Bei Twitter fließt Kombucha aus dem Wasserhahn

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Ex-Facebook-Manager Antonio García Martínez : „Zuckerberg schaut einem nie in die Augen“
Hannes Grassegger
Antonio García Martínez.
Antonio García Martínez.Foto: Helena Price

Wie fanden Sie das?

Ich sah, dass hier ernsthaft gearbeitet wurde, nächtelang. Das war nicht wie bei den Twitter-Hipstern in Downtown San Francisco, bei denen Kombucha aus dem Wasserhahn kam.

Dann wurden Sie eingestellt.

Ja. „On-Boarding“ nennt man den Einführungstag. Im Publikum sind die Neulinge, die „Kids“, auf der Bühne gibt es mitreißende Reden über die neue Kultur und Philosophie, von der wir jetzt Teil sind. Dann folgt eine sechswöchige Schulung. Ein „Bootcamp“, wie beim Militär. Man wird in die Philosophie eingewiesen und muss den Code des Netzwerks bedienen lernen.

Das heißt?

Wie Facebook aussieht und funktioniert, beruht auf einem Code – der verblüffend einfach ist. Ich hab ihn runtergeladen und den Like-Button auf meinem Account umbenannt in Fuck. Fortan habe ich nichts mehr ge-liked, nur noch alles ge-fucked.

Wie sieht es drinnen bei Facebook aus?

Je näher man an Zuckerberg sitzt, desto wichtiger ist man. Es gibt ein zentrales Besprechungszimmer, ganz aus Glas, alle nennen es „das Aquarium“. Dort hält „Zuck“ Hof. Es ging das Gerücht um, es sei schusssicher. Das alte Facebook-Office, in dem ich mich vorstellte, war noch nicht das Raumschiff von heute. Es war ein ziemlich ordinäres Gebäude, schmutzige Büroteppiche, in denen Skateboards und Spielzeugpistolen rumlagen. Überall hingen Poster in so einer Revolutionsästhetik.

Wozu?

Sie hatten eine eigene Posterpresse bei Facebook für interne Propaganda. Die wichtigsten Lehrsätze lauten: Make an impact! Go fast and break things! Done is better than perfect. Get in over your head. (Bewirke was! Sei schnell und zerbrich Sachen! Besser getan als perfekt! Überfordere dich!)

Existiert eine Kleiderordnung?

Am Einführungstag hat jeder ein blaues T-Shirt bekommen. Die Hälfte aller männlichen Mitarbeiter trug das. Viele hatten Familienfotos rumstehen, auf denen Frau und Kinder ebenfalls die Shirts trugen. Den Frauen wurde schon am Einführungstag „abgeraten“, zu knapp angezogen zu sein.

Schildern Sie bitte Ihren Weg zu Facebook.

Ich hatte ein ziemlich heißes Start-up für Internetwerbung aufgebaut. Wir hatten ein paar der bekanntesten Investoren an Bord. Nach zehn Monaten begann Twitter, sich für uns zu interessieren. Um deren Angebot zu erhöhen, versuchte ich, sie gegen Facebook auszuspielen. Die wollten dann mich. Mein Unternehmen und meine alten Partner hab ich an Twitter verkauft.

Ihr Einstiegsgehalt bei Facebook?

Nicht so viel. 550 000 Dollar nach Steuern.

Das klingt doch nicht schlecht!

Nein, das ist im Silicon Valley grade mal Mittelschicht. Ich bekam im Jahr 175 000 Dollar Grundlohn. Dazu gab es einmalig ein Paket von 75 000 Unternehmensanteilen, die später 38 Dollar pro Stück wert waren. Hin und wieder gab es Boni. Wichtig sind im Valley allein die Unternehmensanteile, Cash zählt nicht.

Was war Ihre Aufgabe bei Facebook?

Die Monetarisierung. Ich sollte persönliche Daten in Geld verwandeln. Der Plan: Man versteigert Suchwörter meistbietend an Werbepartner. Es war das Jahr 2011, und Facebook musste endlich Geld verdienen.

Das war Zuckerberg sicher ziemlich wichtig!

Zuckerberg interessierte sich überhaupt nicht für Geld. Die Aufgabe hat er komplett an seine Vize Sheryl Sandberg übergeben.

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