Die Sparkolumne : Warum man immer ein Handtuch dabei haben sollte

Unsere Badsanierung hatte sich ewig hingezogen, fast sechs Wochen lang konnten wir weder baden noch duschen. Das zahlt sich jetzt aus.

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Immer zur Hand. Als Student ging unser Autor nie ohne Handtuch aus dem Haus.
Immer zur Hand. Als Student ging unser Autor nie ohne Handtuch aus dem Haus.Foto: imago/chromorange

Der November fing an, wie man es von ihm erwartet, düster, unwirtlich, fies. Ein Highlight freilich gab es, wie immer um diese Zeit kam die Aufforderung, den Wasserwerken den aktuellen Verbrauch zu melden. Ich konnte es selbst kaum glauben, wir haben tatsächlich beinahe ein Drittel weniger Wasser benötigt. Ich rechne mit einer erheblichen Rückzahlung.

Was man mit dem unerwarteten Geldsegen alles anstellen könnte! Obwohl, wir sollten es besser sparen, logisch, schon um die im nächsten Jahr zu erwartende Nachzahlung abzufedern, wenn sich der Verbrauch wieder auf einem höheren Niveau einpendelt. Es sei denn, es gelingt uns, dieses hervorragende Verbrauchsergebnis zu reproduzieren. Ich begann zu überlegen, wie wir diese Menge eingespart haben könnten.

Der Sommer war ziemlich feucht gewesen, so feucht, dass das Wasser sogar im Keller stand. Rasensprengen war also komplett entfallen. Das erklärt den einen oder anderen Kubikmeter, so viel aber auch wieder nicht. Ich bin ohnehin zurückhaltend, was das Wässern der Pflanzen angeht.

„Sagt mal, dürfte ich vielleicht euer Bad benutzen“

Dann fiel es mir wieder ein: unsere Badsanierung. Die hatte sich ewig hingezogen, fast sechs Wochen lang konnten wir weder baden noch duschen, lediglich das winzige Gästeklo funktionierte. Meine Frau duschte in dieser Zeit regelmäßig bei ihren Eltern und sogar mal in ihrer Firma. Unsere Tochter hatte Glück, die war im Ausland, bekam von dem Sanitärdesaster nichts mit. Und ich?

Ich erinnerte mich an meine Studentenzeit in Neukölln und Kreuzberg, ist so lange auch wieder nicht her. Seinerzeit hatte längst nicht jede Wohnung ein eigenes Bad. Dafür waren die Mieten billig. Und es war nicht unüblich, Arbeitsgruppen vorzugsweise in solchen Wohnungen abzuhalten, die über fließend warmes Wasser verfügten. Damals hatte ich es mir zur Angewohnheit gemacht, mindestens immer ein Handtuch dabei zu haben.

So machte ich es also wieder und überraschte unseren Freundeskreis mit spontanen Besuchen: „Sagt mal, dürfte ich vielleicht euer Bad benutzen“. Hat ganz gut geklappt. Auf diese Weise bekam ich auch gleich ein paar Anregungen für die Gestaltung des eigenen, neuen Badezimmers – zum Beispiel, für diese Nische in der Wand, in der jetzt die Shampoo-Flaschen stehen.

Die meisten Leute freuen sich ja, wenn sie mal helfen können. Vielleicht sollte ich also im kommenden Jahr einen Monat der freiwilligen Badezimmersperrung ausrufen. So eine Art Wasserfasten. Ich bezweifele allerdings, dass ich meiner Frau mit so einem Vorschlag kommen darf.

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