Die Nyala-Antilope im Zoo : Ein Opfer begehrt auf

Die Nyala-Männchen mit ihren großen Hörnern können ganz schon übermütig werden. Die Jungtiere sind dafür beinahe anschmiegsam.

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Hat so schöne Ohren: Das "Junge" aus der Nyala-Familie im Zoo.
Hat so schöne Ohren: Das "Junge" aus der Nyala-Familie im Zoo.Foto: Lippitz

Normalerweise sind Antilopen und Gazellen Wesen am Rande des Nervenzusammenbruchs, immer auf dem Sprung weg vor einem potenziellen Räuber, einen Herzanfall entfernt von der nächsten Überraschung. „Eben Opfer“, wie Reviertierpfleger Uwe Fritzmann sagt.

Von Angst ist beim Nyala- Bock aber nichts zu bemerken. Das stolze Männchen mit seiner Schulterhöhe von 1,40 Meter, seinen ellenlangen gewundenen Hörnern und dem dunkelbraunen Zottelfell, auf dem helle Streifen vertikal verlaufen, fühlt sich in keinster Weise in die Ecke getrieben, wenn eines der bulligen Flusspferde aus dem Wasser auftaucht.

Die Dickhäuter teilen sich mit den Antilopen das Außengehege im Zoo, doch steht der alte Bock am Ufer, bleiben die Tiere lieber im Wasser. Das Nyala-Männchen piekst die Flusspferde schon mal mit den Hörnern, es ärgert sie, und nur wenn es seine Frotzeleien übertreibt, tritt es schnell den Rückzug an.

Familienaufstellung im Zoo

Auf einen echten Kampf mit einem der gefährlichsten Tiere Afrikas will sich auch diese Antilope nicht einlassen. Der Bock springt dann über die Baumstämme, die für die Flusspferde eine Hürde darstellen und den eigenen Bereich der Nyalas abtrennen.

„Der Große, die Alte, die Kleine, das Junge“, das ist die momentane Familienaufstellung der Nyalas laut Pfleger Uwe Fritzmann. Das Jungtier wurde im Februar dieses Jahres geboren, es ist beinahe 70 Zentimeter groß, und wenn es horcht, wer da gerade auf die Anlage kommt, stellt es seine großen Ohren so hübsch aufrecht wie die Elterngeneration.

Damit hören sie gut, mit ihrer Nase riechen sie ausgezeichnet – und mit ihren Augen sehen sie scharf. Das müssen sie als „Opfer“ auch. Im Buschland Südostafrikas, wo sie leben,pirschen sich Löwen, Geparden, Hyänen und Leoparden an sie heran. Wenn ein Raubtierrudel angreift, hilft auch das schönste Horn nicht.

Ab in die Rabatte

Für „das Junge“ sind die Tierpfleger keine Bedrohung. Neugierig stakst es auf dünnen Beinen heran, rotbraunes Fell, helle Streifen, feuchte Stupsnase. Damit will es herausfinden, ob Uwe Fritzmann vielleicht ein Büschel Blätter in seiner Hand hat. Es streckt den schlanken Hals vor und sieht wie eine grazilere Version von Bambi aus. Eine hektische Bewegung allerdings – und es liefe weg. Dieses Fluchtverhalten ist ihnen auch in der Gefangenschaft angeboren.

Bei Gefahr können Nyalas zudem hoch springen. Der ein Meter tiefe Graben im Zoo stellt kein Problem für sie dar. Der Bock, der früher auf der Anlage lebte, stand schon ein paar Mal in den Blumenrabatten oben an der Besucherbrüstung, und fraß sich durch die Vegetation, erzählt der Tierpfleger.

Den Schwanz aufplustern

Die Nyala kam immer wieder zurück, denn die sanften Bodenwellen mit dem Grasbewuchs und das Flusspferdbecken gehören zur Sicherheitszone des kleinen Rudels. Die aktuelle Familie legt überhaupt keinen Wert darauf, diese zu verlassen.

Und weil alles so schön komfortabel ist, werden Besucher selten erleben, dass die Antilopen ihren buschigen kurzen Schwanz aufrecht stellen, um akute Gefahr zu signalisieren. Höchstens, dass sie ihn etwas aufplustern. Dann sind Nyalas paarungsbereit – und bekommen am Ende so ein niedliches und neugieriges Kitz wie „das Junge“.

NYALA-ANTILOPE IM ZOO

Lebenserwartung:  16 Jahre

Fütterungszeiten:  täglich 14.30 Uhr

Interessanter Nachbar: Lippenbär, Zwergflusspferd, Flachlandtapir

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