Aarhus : 48 Stunden Genuss

Dänemarks zweitgrößte Stadt ist „Europäische Kulturhauptstadt 2017“. Sterne-Restaurants, Wikingerhäuser und Kunst machen einen Besuch lohnenswert.

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Somewhere in the rainbow heißt die begehbare Lichtinstallation von Olafur Eliasson auf dem Dach des ARoS-Museums.
Somewhere in the rainbow heißt die begehbare Lichtinstallation von Olafur Eliasson auf dem Dach des ARoS-Museums.Foto: Alamy Stock Photo

9 Uhr

Hotelfrühstück? Geht klar – das hat in Dänemark immer einen angenehm britischen Einschlag. Aber am Sonnabend oder Sonntag sollte kein Besucher das Frühstück in „Sjette Frederiks Kro“ verpassen. Das Lokal liegt hübsch oberhalb der Ostsee und ist ein wunderbares Beispiel für den gelassen modernen Stil, mit dem die historischen dänischen Gasthäuser überall im Land wiederbelebt werden.

10 Uhr

Die Stadt erstmal vom Wasser her ansehen und den Blick auf die „Aarhus Ø“ genießen, den architektonisch hochgekitzelten Stadtteil auf einer künstlichen Insel am Hafenrand. Das geht rund ums Jahr ganz unkonventionell mit den „Sea Rangers“, die für ihre Ausfahrten militärische Schlauchboote nutzen. Der Gast wird wasserdicht verpackt und kann, am Sitz festgekrallt, das volle Achterbahngefühl von zweimal 600 PS erleben. Zudem wird er sachkundig informiert über Meeresbiologie und Geschichte. Also auch über Dieter, einen Deutschen, Nachname unbekannt, den zwielichtigen Helfer einer deutschen Firma, die 1969 die Hafeneinfahrt von Weltkriegsbomben und Munition befreite. Der Stadt, so erzählt man sich, wurde der Auftrag zu teuer, sie kündigte. Daraufhin schickte die Firma ihren Mann fürs Grobe, um rasch die dringende Notwendigkeit weiterer Räumungen nachzuweisen. Er fuhr mit einem Schiff hinaus und ließ es höllisch krachen: Die Wassersäule, die sogar zufällig fotografiert wurde, soll 250 Meter hoch gewesen sein, in der Stadt sprangen die Fensterscheiben, und die Wände wackelten.

12 Uhr

Im Freilichtmuseum „Den Gamle By“ im Zentrum der Stadt wird das mittelalterliche Aarhus zwischen Fachwerkhäusern reanimiert. Auch gegen den aufkommenden Hunger gibt es dort allerhand – doch der kulinarisch interessierte Besucher wird wohl eher Kontakt aufnehmen wollen zur blühenden Restaurantszene der Stadt, die seit der erstmaligen Verleihung von insgesamt drei Michelin-Sternen 2015 noch an Schwung gewonnen hat. Der neue skandinavische Stil basiert auf regionalen Produkten, und zwar so extrem, dass viele Küchenchefs nur noch Dinge verwenden, deren Erzeuger sie persönlich kennen. Mittags geöffnet ist das „Sårt“, ein einfaches Bistro, das deftige Hausmannskost serviert, modern, aber unverfremdet. Die Mitarbeiter – Bart, Pferdeschwanz, Tattoos – könnten problemlos in Neukölln arbeiten.

14 Uhr

Das 2004 eröffnete Museum „ARoS“ für zeitgenössische Kunst fällt schon von weitem auf – das liegt an der spektakulären, 2011 hinzugefügten Lichtinstallation von Olafur Eliasson auf dem Dach. Der Besucher kann durch die Scheiben in allen Regenbogenfarben die Stadt betrachten. Dieses neue Wahrzeichen war sicher einer der Gründe dafür, dass Aarhus zur europäischen Kulturhauptstadt 2017 ernannt wurde; am 21. Januar geht es los: „Let’s Rethink“ lautet das Motto. Zu den Höhepunkten gehören eine Freiluft-Theateraufführung des Wikinger-Epos „Rote Schlange“ auf dem Moesgaard-Museum, das zeitgenössische Ballett „Tree of Codes“ nach dem Buch von Jonathan Safran Foer und ein sich über vier Kilometer erstreckendes Kunstprojekt des ARoS-Museums mit dem Titel „The Garden“.

Etwas außerhalb der Stadt lieg das in einen Hügel hineingebaute Museum Moesgaard mit umfangreichen Sammlungen aus Stein- und Wikingerzeit.
Etwas außerhalb der Stadt lieg das in einen Hügel hineingebaute Museum Moesgaard mit umfangreichen Sammlungen aus Stein- und...Foto: B. Matthies

17 Uhr

Kleiner Hunger? Dann sollte der Weg zu Maria Bagers Café und Feinkostgeschäft „Landmad“ in der Innenstadt führen. Hier zeigt sie, welche erstaunlich vielfältigen Produkte von dänischen Bauern und Feinkostproduzenten kommen. Bier, Gemüsekonserven, Marmeladen, sogar Wein und, wer’s mag, frittierte Mehlwürmer in mehreren Geschmacksrichtungen. Am besten sind die mit Chili.

