Berliner Schnauzen (15) : Die Fossa

Alfred Brehm, der berühmte Naturforscher, hielt wohl wenig von der Fossa.

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Fossa
FossaIllustration: Andree Volkmann

Alfred Brehm, der berühmte Naturforscher, hielt wohl wenig von der Fossa. Er beschrieb die madagassische Katzenart im 19. Jahrhundert als einen „Mörder ersten Ranges“, der mit „ebenso viel Kraft wie Blutgier“ an sein Werk gehe. Beinahe 100 Jahre später stellte der britische Tierfilmer David Attenborough die Fossa als „furchtbaren Fleischfresser“ dar. Sogar Angriffe auf Menschen würden ihr nachgesagt, erzählte er in der BBC-Serie „Zoo Quest“, und wenn die Katze einen Hühnerstall der Madagassen überfalle, sei am Ende kein einziger lebender Vogel mehr übrig, nur noch ein Haufen blutiger Federn.

Natürlich ist die einzige Katzenart auf Madagaskar kein Kuscheltier. Die 80 Zentimeter lange Fossa oder Frettkatze, kleiner Kopf, schlanker Rumpf, langer Schwanz, frisst Halbaffen, Vögel, aber bestimmt keine Menschen. Cryptoprocta ferox ist wild, selbst unter Artgenossen fügen sich die Fossas manchmal schwere Bissverletzungen zu, doch das kann bei anderen Katzenarten auch passieren. Nein, ihr Fressverhalten macht die Schleichkatzen nun wirklich nicht einzigartig – ihre Paarungsweise hingegen schon.

Fossas leben normalerweise als Einzelgänger in den belaubten und trockenen Wäldern der Insel. Sie sind behende Kletterer und gute Springer, wahrscheinlich die am besten an die Bäume angepassten Katzen. Müssen sie auch sein. Treffen sich zwei paarungswillige Tiere, dauert die Kopulation bis zu drei Stunden. Da dieser Marathonsex auf den Bäumen stattfindet, kann es vorkommen, dass Fossas während des Aktes weiterklettern – wie zwei ineinander verkeilte Katzen.

Benjamin Ibler, Biologe im Zoo Berlin, erklärt: „Der Penis des Männchens hat Widerhaken, er ist stachelbewehrt.“ Ist das Männchen erst einmal in das Weibchen eingedrungen, kann es, selbst wenn es wollte, nicht so leicht wieder heraus. „Damit erhöhen die männlichen Fossas die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Väter der Jungen sind“, so Benjamin Ibler, und gibt zu, dass diese Fortpflanzungsart in der Tierwelt „recht absonderlich“ ist. Hinzu kommt die Größe des Penis. Er kann im erregten Zustand bis zu den Vorderbeinen des Männchens reichen, was gute 20–30 Zentimeter sind und fast ein Drittel der Gesamtlänge des Tieres ausmacht. Auf Youtube gibt es Videos, die den Paarungsakt zeigen – beeindruckend.

Um eine halbwüchsige weibliche Fossa vor Übergriffen starker Männchen zu schützen, hat die Natur eine einzigartige Strategie entwickelt: die vorübergehende Vermännlichung. Das bedeutet, dass die zwei bis drei Jahre alten Katzen eine stachelige Klitoris entwickeln, die sich anschließend wieder zurückbildet. Außerdem sondern sie ein starkes Sekret über ihre Analdrüsen ab, das den Bauch orange färbt – wie bei ausgewachsenen Männchen.

Rund 90 Tage nach diesem Balanceakt in luftiger Höhe bringt das Weibchen bis zu zwei Jungtiere zur Welt. In absehbarer Zeit wird das im Zoo leider nicht geschehen. Im Raubtierhaus leben zwei junge männliche Fossas. Die Teenager sind sehr aktiv, wie Benjamin Ibler erzählt, und „zerlegen gern die gesamte Inneneinrichtung“. Eichenäste in der Anlage, Blätter an den Zweigen, die sind ratzfatz entweder aufgefressen oder zu Kleinholz verarbeitet. Ulf Lippitz

FOSSA IM ZOO

Lebenserwartung: 20 Jahre

Fütterungszeiten:  Di–So 14.30 Uhr

Interessanter Nachbar: Ozelot, Jaguarundi, Persischer Leopard

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