Frederick William Cody : Der Erfinder des Wilden Westens

Dem jungen Kaiser Wilhelm ließ er die Zigarre aus der Hand schießen: Buffalo Bill, der "Indianerversteher", erkannte als einer der Ersten die Sehnsüchte seiner Zeit.

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William Frederick Cody, genannt Buffalo Bill im Alter von 34 Jahren.
William Frederick Cody, genannt Buffalo Bill im Alter von 34 Jahren.Foto: Alamy Stock Photo

Die Szene spielte sich 1869 in etwa so ab, wie man sich den Wilden Westen vorstellt: Auf der einen Seite der Journalist von der Ostküste mit seinem gespitzten Bleistift. Auf der anderen Seite der Revolverheld, der keine Frage beantworten will, stattdessen sagt: „Ich gebe dir 24 Stunden Zeit, aus der Stadt zu verschwinden.“ Es war der Fehler seines Lebens. Denn sonst wäre Wild Bill Hickok, so hieß der Revolverheld, vielleicht nicht geblieben, was er war, und wäre nicht schon bald äußerst unglamourös beim Kartenspielen gestorben, als ihm ein Kontrahent in den Hinterkopf schoss.

Der Journalist aber beherzigte den Rat, suchte sich jemand anders, den er interviewen konnte. Er fand William Frederick Cody und machte ihn als „Buffalo Bill“ zum Helden eines Heftromans. Es war der Beginn einer bemerkenswerten Karriere, in deren Verlauf Buffalo Bill zu einem Weltstar aufstieg, weil er als einer der Ersten die Möglichkeiten guten Marketings und die Sehnsüchte seiner Zeit erkannte.

Der Wilde Westen stillte die Sehnsucht nach der guten alten Zeit

14 Jahre nach der Begegnung mit Ned Buntline, so hieß der Journalist, stand Cody im Mittelpunkt einer Show, die in ihren besten Zeiten 800 Darsteller und 200 Pferde aufbot, die vor ihrem Publikum schossen, ritten, skalpierten und Postkutschen überfielen. Das ganze hieß „Buffalo Bill’s Wild West“, und den „Wilden Westen“, den ließ sich Cody vor Gericht schützen. Denn bis dahin hatte man vom fernen, nicht aber vom wilden Westen gesprochen.

Der war eigentlich 1883 schon Geschichte, die Indianer besiegt und die Postkutschen von der Eisenbahn abgehängt. Damit geriet er plötzlich zur guten alten Zeit – im Gegensatz zur ernüchternden Gegenwart mit ihren qualmenden Fabrikschloten. Und Buffalo Bill war ihr Held, denn er hatte das alles erlebt. So glaubte es wenigstens sein Publikum. Bill wurde ein Symbol, und auch in Europa, schreibt die amerikanische Historikerin Joy Kasson, wurde sein wilder Westen zum Synonym für Amerika und zu einem Genrebild, von dem Hollywood später lange zehren sollte.

Dabei zeigt die Anfangsepisode, es hätte andere, vielleicht sogar geeignetere Kandidaten gegeben, draußen, in den entlegenen Weiten der noch jungen USA. Doch gleich zu Beginn seiner Karriere kümmerten sich Profis darum, den Lebenslauf von Frederick William Cody, 1846 in Iowa geboren, in immer neuen Biografien zu gestalten. Einige Abenteuer immerhin hatte er beizusteuern.

Manche Stellen in Codys Biografie wecken Zweifel

Bills Vater starb früh, der Junge war gerade elf und heuerte bei einer Firma an, die Planwagenkolonnen für Neusiedler organisierte, wenn sie sich auf die Reise in den Westen machten. Er ritt für den Pony-Express, der Kurierdienst war die erste transkontinentale Postverbindung der USA. Er lernte am Rande der Zivilisation jede Menge Rabauken kennen und Indianer natürlich auch. Er war bald ein begehrter Wegweiser und ein guter Jäger.

Allein für die Pacific Railroad Company soll er über 4000 Bisons geschossen haben, um die Eisenbahnarbeiter mit Fleisch zu versorgen. Die Zahl könnte allerdings bereits ins Reich der Legenden gehören. In einer Biografie heißt es, seine ersten Indianer bekämpfte er als Kundschafter im Utah-Krieg. Doch dieser Krieg war ein Feldzug gegen rebellische Mormonen in ihrer Kolonie im heutigen US-Bundesstaat Utah.

Cody reklamierte für sich, auch Goldsucher gewesen zu sein, 1859. Schwer zu glauben, da war er erst 13. Soldat war er wirklich, er zog mit 17 für die Nordstaaten in den Bürgerkrieg. Schon kurz nach seiner Entlassung, mit gerade 20 Jahren, heiratete er. Er wurde Hotelmanager, das Paar bekam schnell Kinder. Es gehört auch zu Codys Lebenslauf, dass er für sich ein anständiges bürgerliches Leben reklamierte. Was sich längst nicht so gut verkaufte wie die Abenteuer im Grenzland.

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