19 Uhr

Höchste Zeit für ein Menü in den trendsetzenden, äußerlich ganz bescheidenen neuen Restaurants der Stadt. „Substans“ ist eins der drei frisch besternten. Louise und René Mammen setzen ganz auf Bio-Produkte, die hier mit puristischer Raffinesse auf den Tisch kommen: eingeweckte Gemüse mit knusprigem Malz, Miesmuscheln und Roggen, oder Topinambur mit Schinken, Trüffeln und Haselnüssen. Stilecht gibt es dazu eine große Auswahl der aktuellen „Natur“-Kultweine aus Frankreich. Alternative, ebenfalls mit Stern: das ganz ähnlich konzipierte „Gastromé“. Günstiger und mit dem „Bib Gourmand“ ausgezeichnet ist das „Hærværk“, eine ehemalige Pferdeschlachterei mit sehenswerter Decke.

23 Uhr

Absacker in „St. Pauls Apothek“. Das kleine Bar-Restaurant in einem historischen Haus von 1899 serviert seine Schnäpse und Cocktails immer noch in heilsamer Absicht.

Maria Bager führt in Aahrus ihr Geschäft "Landmad".
Maria Bager führt in Aahrus ihr Geschäft "Landmad".Foto: BENJAMIN LUND

10 Uhr

Das 2014 eröffnete Museum Moesgaard, ein paar Kilometer südlich von Aarhus, zählt zu den wichtigsten Veranstaltungsorten der Kulturhauptstadt. Es beeindruckt durch seine außergewöhnliche Architektur: schräg in den Hang eingelassen, kann man sein Dach aus Wiesenstücken zwischen Betonwänden besteigen – die Mühe lohnt. Drinnen wird mit modernster Museumstechnik die Geschichte Dänemarks von der Frühzeit an mit bemerkenswerten Stücken aus der Altstein- und der Wikingerzeit präsentiert. Dazu gibt es wechselnde ethnographische Ausstellungen. Nebenan gibt es ein Freilichtmuseum mit Rekonstruktionen von Wikingerhäusern und einen großen, im Stil der Romantik verwunschen angelegten Gutspark.

13.30 Uhr

Das Mittagsbuffet im Hotel Marselis an der Bucht von Aarhus besteht aus traditionellen dänische Spezialitäten. Für den Verdauungsspaziergang leicht zu Fuß erreichbar ist der Garten von Schloss Marselisborg, der Sommerresidenz der dänischen Königin. Ist sie nicht da – wie meist – kann er frei durchwandert werden.

Äußerst lebhaft geht es nachts in der Innenstadt von Aarhus zu.
Äußerst lebhaft geht es nachts in der Innenstadt von Aarhus zu.Foto: B. Matthies

15.30 Uhr

Stadtbummel an der Aarhus Å, dem kleinen Gewässer, das sich durch die Innenstadt schlängelt und immer wieder neue lauschige Ecken öffnet. Zahllose Cafés und kleine Geschäfte liegen am Weg, dazu das große Kaufhaus „Magasin du Nord“, das alle internationalen Marken führt und für deutsche Besucher wegen des nordischen Tafel-Designs attraktiv ist.

19 Uhr

Ein Restaurant fehlt noch. Wassim Hallal, ein gebürtiger Libanese, gehört zur Handvoll dänischer Top-Stars am Herd. Aber er hat nichts im Sinn mit dem kargen Stil zugespitzter Regionalität, sondern schöpft in seinem am Stadtrand gelegenen Restaurant „Frederikshøj“ global aus dem Vollen, bis hin zur Blattgold-Deko auf manchen Gerichten. Es versteht sich von selbst, dass dieses sehr teure Restaurant nicht mit bistrohafter Bescheidenheit tiefstapelt, sondern über einen luxuriösen Gastraum mit Fernblick und großzügige Nebenräume verfügt, in denen auch Hallals Kochbücher erworben werden können.

23 Uhr

Noch einen Schluck Wein? Dann wäre die „S’vinbar“ in der Innenstadt angemessen. Die Weinauswahl ist ausgezeichnet und trendbewusst, außer, wie fast immer in Dänemark, was deutsche Weine anbelangt, die hier bis in die falsche Schreibweise fremd bleiben. Doch, wer weiß, vielleicht schmeckt der „Pornfelder Rosé“ von Lukas Krauss sogar … Diese zweite Nacht wäre auch die passende Gelegenheit, noch einmal die Aussprache des Namens der Stadt zu üben: Das doppelte A spricht sich wie ein offenes deutsches O, und das U geht – ganz wenig – in Richtung Ü: Orhüs.

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