Berliner Schnauzen (49) : Die Zebramanguste

Wer nicht richtig riecht, muss aus der Gruppe verschwinden. Über das Sozialleben der Mangusten.

Isabel Stettin
Kleiner Stinker: Zebramanguste. Illustration: Andree Volkmann
Kleiner Stinker: Zebramanguste.Illustration: Andree Volkmann

Sie sind eigentlich lebhaft, diese kleinen Raubtiere, so groß wie Marder. Zebramangusten spielen gern, verstecken und jagen sich, graben tiefe Gänge, wuseln umher. Eigentlich. Das sandige Gehege im Tierpark ist bei Kälte verwaist. Die verfrorenen Raubtiere sind in den Savannen und Wäldern Afrikas heimisch. Im deutschen Winter aalen sie sich darum bevorzugt im Rotlicht unter der Wärmelampe. Nur hin und wieder siegt die Neugier. Laute Stimmen nähern sich dem Gehege, eine russische Besuchergruppe. Und siehe da! Naseweis blitzen zwei Köpfchen aus der Tür zum Außengehege hervor.

Gefahr in Sicht? Fühlen sich Mangusten bedroht, ertönt ein sehr schriller Warnschrei, wie das gellende Pfeifen eines Vogels. „Da müssen sie sich aber sehr provoziert fühlen“, sagt Christian Kern, Kurator für Säugetiere. „Unsere Mangusten haben vor kaum etwas Angst.“ Schließlich ist die Gruppe eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich mit ganz eigener Duftnote schützt. Mungos mungo markiert sich mit einem schleimigen Sekret aus den Analdrüsen. So können sie sich gegenseitig gut riechen, Feinde und Eindringlinge aus fremden Gruppen hingegen fallen sofort als Verräter auf: Wer nicht stinkt, wird vertrieben.

Überhaupt seien die Mangusten „ziemliche Schmutzfinken“, sagt Christian Kern. Die „Kotecke“ zieht sich durch das gesamte Gehege. Selbst bei der Futtersuche schrecken sie vor nichts zurück. In den Häufchen von Elefanten wühlen sie nach Mistkäfern, im Sand graben sie nach Würmern. Mit ihren geschickten Pfoten rollen und kugeln sie Schnecken wild über den Boden, um sie sorgfältig zu entschleimen.

Wer zuerst fressen darf, ist kompliziert und folgt einer strengen, wenn auch willkürlich anmutenden Ordnung. Lange Zeit war Spucki die Chefin, das Alphaweibchen der Kolonie. Sie ist die Einzige, die nicht im Tierpark zur Welt gekommen ist. 2003 kam sie aus Tansania, laut fauchend und, genau, spuckend. Aufgrund ihres hohen Alters ist sie in der Hierarchie weit nach hinten gerutscht. Selbstverständlich für die sozialen Tiere, dass sie sich dennoch um ihre Greisin kümmern. Auch Nachwuchs ziehen sie gemeinsam auf.

Jede Manguste wird nach der Geburt mit einem Chip versehen, um nachzuvollziehen, wer zu wem gehört. Immer wieder müssen kleine Gruppen abgespalten und an andere Zoos abgegeben werden. Wird die Gruppe zu groß, hören die Tiere auf, Nachwuchs zu zeugen – oder vernachlässigen ihn. Haben die Mütter zu viel Stress, fressen sie die Jungtiere.

„Ihr Niedlichkeitsfaktor ist schon extrem hoch“, sagt Kern. Auf Streicheleinheiten haben die Tierchen jedoch keine Lust, obgleich das Fell – schick mit Querstreifen – zum Durchwuscheln einlädt. Immerhin werden sie schnell futterzahm. Kindergeburtstage im Tierpark sind deshalb nicht nur für die Besucher, sondern vor allem die Mangusten ein Höhepunkt. Dann verfüttern die Tierpfleger Eier. Im Aufbrechen sind die Zebramangusten Meister. Sie umklammern die Beute, legen sich auf den Boden oder stellen sich breitbeinig hin. Dann schleudern sie das Ei gegen einen Stamm, um die Schale zu knacken. Den Inhalt lecken sie genüsslich auf.

ZEBRAMANGUSTE IM TIERPARK

Lebenserwartung: 12–15 Jahre

Fütterungszeiten:  täglich zwischen 13 und 14 Uhr

Interessanter Nachbar: Honigdachs

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