Die haben sich bloß verlaufen

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Artenschutz in Afrika : Hilferuf der Wildnis
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Der arme Süden. Am Rand des Reservats fühlen sich die Menschen von der Entwicklung Tansanias abgeschnitten. Das Schutzgebiet beginnt jenseits der Senke.
Der arme Süden. Am Rand des Reservats fühlen sich die Menschen von der Entwicklung Tansanias abgeschnitten. Das Schutzgebiet...Foto: Kai Müller

Matomora hingegen sieht das Potenzial in den Menschen, denen er in seiner Einrichtung eine berufliche Perspektive gibt. „Der Selous hat uns isoliert“, sagt er. „Eine weitere Straße in den Norden würde vieles billiger machen.“

„Sie wird Siedlungen anziehen, Wilderer, Viehzüchter. So läuft es doch.“

„Der Selous ist so groß.“

„Man reißt sich das Schutzgebiet unter den Nagel, weil es der einfachste Weg ist. So weit ab von allem, regt das niemanden auf. Da können sie es machen! Aber bedenken Sie, wie das Land in 200 Jahren aussehen wird.“

„Das Problem ist, dass die Tiere unsere Ernten auffressen.“

Es ist vielleicht der tragische Höhepunkt der Reise. Kirchgatter, der nimmermüde Optimist, der um den Selous als intakte Zeitkapsel kämpft, dringt nicht durch zu dem Mann, der ihn doch am besten verstehen sollte. Ihn und seine Vorstellung von einer ökologischen Selbstverwaltung, die die Einheimischen von der Wildnis profitieren lässt.

Aber es ist auch so, dass heute fast ein Drittel Tansanias auf irgendeine Weise unter Schutz steht. All das Land ist für Touristen und Jäger reserviert, obwohl die nur mit zehn Prozent zum jährlichen Bruttoinlandsprodukt beitragen. Und es ist Menschen entzogen, die auf den kargen Böden ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Die auf der Suche nach fruchtbarem Land immer weiter in den Busch vordringen, ihre Felder in entlegenen Senken bestellen und dann vor Elefanten weglaufen, die sich über ihre Bananenstauden und Zuckerrohrstangen hermachen.

Elefanten kommen in der Nacht

Ein solcher Bauer ist Muhammad Ali aus Kilimasera, einem kleinen Dorf unweit des Gen-Korridors gelegen. Er trägt eine verblichene Wollmütze mit „Real Madrid“-Emblem. Ein überwucherter Pfad führt zu der schäbigen Hütte, die er als Unterschlupf und Lager nutzt. Hirsekörner trocknen davor in der Sonne. Sein Dorf ist mehrere Wegstunden entfernt. In der Vornacht waren Elefanten da.

Der Bauer Muhammad Ali erklärt, wie die Elefanten seine Ernte zerstören. Die Hütte im Hintergrund dient ihm als Vorratslager.
Der Bauer Muhammad Ali erklärt, wie die Elefanten seine Ernte zerstören. Die Hütte im Hintergrund dient ihm als Vorratslager.Foto: Kai Müller

Die Elefanten sind Alis Schicksal. Drei Viertel der Ernte würden durch sie zerstört, sagt der Bauer. Einmal pro Woche bekomme er Besuch von ihnen. In der vergangenen Nacht, erzählt er, hätten sie sich an einer Bananenstaude zu schaffen gemacht. Der zerrupfte Strunk an einem Hang zeugt davon. Seine beiden Frauen hätten sich in der Hütte befunden, die Tür verrammelt und gewartet. Auf die Frage, ob er die Elefanten als seine Feinde betrachte, sagt er: Nein. Es klingt ein bisschen pflichtschuldig, als müsse er das jetzt sagen, weil es doch dieses Abkommen der Kommune mit der Regierung gibt. Aber hat Ali eine Wahl? Mögen die Elefanten auch Trampel sein, die über die Frucht seiner Arbeit hinwegstapfen, erschießen könnte er sie nicht. Ihm fehlt das Gewehr. Die Scouts im Dorf hätten eins, aber das ist einen halben Tagesmarsch entfernt.

Das Töten übernehmen derweil ganz andere. Der Elefantenbestand im Selous ist auf 15000 Exemplare geschrumpft. Vierzig Jahre zuvor waren noch 109 000 gezählt worden. Allein seit 2009 gingen über drei Viertel der Population an Wilderer verloren (78 Prozent). Nashörner sind praktisch ausgerottet, bis auf 35 Tiere, die unter Sonderbewachung durch Ranger stehen.

