Den Garten bewässern : Plastik-Sprengstoff

Im heißen Sommer haben nicht nur Gärtner reichlich Durst –  ihre Pflanzen auch. Wasser marsch! Was man zum Thema Gießen wissen sollte.

von
Foto: Himmelssturm Fotolia

Erinnert sich noch jemand an „Magnum“? In der Rolle des TV-Privatdetektivs wurde Tom Selleck als Schauspieler in den 80er Jahren bekannt. Jetzt wurde er selbst kriminell, überführt von – ausgerechnet – einem Privatdetektiv. Zum Verhängnis wurde Selleck die Liebe zu seinem Garten. Der mit 24 Hektar allerdings halb so groß ist wie Berlins Botanischer Garten und eigentlich mehr eine Farm. Tom Selleck baut Avocados an.

Sein Anwesen liegt nördlich von Los Angeles. Die Region macht mittlerweile im dritten Jahr hintereinander eine extreme Dürre durch. Die Kalifornier müssen ihren Wasserverbrauch um 25 Prozent drücken. Schon wurden Stars wie Sean Penn oder Oprah Winfrey im Internet an den Pranger gestellt. Neider luden Fotos von ihren gefüllten Pools oder ihrem fettgrünen Rasen hoch.

Tom Selleck kaufte sich einen Tankwagen und ließ ihn an öffentlichen Hydranten füllen. Jetzt soll er Strafe zahlen – und die 20 000 Dollar für den Detektiv.

Die Nachricht muss einen nachdenklich stimmen. Allein, weil Berlin auch immer trockener wird. Der Mai war mit 16 Litern Regen pro Quadratmeter einer der trockensten Mai-Monate überhaupt. Ungefähr 20 Liter pro Quadratmeter in der Woche braucht ein Rasen, um grün zu bleiben.

Nie würde ich mir einen Tankwagen zulegen. Wozu auch? Berlin hat nicht zu wenig Wasser, versichert Stephan Natz, Pressesprecher der hiesigen Wasserwerke. Dürre hin oder her, es gibt hier genügend Keller, die leiden eher unter zu viel Wasser. Der Grundwasserspiegel ist in den vergangenen 20 Jahren gestiegen, weil immer weniger Wasser verbraucht wird. Industrie, die früher zu den Großabnehmern gehörte, ist verschwunden, in den Haushalten wirtschaften Geschirrspüler und Waschmaschinen immer sparsamer. Nun steht es hier und da im Keller, dem Rasen hilft das nicht.

Mache ich mich der Verschwendung schuldig, wenn ich mitten in der Dürre den Hahn aufdrehe? Nein, sagt Stephan Natz: „Sie machen die Sahelzone nicht grün, wenn Sie in Berlin Wasser sparen.“ Weil es sich bei Wasser nun einmal um eine sehr lokale Ressource handelt. Viel bedenklicher ist dagegen, sich für vier Euro ein T-Shirt zu kaufen, dessen Baumwolle auf künstlich bewässerten Feldern wächst. Nicht zuletzt ausgedehnte Baumwollfelder haben in Zentralasien den einst riesigen Aralsee schrumpfen lassen.

Die Berliner Härte kommt aus dem Hahn

Gegen Wasser aus dem Hahn spricht in Berlin eigentlich nur, dass es kostet. Und die Berliner Härte. Das Wasser hier hat einen hohen Kalkgehalt. Gesche Hohlstein, Pressesprecherin des Botanischen Gartens, wo sich echte Profis um das Thema Bewässerung kümmern, sagt: „Stadtwasser hebt auf Dauer den pH-Wert im Boden an, etliche Pflanzen vertragen das, Moorbeetpflanzen nicht.“ Rhododendren zum Beispiel, oder Heidelbeeren. Weshalb ambitionierte Gärtner auf Regenwasser setzen. Das ist weicher, es muss nur irgendwie aufgefangen und gelagert werden.

Zeit für einen Exkurs: Bevor man sich Gedanken macht, ob denn da zu viel Mineralien aufs Beet gelangen, empfiehlt sich die Frage, was noch so alles aus dem Schlauch kommt.

Ich bin zum Beispiel ein großer Anhänger des flexiblen Schlauchs, auch Schrumpelschlauch genannt. Der dehnt sich erst unter Wasserdruck zu seiner wahren, dann dreifachen Länge aus. Dabei ist er sehr leicht, verdreht sich nie, knickt nicht. Leer sieht er aus, als wäre er aus Krepppapier, wenn er sich zu seiner vollen Größe aufpumpt, liefert er eine gute Show. Weshalb der Schrumpelschlauch im Moment der Star im Baumarkt ist. Die Nachteile: Bei Discounterangeboten sollen oft die Anschlüsse nicht dicht halten, sogar ausreißen. Ist mir noch nicht passiert. Gravierender vielleicht die Frage: Was macht den Schlauch so flexibel? Darüber gibt es offenbar keine überprüfbaren Erkenntnisse, aber einen Verdacht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben