Berliner Schnauzen (35) : Das Dromedar

Sie sehen gutmütig aus, können aber gefährlich werden. Dromedarhengste durchbeißen menschliche Schädel in der Brunft.

Jesko zu Dohna
Man nennt sie auch Wüstenschiffe: Dromedare.
Man nennt sie auch Wüstenschiffe: Dromedare.Illustration: Andree Volkmann

Stehen die drei ockerfarbenen „Wüstenschiffe“ vor einem, sind sie respekteinflößend. Die Dromedare im Zoo sind mit ihrem einen Höcker (nur Trampeltiere haben zwei) deutlich größer als Pferde. Beim Beschnuppern kommen sie mit ihrem großen Kamelmaul und den borstigen Tasthaaren nah an das Gesicht heran. Sie haben starken Mundgeruch. Und: „Sie sind verdammt aufdringlich“, sagt Pfleger Mario Barabas und streichelt dabei der 22-jährigen Dromedar-Dame Jasmin die Schnauze.

„In 99 Prozent der Fälle passiert dabei nichts“, sagt der Pfleger. „Wird ein Tier jedoch mal aggressiv und beißt zu, kann das schlimm enden. Mit ihren langen Zähnen kann es die Schädeldecke eines Menschen durchbeißen.“ Besser einen Schritt zurücktreten. Mit den Tieren sollte man sich auskennen, wenn man zu ihnen in das Gehege steigt – insbesondere zur Paarungszeit sind die Hengste unberechenbar. „Dann können sie sogar einen Menschen töten“, bestätigt Säugetierkurator Heiner Klös. Sie kompensieren dieses eratische Verhalten dafür den Rest des Jahres mit Genügsamkeit.

Dromedare schleppen schon seit tausenden Jahren Waren auf ihrem Kamelrücken durch die Wüste. Sie dienen in der arabischen Welt als Pack- und Reittiere. Die schon etwas fußlahme Jasmin beispielsweise war das Rennkamel eines Scheichs aus Abu Dhabi. Dieser sonderte das Tier 1997 aus und schenkte es nach einem Rennen auf der Galopprennbahn Hoppegarten dem Zoo – zusammen mit zwei anderen Dromedaren.

Die fast ein bisschen zu groß wirkenden Füße von Jasmin spreizen sich, wenn die zwei Zehen auf Sand aufsetzen. Sie sinken nicht ein, sondern gleiten dadurch wie ein Luftkissen über die Dünen. Anders als den meisten anderen Tieren kostet es das Dromedar wenig Kraft, stundenlang in weichem Wüstensand zu laufen.

Außerdem kann es tagelang ohne Wasser auskommen. „Dass sich der Höcker mit Wasser füllt, ist ein Mythos“, sagt Tierpfleger Barabas. Der Höcker besteht aus Fettgewebe. Die Blutkörperchen können allerdings dank der ovalen Form um ein Vielfaches mehr an Feuchtigkeit speichern als die anderer Säuger. Hinzu kommt, dass die Nasenschleimhaut den Wasserdampf aus der Atemluft resorbiert.

Sind die Wasserreserven aufgebraucht, wird nachgetankt. In wenigen Minuten kann ein Dromedar 100 Liter Wasser hinabstürzen und ein Viertel seines Gewichts zulegen. Im Zoo passen die Pfleger auf, dass die drei Tiere nicht zu viel Kraftfutter und Heu fressen. „Sie hören nicht auf zu kauen und werden dann zu dick“, sagt Barabas.

Mit ihren langen Wimpern sehen Dromedare wie geschminkt aus. Ständig gehen ihre Nasenlöcher auf und zu, dabei schnauben sie. Die langen Haare und die verschließbaren Nüstern schützen sie vor Sand und Kälte. In der Wüste sind die Tage heiß und die Nächte frostig.

Heute gibt es das Dromedar nur noch als Haustier. Das liege daran, dass sie für den Menschen so begehrt sind, sagt Klös. „Wir wissen nur, dass sie aus dem afrikanisch-arabischen Wüstengürtel stammen. Wie sie als Wildtiere ausgesehen haben, ist völlig unbekannt.“ Alle wild lebenden Dromedare sind entlaufene oder verjagte Tiere.

DROMEDAR IM ZOO

Lebenserwartung:  40 bis 50 Jahre

Fütterungszeiten: abends gibt es Kraftfutter, morgens Silage und Heu

Interessanter Nachbar: Kamerunschaf

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