Berliner Schnauzen : Diese Tiere sind die zufriedensten Wesen der Welt

Pinselohrschweine fühlen sich überall sauwohl. Der Lebensraum? Egal. Der Tagesablauf? Essen, schlafen. Nur mit dem Nachwuchs ist das so eine Sache.

Joshua Kocher
Glückliche Pinselohrschweine im Berliner Zoo.
Glückliche Pinselohrschweine im Berliner Zoo.Foto: imago/Olaf Wagner

Es kann alles so einfach sein, wenn man keinerlei Ansprüche hat. Der Lebensraum? Egal. Ob Savanne, Wald oder Sumpf – das Pinselohrschwein fühlt sich überall sauwohl. Nur allzu trocken sollte es nicht sein. Das Essen? Hauptsache, es passt in den Mund. Knollen, Früchte, Krabbeltier. Auch Aas steht auf dem Menü. Im Berliner Zoo gibt es jeden Tag eine Handvoll Rinderhack zum Nachtisch. Wenn bei der Fütterung der Wildvögel auf dem nahe gelegenen Adlerfelsen mal ein Küken übrig bleibt, lehnen die Allesfresser auch das nicht ab. Der Tagesablauf? Essen, schlafen, essen, schlafen.

Kivu, Dagamba und Impra sind drei glückliche Berliner Schweine. Schade, dass die stetige Futtersuche im Außengehege wenig erfolgversprechend ist. Denn im Zoo gibt es geregelte Essenszeiten. Trotzdem durchpflügen die drei den Schlamm mit der Gründlichkeit eines Trüffelspürhundes. Einziger Unterschied: Der ledrige schwarze Rüssel gräbt sich tief gesenkt durch den Dreck und stößt immer wieder einen Grunzlaut aus.

Schmutz scheint ihnen dabei nichts auszumachen. Immerhin bleibt ihr rotbräunlich schimmernder Bauch sauber, denn die kurzen, stämmigen Beine sind genau so lang, dass die Wampe nicht im Schlamm schleift. Über den Rücken zieht sich ein weißer Irokese, Aalstrich genannt. Das dünne Schwänzchen wedelt fröhlich hinterher. Die namensgebenden Pinselohren mit den langen, dünnen Ohrläppchen, an deren Ende ein schwarzes Haarbüschel flattert, vertreiben nervige Fliegen aus dem Sichtfeld. Droht Gefahr, stellen die Schweine die Pinsel nach oben und vergrößern so ihre Körperfläche.

Gezüchtet wird nur noch nach Bestellung

Schweine-Papa Kivu kommt aus München, Mama Dagamba aus Münster. Das gemeinsame Junge, Impra, ist vor drei Jahren im Berliner Zoo auf die Welt gekommen und soll vorerst das letzte bleiben, sagt Klaus-Dieter Grahl, der Reviertierpfleger. Seit der Geburt verhüten die beiden Schweine gezwungenermaßen. „Mama Dagamba bekommt die Pille“, erzählt Grahl. Denn in den deutschen Zoos gibt es bereits mehr als genug Pinselohrschweine. Nur noch auf Bestellung wird gezüchtet.

Das Pinselohrschwein ist eines der auffälligsten seiner Art, doch in freier Wildbahn kann es sich gerade wegen seiner Farbpracht sehr gut tarnen. In den braun-grünen Savannen seiner Heimat im Westen Afrikas, Gambia, Guinea, Elfenbeinküste, lebt es ständig auf der Flucht. Vor allem vor dem Menschen, da seine natürlichen Feinde nach und nach wegsterben.

Die Schweine, die bis zu 1,50 Meter lang werden, sind selbst zwar nicht vom Aussterben bedroht, doch als „Bushmeat“ in den ärmeren Regionen Westafrikas beliebt. Das ist der Grund für ihre Nachtaktivität. Am Tag verstecken sie sich in selbst gegrabenen Mulden. Außer im Zoo natürlich.

Dabei ist es keineswegs so, dass sie völlig unschuldige Wesen sind, sie wissen sich durchaus zu wehren. Im Maulwerk lauern zwei messerscharfe Hauer, mit denen sie in der Rotte auch mal Jagd auf Ziegen machen. Im Duisburger Zoo wurden sie lange Zeit gemeinsam mit den Schwarzkopfschafen gehalten. Bis eines Nachts ein Schaf in den Mägen der dauerhungrigen Pinselohrschweine landete. Denn, ach ja, Schafe essen sie natürlich auch.

Lebenserwartung:  Etwa 18 Jahre

Interessanter Nachbar: Wisent

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