Berliner Schnauzen (89) : Der Riffhai

Sie werden nur zwei Meter lang, aber Respekt flößen diese Raubfische trotzdem ein.

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Gar nicht so gefährlich: der Riffhai.
Gar nicht so gefährlich: der Riffhai.Foto: Mühling

Haie sind gefährlich. Hört Christian Heller immer wieder, diesen Satz. Opas sagen ihn, wenn sie mit ihren Enkeln vor der Aquariumscheibe stehen – guck mal, erzählen sie, der Hai, der frisst Menschen. Andere summen die charakteristischen Soundtrack-Töne, die in Steven Spielbergs „Weißem Hai“ immer dann erklingen, wenn es blutig wird.

Wieder andere schießen Grusel-Selfies: Sie pressen den Kopf an die Scheibe und versuchen, ein entblößtes Haigebiss mit ins Bild zu bekommen. Ey, kreischen dann die Mädchen, provozier den nicht, der ist gefährlich!

Alles Quatsch, sagt Heller, der es wissen muss. Seit 15 Jahren steigt er regelmäßig ins Haifischbecken. Gefressen wurde er nie.

Manchmal, wenn es ihm zu bunt wird mit den Kommentaren vor der Scheibe, mischt sich Herr Heller ein. Er erzählt dann den Besuchern, dass von den insgesamt rund 500 bekannten Haiarten lediglich fünf oder sechs dem Menschen auch nur ansatzweise gefährlich werden können.

Die Haie im Aquarium gehören nicht dazu. Drei Arten sind hier versammelt, jeweils paarweise. Der Teppichhai sieht harmlos und im Grunde überhaupt nicht wie ein Hai aus, eher wie ein unförmiges Stück Teppich.

Sehr wendig

Beeindruckender, weil größer, ist der karibische Ammenhai, der mit seinem relativ plumpen Körperbau allerdings auch nicht so ganz dem Klischeebild des Kinohais entspricht. Das tut hier nur einer: der hellhäutige, spitzschnäuzige, äußerst wendige Schwarzspitzen-Riffhai.

In freier Wildbahn trifft man ihn in den küstennahen Gewässern des Indischen Ozeans und des Westpazifiks an. Er ist der klassische Schnorchlerschreck – wer ihn plötzlich zwischen zwei Korallenriffen auftauchen sieht, dem stockt kurz der Atem.

Ausgewachsen ist der Riffhai allerdings nur knapp zwei Meter lang, allein schon aufgrund seiner Körpergröße stellt er keine Gefahr für den Menschen dar. Die beiden Exemplare im Zoo, ein etwa 17-jähriges Männchen und ein deutlich jüngeres Weibchen, sind noch im Wachstum, beide messen keine anderthalb Meter.

Haken schlagen

Aufpassen muss Christian Heller trotzdem ein bisschen, wenn er im Taucheranzug ins Haibecken steigt, um die Scheiben von innen zu reinigen. Nicht wegen Bissgefahr, die besteht nicht.

Der Riffhai ist nur manchmal ein bisschen aufgeregt, wenn sich Menschen im Becken aufhalten. Er schwimmt dann schneller, er schlägt Haken, und die Druckwelle seiner Schwanzflosse kann einen unaufmerksamen Taucher schon mal aus dem Gleichgewicht bringen.

Bauch an Bauch

Wenn sich Riffhaie ganz doll lieb haben, verbeißt sich das Männchen in den Brustflossen des Weibchens. Bauch an Bauch treibt das Paar dann im Wasser, bis der Akt vollendet ist.

Die beiden Exemplare im Aquarium haben diesen submarinen Engtanz schon durchexerziert. Leider mit tragischem Ausgang. Das Weibchen wurde schwanger, aber als es sein Junges zur Welt brachte, war es tot.

Christian Heller fiel die Aufgabe zu, das leblose Haibaby aus dem Becken zu bergen, es war nicht der schönste Tag seiner Tierpflegerkarriere. In anderen Zoos sind vereinzelt schon Riffhaie nachgezüchtet worden. Die Pfleger im Aquarium hoffen noch auf Nachwuchs.

SCHWARZSPITZEN-RIFFHAI, AQUARIUM

Lebenserwartung:  bis 35 Jahre

Fütterungszeiten:  Mo und Do 14.30 Uhr

Interessanter Nachbar: Riesenzackenbarsch, Netzmuräne, Napoleonlippfisch

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