Da könnte man meinen, dass Leonard Mayeta als oberster Wildhüter genau der richtige Mann ist, um mit ihm die Gegenmaßnahmen der Regierung zu erörtern. In einem flachen Nebengebäude des Ministeriums für natürliche Ressourcen und Tourismus schließt er seinen Computer an einen Beamer an. Er trägt schwarz und sein Lächeln ist dunkel. Bei Fragen schließt er die Augen wie zu einer Meditation.

Auf seinen Schaubildern geht es um die im vergangenen Jahr aktiv gewordene Wildlife-Behörde Tawa, die sämtliche Reservate verwaltet und deren Direktor nun unmittelbar an den Minister berichtet. Das war vorher nicht der Fall gewesen, weswegen die Reservate gegenüber den – von der Tanapa gemanagten – Nationalparks vernachlässigt waren.

Dienst an der Gemeinschaft. Diese Männer wurden von der Kommune ausgewählt, um als Wildtier-Scouts im Busch Streife zu gehen. Ihre Patrouillen dauern zehn Tage.
Dienst an der Gemeinschaft. Diese Männer wurden von der Kommune ausgewählt, um als Wildtier-Scouts im Busch Streife zu gehen. Ihre...Foto: Kai Müller

Die Ranger betrachten sich in ihren grünen Uniformen, dem roten Barett, auf dem eine goldene Büffelkopf-Brosche prangt, als "Soldaten der Wildnis". Einer von ihnen, ein Massai namens Loramatu Meikoki, wird es später im Hauptquartier der Selous-Verwaltung so ausdrücken, dass er stolz auf seine Aufgabe sei, aber gegen die Wilderer seien sie bislang weitgehend machtlos geblieben. Die Elfenbeinräuber waren in der Überzahl oder kannten die Wege durch das Labyrinth der Trampelpfade besser, da es sich bei den Fährtensuchern um Einheimische handelte. Auch verfügten die Wilderer-Banden über halbautomatische Waffen. Mit ihren antiquierten Jagdgewehren könnten die Ranger dagegen nichts ausrichten und zögen sich meist zurück.

Nun glaubt Mayeta, geeignete Maßnahmen zur Eindämmung der anhaltenden Wildereikrise eingeleitet zu haben. In jüngster Zeit wurde die Zahl der Wildhüter auf 700 aufgestockt. Benötigt würden zur Abdeckung des Gebiets doppelt so viele Ranger, sagt Mayeta. Ein erster wichtiger Schritt zur Effizienz sei mit dem Umbau der Organisation in eine paramilitärischen Einsatztruppe vollzogen. "Wenn wir jetzt sagen: Go! Dann meint das auch: Go!", sagt Mayeta.

Die Truppe wird auch mit Mitteln der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft (FZG) aufgerüstet. In einem Raum der Reservatsverwaltung warten nagelneue mobile Funkgeräte auf den Einsatz, ein Netz aus Sendemasten soll aufgebaut werden. Nun gibt es Autobatterien und Solarpanels für die Außenposten, an denen die Patrouillen zuvor von der Welt abgeschnitten waren. Und vor dem Verwaltungssitz stehen zwei Dutzend nagelneue Toyota Land Cruiser.

Man könne Gesetze nicht durchsetzen ohne Mobilität, sagt die FZG-Mitarbeiterin vor Ort. „Die Größe des Gebiets ist Vorteil und Fluch zugleich“, fährt die Zoologin fort, „es bietet Elefanten Rückzugsräume vor Wilderern, gleichzeitig kaum Schutz vor ihnen, da wir es nicht kontrollieren können.“

Die "Ivory Queen" steht vor Gericht

An ihrer Seite nickt ein untersetzter schwarzer Mann mit funkelnden Augen. Captain Shayo, wie er sich nennen lässt, jagt Wilderer schon seit langem. Jeden Morgen um 6.30 Uhr steigt er mit einem in Zebra-Scheckung lackierten Flugzeug in den Himmel auf und sucht den Horizont nach Rauchsäulen ab, die von einer Kochstelle zeugen. Entdeckt er ein Wilderer-Lager, gibt er die GPS-Koordinaten ans Hauptquartier durch. Es ist dann an den Rangern, sich zu dem Ort zu begeben und die Elfenbeindiebe zu fangen. "Als die Zahl der Ranger in den 90er Jahren zurückging, litt das Reservat sehr", sagt Captain Shayo und stellt damit einen direkten Zusammenhang zwischen der aktuellen Wildereikrise und der personellen Ausstattung der Reservatsverwaltung her.

Luftaufklärung. Captain Shayo war jahrelang als Wildhüter im Selous angestellt, nun überfliegt er das Reservat täglich im Auftrag der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft.
Luftaufklärung. Captain Shayo war jahrelang als Wildhüter im Selous angestellt, nun überfliegt er das Reservat täglich im Auftrag...Foto: Kai Müller

Vor geraumer Zeit berichtete der „Guardian“ von einer Liste des tansanischen Geheimdienstes mit Namen hochrangiger Geschäftsleute und Politiker, die in die Wilderei verwickelt sein sollen. „Aber die Liste verschwand stillschweigend“, hieß es. Stattdessen musste der Wildlife-Minister 2013 seinen Posten räumen, nachdem er „reiche Leute und Politiker“ beschuldigt hatte, ein „sehr ausgeklügeltes Netzwerk“ aufgebaut zu haben. Als die von ihm initiierte Militäraktion gegen den Trophäenhandel aus dem Ruder lief, machte ihn das für den damaligen Regierungschef unhaltbar.

Seit Herbst steht nun eine chinesisch-stämmige Restaurantbesitzerin als mutmaßlicher Kopf eines Schmugglerrings in Daressalam vor Gericht. Yang Fenglan soll 1,9 Tonnen Elfenbein außer Landes geschafft haben, was einem Marktwert von 2,3 Millionen Euro entspricht. Auf die Spur der so genannte „Ivory Queen“ brachten die Ermittler 706 Stoßzähne, die 2013 im Nachbarhaus des Restaurants entdeckt wurden.

Der „China Daily“ hatte die Geschäftsfrau und Großmutter 2014 gesagt, „ich baue nicht des Geldes wegen auf mein Restaurant, sondern betrachte es als einen Ort, an dem Menschen aus China und Tansania miteinander ins Gespräch kommen können, Freundschaft schließen und Informationen austauschen.“ Als ihr Mittelsmann kurz darauf verhaftet wurde, tauchte Fenglan ab und wurde im Mai letzten Jahres nach einer wilden Verfolgungsjagd gefasst. Vor Gericht hat sie bislang ihre Unschuld beteuert.

Das Ausbildungszentrum der WMA-Scouts leidet an Geldmangel. In das ehemalige Lager für malawische Flüchtlinge schicken die Kommunen nun ihre Buschmänner, um sie in Wildtierkunde unterweisen zu lassen.
Das Ausbildungszentrum der WMA-Scouts leidet an Geldmangel. In das ehemalige Lager für malawische Flüchtlinge schicken die...Foto: Kai Müller

Wilderei ist ein System. Es hat Mitwisser und Begünstigte, die es decken. Weshalb der zuständige Distriktbeamte in Songea meint, man müsse den Dorfbewohnern begreiflich machen, dass die wilden Tiere im Busch nicht dem weißen Mann oder der Regierung im fernen Daressalam gehören, wie sie oftmals glaubten, sondern ihnen selbst. „Jeder Wilderer soll wissen, dass er seine eigene Gemeinschaft bestiehlt.“

Eine andere Sache ist der volkswirtschaftliche Schaden. Allerdings besitzt die Wildnis nur einen geringen materiellen Wert. Im Jahr 2014 nahm das Selous-Reservat lediglich 6,4 Millionen Dollar ein, die vertragsgemäß zur Hälfte in seine Infrastruktur zurückflossen. Es ist eben immer noch nicht viel Geld aus der Wildnis herauszuholen. Aber es macht sie nicht sicherer. Nicht mehr.

Zumindest die 19 im Selous operierenden Jagd-Unternehmen haben ein starkes Interesse an der Eindämmung der illegalen Tierschlächterei. Schon aus Eigennutz werden 200 Ranger direkt von einigen der Tour-Veranstalter finanziert. Ihre Kundschaft ist bereit, sechsstellige Summen für eine dreiwöchige Safari auszugeben, den zusätzlichen Aufwand für Prämien, Transporte und Präparatoren nicht mitgerechnet. Vor allem Löwen sind die Könige der Preislisten. 8000 Dollar müssen als Abschussprämie für ihre Majestät im Selous entrichtet werden.

