Der Wiener Prater feiert 250 Jahre : Start in die Spaßgesellschaft

Der Wiener Prater ist der älteste Vergnügungspark der Welt – nun feiert er seinen 250. Jahrestag. Eine Geschichte von subversiven Kasperln, prächtigen Kulissen, kollernden Lustschreien bis zum heutigen Fünffach-Looping.

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Das Riesenrad ist Wahrzeichen des Wiener Praters
Das Riesenrad ist Wahrzeichen des Wiener PratersFoto: imago/Peter Widmann

Keine Frage, leicht ist der Job nicht. Und manchmal, aber wirklich nur manchmal, gestattet sich Gabriele Nemec den Hauch eines Zweifels. „So ein Ringelspiel“, sagt sie dann und allen Nicht-Österreichern sei erklärt, dass sie damit ihr Karussell meint, so ein Ringelspiel also, „hat ja nicht viele Möglichkeiten. Das fährt in die eine Richtung oder in die andere.“

Immerhin, ihr Ringelspiel, die Prater Marina, das kann beides, linksrum wie rechtsrum. Doch die Konkurrenz ist groß. Da steht zum Beispiel der Space Shot gleich nebenan und beschleunigt seine Fahrgäste 64 Meter hoch auf beinahe 100 Stundenkilometer, um sie anschließend dem freien Fall zu überlassen.

Und, kann die Prater Marina da mithalten? Oder mit dem Wind-o-Bona gleich da drüben, das nur mit seinem Luftdruck ein paar Mutige in der Schwebe hält? Oder dem Prater-Turm, einem 117 Meter hohen Karussell, das alles überragt, was sonst noch in Wiens zweitem Bezirk herumsteht. „Gehen’s“, sagt die 58-Jährige mit der rundlichen Figur in ihrem Wiener Idiom, und in ihren Augenwinkeln zeigen sich viele kleine Lachfalten, „wenn es nur das wäre“. Ist es aber nicht. Denn die Prater Marina mit ihren acht Booten à vier Plätze kann auf ihre Tradition verweisen. Das ist eine Währung, die im Prater auch etwas zählt.

Der Großvater schmuggelte das Karussell über die Grenze

Seit 70 Jahren steht das Karussell hier schon. Der Großvater von Frau Nemec hat seine goldene Uhr drangeben müssen, um es damals über die slowakische Grenze rüber nach Österreich zu bringen. Die Prater Marina ist sogar noch viel älter. 1903 hat der Urgroßvater sie in Hamburg gekauft. Älter ist nur das Riesenrad. Und weil die Fliehkraft auch in diesem Karussell stärker ist als der Mensch, wurden also schon die Omas seitlich auf die Opas gedrückt, bis sie beide gejuchzt haben. Und heute sagen sie dem Enkel, das kenn’ ich, komm’, damit fahren wir. Für Tradition kann man sich eben doch etwas kaufen. Wenigstens ein bisschen.

Dabei sind 70 Jahre nach Prater-Maßstäben ziemlich wenig. Wo es doch Familien gibt, wie die von Silvia Lang, deren Vorfahren vor 150 Jahren bereits ein Panoptikum betrieben. Wobei Silvia Lang schon mal kurz davon geträumt hat, etwas anderes zu machen, Dolmetscherin zu werden. „Aber dann kam der Ruf der Familie.“ Doch nicht einmal 150 Jahre reichen zurück bis zu den Anfängen. Denn 2016 feiert der Wiener Prater seinen 250. Geburtstag und ist damit der älteste Vergnügungspark der Welt, der auch noch die ganze Zeit beinahe ununterbrochen in Betrieb war.

Fahrgeschäfte im Prater um 1800
Fahrgeschäfte im Prater um 1800Foto: Wien Museum

Es gab nur eine Pause. Nachdem sich deutsche Truppen im April 1945 zwischen Riesenrad und Geisterbahn im Kampf um Wien eines ihrer letzten Gefechte mit der Roten Armee lieferten. Der ganze Prater ging in Flammen auf, bis vom gewaltigen Riesenrad keine Gondel mehr übrig war. Doch nur ein Jahr später öffnete der Park wieder, der große Spaß ging weiter.

Dem Adel passte der Rummel nicht

Angefangen hat alles am 7. April 1766, mit einer Ankündigung Josephs II., seit dem Tod seines Vaters junger Kaiser des römisch-deutschen Reiches und Mitregent an der Seite seiner Mutter, Maria Theresia. Der Spross fiel schon bald durch aufklärerische Ideen auf. Eine davon: Der Prater, ein Auenwald entlang der Donau und über Jahrhunderte adliges Jagdgebiet, soll fortan für die Allgemeinheit geöffnet sein.

Dem Hochadel passte das zunächst gar nicht, dass Krethi und Plethi demnächst durch ihren Wald spazieren würden. Man wäre doch lieber unter sich geblieben. Es gibt ein Bonmot, wonach der Kaiser erwidert haben soll, würde er immer nur unter seinesgleichen sein wollen, dürfte er die Kapuzinergruft, in der die toten Gebeine der Habsburger liegen, gar nicht mehr verlassen. Vielleicht ist das aber nur Wiener Schmäh.

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