Die hohe Kunst der Flugbuchung : Billig nach Brüssel

36 Euro für einen Flug nach Belgien? Das muss doch günstiger gehen. Unser Autor macht sich an die Arbeit

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Wer Flüge bucht, muss viel Geduld mitbringen, wenn er ein Schnäppchen machen will.
Wer Flüge bucht, muss viel Geduld mitbringen, wenn er ein Schnäppchen machen will.AFP

Meine Frau war am Telefon. „Hast du eigentlich eine Mastercard Gold?“, fragte sie. Ich war verdutzt. Schließlich bin ich der Sparfuchs, wieso sollte ich eine Mastercard Gold haben? „Damit könnten wir jetzt Geld sparen“, sie klang ein wenig genervt. „Also, hast du oder nicht?“

Immer mit der Ruhe, dachte ich, sagte es aber lieber nicht.

Stattdessen wollte ich zunächst mal wissen, was für seltsame Geschäfte sie da gerade tätigte. „Ich buche einen Flug“, antwortete sie, „unsere Tochter muss doch nach Brüssel!“ Sie macht dort ein freiwilliges soziales Jahr. Nichts, womit man wirklich Geld spart.

Nach Brüssel? Das geht doch mit dem Bus

„Aha, Brüssel“, sagte ich. „Da kann man mit dem Bus hinfahren, ist bestimmt günstiger.“ Sie hatte das jedoch schon überprüft, der billigste Bus kostete hin und zurück 39 Euro, die Bahn war noch teurer. Erstaunlich. „Den Flug kriegen wir für 36 Euro, wenn ich mit der Mastercard bezahle.“ Sie klang inzwischen ein bisschen aufgeregt, weshalb ich sie inständig bat, jetzt nichts Unüberlegtes zu tun, vor allem nicht irgendwelche Tasten zu drücken.

Als ich dann zu Hause war, machte sie mir Vorwürfe. „Deinetwegen kriege ich jetzt dauernd Mails, ich soll unbedingt mit der Buchung weitermachen.“ Der Service von billigfluege.de drängelte in ihrer Mailbox. „Lass mich mal“, sagte ich und fing mir einen bösen Blick ein. Es war jetzt dringend nötig, Erfolge als Sparprofi vorzuweisen.

30 Euro Kreditkartengebühr!

Schnell fand ich heraus, dass das Angebot von billigfluege.de identisch mit dem von fluege.de ist, das als Vergleichsgröße mitgeliefert wurde. Eine weitere knallharte Recherche ergab, dass beide zu Unister gehören, dem Internetunternehmen mit den vielen Reiseportalen, von dem wir zu dieser Zeit noch nicht wussten, dass es in Kürze insolvent gehen würde. Der Preis galt nur mit Mastercard Gold, alle anderen möglichen Zahlungsmethoden waren 30 Euro teurer, weil der versprochene Rabatt entfallen und eine Servicepauschale zusätzlich erhoben würde. Als passende Mastercard wurde eine von der Advanzia empfohlen, einer Bank in Luxemburg. „Advanzia“, sagte ich, „kriege ich auch raus, was das für eine ist!“ Aber meine Frau stoppte mich, sie wollte mit der Buchung vorankommen.

Wir buchten dann direkt bei Ryanair und erhielten die Tickets für 35,18 Euro per Lastschrift. Wenige Tage später ging Unister insolvent. Noch ist unklar, was das für die Kunden bedeutet. Die Portale sind offen, man kann weiter buchen. Aber nicht mit mir!

Ich war sehr zufrieden. Irgendwie hatte ich zum ersten Mal, seit diese Kolumne erscheint, das gute Gefühl, richtig Geld gespart zu haben. Das ist der Durchbruch, ich spüre es.

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