Digitale Welt : Meine Eltern, die App und ich

Oft erklären ja Erwachsene Kindern die Welt. Es sei denn, plötzlich wackeln Apps. Oder die Oma glaubt, sie hat Google gelöscht.

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Ein Junge spielt in seinem Kinderzimmer auf einem Smartphone ein Computerspiel.
Ein Junge spielt in seinem Kinderzimmer auf einem Smartphone ein Computerspiel.Foto: dpa

Anja-Rami Middendorf, 16:

Vor Kurzem hat meine Mutter herausgefunden, dass es auf ihrem Handy eine Kamera gibt. Ein Jahr, nachdem sie das Smartphone bekommen hat. Wo ist der Auslöser, wie zoome ich ran, hat sie mich gefragt. Das war schon lustig, weil eine Kamera-App für mich ganz normal ist. Seitdem macht sie durchgehend Fotos. Neulich stand ihr Kofferraum voll mit Blumen. Das fand sie so schön, dass sie es mir zeigen wollte. Oder wenn wir gemeinsam etwas erlebt haben, dann schickt sie mir ein Bild als Erinnerung zu. Das Fotografieren ist mittlerweile zu ihrer Lieblingssache am Handy geworden.

Konrad Rohr, 16:

Meine Eltern können super mit ihren Smartphones umgehen und bringen sich das meiste selbst bei. Meine Großmutter ist das Gegenteil. Sie hat dieses Jahr ein iPad bekommen und muss sich alles mühsam zeigen lassen. Letztens hat mein Bruder ihr erklärt, wie man Apps schließt. Zwei Tage später bekamen wir einen panischen Anruf, dass alle Apps angefangen hätten, zu wackeln – und sie aus Versehen Google gelöscht habe. Ein paar Tage haben wir sie besucht und Google wieder auf ihr iPad zurückgeholt. Erleichtert sagte sie: „Danke, ohne Google war ich aufgeschmissen.“

Luisa Meyer, 20:

Letztens hat meine Schwester eine Whatsapp-Nachricht in unsere Familiengruppe geschrieben. Sie war an meinen Bruder gerichtet, der gerade in Mexiko war, und lautete: „Die Krankenversicherung in Mexiko läuft genauso wie in Deutschland, in Mexiko ist die Rechnung zu bezahlen und dann anschließend mitzubringen. Ein aktueller Devisenkurs ist zu belegen.“ Ich habe schnell gemerkt: Das war nicht meine Schwester. Meine Eltern hatten sie gebeten, die Nachricht zu schreiben. Zwar haben wir meinem Vater gezeigt, wie er schreiben und Smileys einfügen kann. Aber meistens lässt er sein Handy trotzdem ausgeschaltet. Weil er keine Lust hat, es ständig aufzuladen.
Johann Stephanowitz, 17:

Meine Mutter ist Bildbearbeiterin und lebt trotzdem recht analog. Sie meidet zum Beispiel Bezahlungen im Internet. Lieber füllt sie einen Überweisungsschein aus Papier aus und geht zur Bank, um ihn einzuwerfen. Auch wenn ich ihr sage, dass es im Internet sichere Möglichkeiten gibt, Geld zu überweisen. Seit der Snowden-Affäre ist meine Mutter besonders vorsichtig geworden. Das ist zwar lobenswert, aber manchmal nervt es schon, wenn sie bei jeder kleinen Fehlermeldung einen Virus vermutet und sagt: „Man weiß nie, was da für geheime Machenschaften betrieben werden.“ Ich darf ihr dann immer erklären, dass ein völlig harmloses Problem vorliegt.

Anna Dombrowsky, 19:

Eigentlich kommen meine Eltern ganz gut mit ihren Smartphones klar. Manchmal fragen sie schon nach Hilfe. Sie schreiben mit dem Zeigefinger und würden sich eher die Bedienungsanleitung durchlesen als ein bisschen herumzuprobieren, aber es geht. Meine Oma wollten wir neulich überreden, dass sie sich ein Tablet kauft und Skype nutzt. Eine Stunde haben wir versucht, ihr zu erklären, was das ist. Wir haben ihr gesagt, dass man damit telefonieren kann und sein Gegenüber sieht. Wie bei einem Video. Leider konnten wir es meiner Oma nicht demonstrieren, weil gerade niemand online war. Sonst wäre sie bestimmt beeindruckt gewesen.

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