Es sind solche Beträge, die den Fortbestand des Löwen höchstens als Luxustrophäe sichern. Davon ist Craig Packer überzeugt. Der amerikanische Forscher und Buchautor („Lions in the Balance“) zählt zu den profiliertesten Kennern der Spezies. Auch zu den umstrittensten. Er sagt, ohne den Anreiz, eine gesunde Löwen-Population für die Jagd aufzuziehen, werde der König der Wildnis bald aus ihr vertrieben sein.

Hunderte Tansanier kommen jährlich durch Löwen ums Leben, meistens Kinder, die mit nicht viel mehr als einem Stock die Kuh der Familie hüten. Das Raubtier überlebe nur, wenn man Mensch und Tier voneinander trenne, sagt Packer und plädiert für eingezäunte Parks wie es sie unter anderem in Südafrika gibt. Nur in solchen, sagt er, würden sich die Bestände stabil entwickeln. Mit seinen Vorschlägen ist er zum Schrecken von „Laptop-Naturschützer“ geworden, wie er jene Aktivisten nennt, die Petitionen verfassen und lieber am Ideal einer "unberührten Wildnis" festhalten, als den deprimierenden Zahlen Rechnung zu tragen. Im "Thrown"-Magazin ist die Position eines Hardliners abgedruckt, der "die Serengeti lieber vollkommen verschwinden als mit einem Zaun umgeben sehen würde".

Ein Büffelschädel im Selous. Die Tiere ziehen in riesigen Herden durch das Reservat.
Ein Büffelschädel im Selous. Die Tiere ziehen in riesigen Herden durch das Reservat.Foto: Kai Müller

Doch um den Ruf der Großwildjagd ist es nicht gut bestellt, wie der Fall Cecil 2015 demonstrierte. Als der Löwe in Simbabwe von einem Zahnarzt aus Minnesota erlegt wurde, mit Pfeil und Bogen, war die Empörung groß über diesen abscheulichen Akt weißer Machokultur.

Dabei wären die Folgen für die Löwen insgesamt viel schlimmer, wenn es den Zeitvertreib der Großwildjagd nicht gebe. Denn einen alten Löwen aus der Sippe herauszuschießen, beschädigt nicht die Art. Tot ist nicht gleich tot. 75 Prozent der Einnahmen im Selous werden von Jagd-Veranstaltern erwirtschaftet. Sie tragen die finanzielle Hauptlast dessen, was den Schutz des Ganzen garantiert. Die Wildlife Authority in Tansania muss sich im Wesentlichen selbst finanzieren, ist also auf Einnahmen aus dem kommerziellen Jagdwesen angewiesen.

„Die Leute“, sagt Mayeta, „die hier erlaubterweise Trophäen jagen, haben durch das Importverbot in Europa Probleme, sie legal in ihre Heimatländer zu bringen.“ Und seine Hand knallt auf die Tischplatte, als wollte er einen Stempel hinter den Satz setzen. Hier glaubt man, dass eine liberalere Handhabung der Einfuhrbestimmungen mehr Jäger ins Selous bringen und den negativen Trend des Tierschwunds umkehren würde. Mehr Jäger bedeuten mehr Geld. Mehr Geld, argumentiert der Tawa-Beamte Mayeta, heißt mehr Schutz und weniger Wilderer.

Auch Löwen-Forscher Craig Packers hatte einst gehofft, Artenschutz werde am besten durch den freien Markt gewährleistet. Der Eigennutz der Jäger müsste dem Raubbau doch vorbeugen, meinte er.

In Likuyu haben sie von dem Pakt mit der Jagd-Industrie in Form "guter, stabiler Häuser" profitiert, wie der Dorfvorsitzende Issa R. Sahani lobt, ein scharfäugiger Mann mit spitzem Gesicht und einer weißen Kofia auf dem Kopf. Die Häuser würden beim ersten Regen nicht gleich weggespült, sagt er. Es gibt eine Krankenstation, ein Geburtshaus dahinter, wenn auch noch nicht eingerichtet, Behälter, mit denen Regenwasser aufgefangen wird. Man war in der Lage, den benötigten Lehrern Unterkünfte zu errichten.

