Ex-Puma-Chef Jochen Zeitz : "Ich will nicht der Freak sein, der in Afrika eine Ranch hat"

Nur ökologisches Wirtschaften ist auf Dauer profitabel - das ist sein Credo. Der Manager Jochen Zeitz über sein Engagement in Afrika, Angst vor Ebola und das Visionäre der Grünen.

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Jochen Zeitz, im Hintergrund ein  Entwurf des Zeitz Museum for Contemporary Art Africa (MOCAA), das 2017 in Kapstadt eröffnen soll.
Jochen Zeitz, im Hintergrund ein Entwurf des Zeitz Museum for Contemporary Art Africa (MOCAA), das 2017 in Kapstadt eröffnen...Foto: Kristin Palitza/dpa

Jochen Zeitz, 52, wurde mit 30 Jahren jüngster Vorstandsvorsitzender einer börsennotierten Firma: dem Turnschuhhersteller Puma. Mit 9,8 Millionen Euro war er 2011 der Top-Verdiener unter deutschen Managern. Der Mannheimer lebt vor allem auf seiner Ranch in Kenia. Mit seiner Stiftung unterstützt er Nachhaltigkeit in Afrika

Herr Zeitz, vor vier Jahren haben Sie den Vorstandsvorsitz von Puma abgegeben. Sie haben nun Ihre Stiftung in Kenia und engagieren sich in Unternehmen für den Umweltschutz. Wurde aus dem knallharten Geschäftsmann ein grüner Krieger?

Ich bin weder knallhart noch ein Krieger.

Wenn man einen Dax-Konzern mit 30 Jahren übernimmt und ihn 20 Jahre führt, braucht man Durchsetzungsvermögen.

Ich bin ein Umsetzer, der seine Ideen entwickelt, seine Philosophie.

Ihre Philosophie lautet: Wirtschaft, Naturschutz, Kultur und der Schutz von Communities müssen Hand in Hand gehen.

Mitte der 90er Jahre fing das bei Puma an. Wir haben bemerkt, dass die Lieferanten bei sozialen oder Umweltthemen zum Teil inakzeptable Verhältnisse in den Fabriken hatten. Wir haben uns mal die Fabriken in Indonesien oder China angesehen, wie die mit der Umwelt und den eigenen Angestellten umgingen. Was alles ins Abwasser floss, die Hitze und Dämpfe in den Fabriken! Da haben wir im Unternehmen entschieden, dass wir solche Standards nicht mehr akzeptieren können.

Für Puma haben Sie als erster deutscher Konzern 2010 eine Ökobilanz erstellen lassen und kamen auf Umweltschäden in Höhe von 145 Millionen Euro.

Ich bin der Überzeugung, dass Unternehmen, die nicht verantwortlich wirtschaften, langfristig keinen Erfolg haben werden. Die Ökobilanz zeigt auf einen Blick, wo die Probleme liegen und ist eben keine hypothetische Annahme. Dieses Jahr hat Kering zum ersten Mal eine Ökobilanz für alle Marken veröffentlicht.

Dort sitzen Sie im Aufsichtsrat. Zum Luxuskonzern gehören neben Puma Marken wie Gucci und Yves Saint-Laurent. Da lief viel falsch.

Zum Beispiel, wie Leder gegerbt wurde. Seit 100 Jahren setzte man dafür Chrom ein, das ist wie Quecksilber ein umweltschädliches Metall im Abwasser. Wo kauft man Leder: in Brasilien, wo mal ein Regenwald abgeholzt wurde, oder in Gebieten Nordamerikas, wo es seit 150 Jahren keine Bäume mehr gibt? Baut man eine Fabrik, die viel Wasser verbraucht, in einer Gegend mit wenigen natürlichen Ressourcen? Mit den richtigen Antworten kann man gezielt seine Ökobilanz verbessern.

Eine Ranch in Kenia, ein Haus in der Schweiz und in den USA. Ihr ökologischer Fußabdruck muss verheerend sein. Trauen Sie sich überhaupt noch, den zu errechnen?

Ja, das mache ich am Ende des Jahres. Ich fliege zwar viel in der Welt umher, aber meistens, um Menschen mit nachhaltigen Ideen vertraut zu machen. Deshalb glaube ich, dass ich einen positiven Fußabdruck habe, allein weil ich auf meiner Ranch Segera in Kenia 200 Quadratkilometer Land nachhaltig bewirtschafte. Wir setzen Solarpanels zur Energiegewinnung ein, sammeln 800 000 Liter Wasser in der Regenzeit mit unseren Auffangbecken, bauen unser eigenes Essen an, haben Plastikflaschen abgeschafft und waschen die Glasflaschen immer wieder aus.

In Segera haben Sie ein Öko-Luxusresort mit acht Villen eingerichtet, gleich neben Ihrem Wohnhaus.

Ich wollte zeigen, dass es möglich ist, einen qualitativ hochwertigen Tourismusbetrieb klimaneutral zu führen und Besucher dafür zu begeistern. Meine Philosophie lautet, dass die Gäste bei ihrem Aufenthalt etwas über den Umweltschutz vor Ort lernen, in die Communities gehen, nicht nur auf Safari. Wir ziehen keinen Zaun um die Villen und sagen: Bloß nicht rausgehen! Ich sehe Tourismus als integrativen Prozess. Fast alle Gäste bringen ein Interesse dafür mit.

Fast alle?

Kürzlich hatten wir einen Milliardär in Segera. Er hatte überhaupt kein Interesse daran, was wir hier machen. Er wollte Swimmingpool und Safari, manche wollen einfach nur abschalten.

Vermögende Menschen treffen auf arme Einheimische. Ganz schön brutaler Einkommensunterschied.

Das eine geht ohne das andere nicht. Ich kann keinen beschäftigen, wenn ich keine Gäste habe. Das verstehen auch unsere Angestellten. Die Gäste zahlen viel Geld, damit sichern wir ein Einkommen für die Menschen, die hier arbeiten. Ich will nicht, dass sie sich fragen: Was habe ich davon, wenn Fremde sich Elefanten ansehen wollen, die vielleicht meine Felder zerstören?

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