Das Fjällrind im Tierpark : Flotzmaul mit Kuschelfaktor

Die schwedischen Rinder sind wie die Menschen, die das Land bewohnen: gutmütig, kräftig und nach vertrauensbildenden Maßnahmen zu Zärtlichkeit fähig

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Weißer Riese: das Fjällrind.
Weißer Riese: das Fjällrind.Foto: Imago

Mit Fjällraven, der allseits präsenten Outdoormarke mit dem Fuchslogo, hat das Fjällrind nur eines gemeinsam: die Herkunft. Beide stammen aus Schweden. Fjäll bedeutet eigentlich Fels, in Deutschland aber werden mit dem Begriff Berge oder Hochflächen im Norden und Westen Skandinaviens bezeichnet, in denen sich auch der Fjällraven, der Polarfuchs, wohlfühlt. Es sind meist hügelige Landschaften, in den Senken gibt es Seen, ansonsten Moos, Gräser, Flechten und ein paar Birken.

Man ahnt es bei dieser Umgebung schon: Fjällrinder sind robuste und genügsame Tiere, die das ganze Jahr lang draußen gehalten werden können. Viele von ihnen sehen aus, als wären sie im Hochland einmal kräftig eingeschneit worden. Auch Bulle Morten aus dem Tierpark ist ein solches Exemplar. Sein kurzes, glattes Fell ist ganz weiß – bis auf die schwarzen Ohren und das „Flotzmaul“, also Naseneingang und Oberlippe.

Morten teilt sich sein Quartier mit Madlen. Nebenan liegt die gemeinsame Tochter, genannt Miss Marple, in ihrem Stall. Das Gehege im Tierpark ist denkbar unspektakulär. Es besteht aus Rasen und Sandboden – und einem großen Stein.

„Damit sich die Tiere auch mal aus dem Weg gehen können, besonders wenn der Bulle zu aufdringlich wird“, erklärt Kurator Günter Strauss. Zum Weg hin, der Besucher an dem Gelände vorbeiführt, gibt es keinen Zaun, sondern einen wasserlosen Graben. „Das reicht, die hätten sowieso kein Interesse, rauszugehen.“

Achtung vor den Ungarn!

Fjällrinder sind „äußerst gutmütig“ – im Gegensatz etwa zu Steppenrindern aus Ungarn mit ihren großen Hörnern, gleich auf der anderen Seite des Wegs. Wenn die schwedischen Rinder mit einem Menschen vertraut sind, schlecken sie dessen Hand und genießen es, gekrault zu werden.

Hörner fehlen den Rindern aus dem hohen Norden, „sie wurden ihnen irgendwann weggezüchtet“, sagt Strauss. Imposant sind die Tiere trotzdem, immerhin wiegen sie um die 500 Kilogramm und mehr bei einer Größe von 125 (Kuh) und 140 Zentimetern (Bulle).

Pediküre stresst Bullen

Neulich, Anfang Mai, war der Schmied da, „zur Pediküre“, sagt Strauss. Einmal im Jahr muss das sein. Um die Klauenpflege kümmert sich der Schmied mit einem gut geschärften Gerät, das an eine Baumschere erinnert. Bulle Morten musste betäubt werden, so gutmütig ist er dann auch wieder nicht, die Kälber ließen die Prozedur über sich ergehen.

Fjällrinder gibt es seit Jahrtausenden, sie dürften schon den Wikingern Gesellschaft geleistet haben. Eine Zeit lang waren sie stark vom Aussterben bedroht, heute soll es immerhin ein paar tausend Exemplare geben. Zum Beispiel auch am Spukloch, einem See nahe der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern. Die Tiere dort werden zur Landschaftspflege eingesetzt. Sie halten das Gras kurz.

Auf Bauernhöfen in Skandinavien werden Fjällrinder typischerweise gehalten, um Milch zu geben, nicht wegen ihres Fleischs. Jede Fjällko, so die Originalbezeichnung, kann mehr als 5000 Liter im Jahr produzieren. Produkte aus der hochwertigen Milch gelten manchem als Spezialität. Die Kühe im Tierpark werden nicht gemolken. Ihre Milch geht nur an den eigenen Nachwuchs.

FJÄLLRIND IM TIERPARK

Lebenserwartung:  In Zoos 20 Jahre

Fütterungszeiten: etwa 10 Uhr

Interessanter Nachbar: Schottisches Hochlandrind

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