Für die Gläubigen. Ein Jagdunternehmer schenkte Likuyu am Südrand des Selous eine Moschee. Ein Brunnen hat das Dorf noch immer nicht.
Für die Gläubigen. Ein Jagdunternehmer schenkte Likuyu am Südrand des Selous eine Moschee. Ein Brunnen hat das Dorf noch immer...Foto: Kai Müller

Doch der Geldfluss versiegte. Die Auswirkungen der Finanzkrise erreichten auch die 8000 Einwohner von Likuyu im Grenzgebiet des Selous. Im Jahr 2015 wurden 3650 Dollar an die Kommune ausgeschüttet, nachdem es sieben Jahre zuvor noch das Zehnfache dieser Summe gewesen war. "Die Leute beginnen zu glauben, dass sie keinerlei Vorteil mehr von der Regelung haben“, sagt Sahani.

Das prächtigste Gebäude verdankt der Ort dem Segen des Mannes, der als Jagdunternehmer in der Gegend tätig ist. Mister Chen, so nennen sie hier den Chef von Game Frontiers. Über ihn ist nicht viel mehr bekannt, als dass er Tansanier und Muslim ist. Als er sah, unter welchen Umständen seine Glaubensbrüder in Likuyu beten mussten, schenkte er ihnen eine Moschee.

Das Gebäude ist weiß getüncht und hat geschwungene Torbögen, und macht etwas her. Trotzdem ist Dorfvorsteher Sahani ratlos. Verzagt ringt er die Hände. Denn misslich sei, meint er, dass sein Dorf leider nach wie vor kein Wasser habe. Die Frauen müssten vor Tagesanbruch zum Brunnen gehen, da man mittags schon kein trinkbares Wasser mehr bekomme.

Dafür können sie jetzt beten.

Ist der Löwe mehr wert als das Foto eines Löwen

Den Nichtjägern ist im Selous ein Streifen nördlich des Rufiji vorbehalten. Es gibt Überlegungen der Regierung, das für „sanfte“ Foto-Safaris zugängliche Gebiet zu vergrößern. Doch mangels Verkehrsverbindungen und durch die begrenzte Anzahl an Lodges ist das schwierig. Während Nationalparks von Touristenmassen profitieren, dient ein Reservat dem entgegengesetzten Zweck. Menschen haben hier eigentlich wenig verloren. Entsprechend exklusiv sind die Preise. Man hofft in der Hauptstadt, , die Attraktivität des Naturerlebnisses zu erhalten, indem es nur Wenigen zugute kommt. „Low Volume, high Value“ lautet die Losung. Wie groß ist der Magnetismus des Sehenwollens?

Warten auf den Hunger. Eine Löwensippe im Schatten einer Schirmakazie. Beobachtet von Safari-Touristen.
Warten auf den Hunger. Eine Löwensippe im Schatten einer Schirmakazie. Beobachtet von Safari-Touristen.Foto: Kai Müller

An einem heißen Tag der Trockenzeit, das Gras ist niedrig und Laub knirscht unter den Schritten wie Plastik, steuern mehrere Safari-Jeeps denselben Baum an, der einen Schattenkreis in die Savanne wirft. Darunter eine Löwen-Sippe. Die Sonne ist das Einzige, was Löwen respektieren. Selbst die bläulichen Dünste des altersschwachen Motors dringen nicht ins Innere ihrer Trägheit vor. Die Mutter liegt da, fixiert vorbeitrabende Zebras. Mit jeder Stunde, die ihre Magensäfte arbeiten, braut sich in ihr der Hunger zusammen. Irgendwann wird sie zur Jagd aufbrechen.

Was macht eine Löwenfamilie in der Savanne zu etwas Besonderem, wenn es das Foto von einer Löwenfamilie in der Savanne tausendfach gibt?

Hemingway glaubte immerhin, dass er auf ein Tier selbst anlegen müsse, damit es durch eine Geschichte mit ihm verbunden und etwas Besonderes für ihn werden könne. Die Natur hatte ihren Wert als Beute zu erbringen.

Das Original ist heute kaum mehr wert als sein millionenfach verbreitetes Abbild. Sind das gute Neuigkeiten für die Wildnis? Es ist derzeit wohl noch so, dass ein Mensch, der nicht töten und dafür bezahlen will, der Wildnis wenig hilft.

- Die Recherchereise wurde vom WWF finanziert.

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