Adel und Hunde : Grrrrrrr royal

Kate und William folgen einer langen Tradition: Der Adel inszeniert sich auf Fotos gern mit Hund. Über die Psychologie einer speziellen Beziehung.

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Der Hund muss mit. Das ist auch bei Kate und William nicht anders.
Der Hund muss mit. Das ist auch bei Kate und William nicht anders.Foto: dpa

Das Bild, das Kate und William vergangene Woche ins Internet stellten, gilt als doppelte Premiere: Einerseits ist es das erste offizielle Foto von George. Dem Sohn. Andererseits, auch das wurde unter Adelsinteressierten registriert, ist es das erste Porträtbild von Lupo. Dem Cockerspaniel. Gesehen hatte man den bisher bloß auf Paparazzi-Aufnahmen, neben William am Strand herlaufend, das Fell windzerzaust, Gesamteindruck: derangiert. Höchste Zeit, ihn in angemessenem Rahmen zu präsentieren.

Hunde landen nicht zufällig auf Monarchenfotos, sagt der Buchautor und Adelsexperte Jürgen Worlitz. Vielmehr seien sie ein häufig eingesetztes, wenig aufwendiges und hocheffektives Mittel zur Sympathiegewinnung beim Volk – denn wer Tiere liebt, kann ja kein schlechter Mensch sein. Gleichzeitig gilt es auch als strategisches Mittel, um sicherzustellen, dass die Regenbogenpresse tatsächlich die offiziellen Fotos abdruckt statt unerwünschter, nicht autorisierter Schnappschüsse. „Hat eine Redaktion fünf Bilder zur Auswahl, und auf einem ist ein Haustier oder Kind zu sehen, wird sie sich für dieses entscheiden“, sagt Worlitz.

Dass fast ausschließlich Hunde, nie aber Katzen oder gar Nagetiere neben Monarchen posieren, liegt an der Jagdtradition der Adelshäuser. Daher sind Dackel und Terrier weitverbreitet, zunehmend aber auch Familienhunde wie der für seine Friedfertigkeit bekannte Labrador-Retriever. Außerdem haben einzelne Häuser spezifische Rasse-Vorlieben: Die britische Queen Elizabeth II. hielt sich in den ersten Jahrzehnten ihrer Regentschaft fast ausschließlich Exemplare der stark untersetzten Hütehunderasse Welsh Corgi Pembroke, kurz Corgi, mittlerweile sind auch sogenannte Dorgis – eine Dackel-Corgi-Kreuzung – hinzugekommen. Mehrfach wurden Angestellte ins Bein gebissen, sie wurden großzügig finanziell entschädigt, heißt es. In spanischen Adelsfamilien sind Labradore stark vertreten, die meisten stammen aus der Privatzucht von König Juan Carlos, der sie bei Besuchen und Feiern verschenkt.

In Dänemark dagegen sind Dackel populär. Am Kopenhagener Flughafen gibt es ein Stück Rasen, das nur von Hunden der Königsfamilie betreten werden darf. Als ein Dackelweibchen von Königin Margrethe II. im Wald verschwand, vermutlich wurde es Opfer eines Fuchses, berichteten die Medien wochenlang. Prinzgemahl Henrik schrieb später ein Gedicht: „Du lieber, du besonderer, du herrlicher Hund. Einen Klaps willst du gern haben. Stolz wie ein Papst empfängst du Schelte wie eine Gnade.“

Buchautor Jürgen Worlitz hat früher selbst dutzende Adelige fotografiert. Und musste feststellen, dass es großer Geduld bedarf, ein ordentliches Bild mit Hund zu schießen – weil das Tier meist seinen Halter anschaue und den Fotografen ignoriere. „Ich hatte frustrierend viele Hundehintern auf meinen Bildern“, sagt Worlitz.

Wer die Hunde-Inszenierung des europäischen Adels für übertrieben halte, sagt Jürgen Worlitz, kenne die asiatischen Verhältnisse nicht. Am Hof des thailändischen Königs Bhumibol etwa werden die dortigen weißen Pudel grundsätzlich mit bestickten Seidendecken eingekleidet, sie tragen rote Lederschuhe und edelsteinbesetzte Halsbänder. Er wollte sie fotografieren, bekam aber kein gutes Bild hin: Die Bediensteten hätten sich aus Ehrfurcht nicht getraut, eines der Tiere kurz festzuhalten und in Richtung Kamera zu drehen.

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