenplanet. Doch zahlreiche Anzeichen deuten darauf hin, dass der Mars nicht immer so trocken war, dass es dort einst Flussläufe und vielleicht sogar einen großen Ozean auf der Nordhalbkugel gab. Möglicherweise besaß der Mars in seiner Frühzeit vor vier Milliarden Jahren eine dichtere Atmosphäre, ein wärmeres Klima und damit auch offenes Wasser auf seiner Oberfläche. Doch auch in der jüngeren Vergangenheit scheint zumindest vereinzelt noch Wasser über die Oberfläche des Planeten geflossen zu sein. So ist ein Team amerikanischer Planetenforscher auf hochaufgelösten Aufnahmen der Sonde Mars Reconnaissance Orbiter auf die Spuren großräumiger Vergletscherungen gestoßen, die nur zehn bis 100 Millionen Jahre alt sind. „Bislang sind wir davon ausgegangen, dass der Mars seit über drei Milliarden Jahren tot ist“, sagt Teamleiter James Dickson von der Brown University in Rhode Island, „nun sehen wir, dass er noch in jüngster Zeit höchst lebendig war“. Nach Ansicht der Forscher bedeutet dies auch, dass sich das Klima auf dem Nachbarplaneten jederzeit wieder ändern kann. Damit steige auch die Chance, dass es auf dem Mars zumindest primitive Lebensformen geben könne. Gäbe es auf dem Mars Eisvorkommen, könnten sich dort in ferner Zukunft Menschen mit Trinkwasser versorgen und aus dem Wasser Sauerstoff entnehmen, um für einen längeren Aufenthalt künstlich Luft zu erzeugen.

Bis zu einem halben Meter tief gräbt der Robotarm von Phoenix sich in den Marsboden. Der Robotarm kann Bodenproben entnehmen und automatischen chemischen Experimenten zuführen. In kleinen Öfen können die Proben auf bis zu tausend Grad erhitzt werden um in dem Gestein eingeschlossene Gase und Flüssigkeiten freizusetzen und zu analysieren.

Mit einer am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in KatlenburgLindau entwickelten Spezialkamera können die Forscher zudem die entnommenen Bodenproben auch visuell begutachten. „Es ist nicht ganz auszuschließen, dass unsere Kamera fossile Überreste von Lebensformen finden könnte – aber das wäre ein unerwarteter Zufallstreffer", sagt Ulrich Christensen vom MPI für Sonnensystemforschung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben